Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 18.1900

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S ch w ä ü i s ch e ViagraMi vn.
22. Glasmaler Franz Joseph
Santerlente aus A l td o r f- W e in -
garten (1793-1843)?)
Von Amtsrichter a. D. B e ck.
F. I. Saniert ente, bedeutender
Glasmaler, geb. am 4. März 1793 zu
A.-Weingarten in Oberschwaben, machte
zunächst die (dem Glasmaler dazumal fast
unentbehrliche) Schule der Porzellanmalerei
durch, war n. a. zu Anfang der 1820er
Jahre unter Jsopi, dessen Schüler er
war, als Schmelzmaler (zuerst als Ober-
maler, dann als artistischer Leiter) in der
rühmlichst bekannten Lndwigsbnrger Por-
zellanfabrik, ans welcher er n. a. einige be-
merkenswerte Vasen für den kgl. Hof ge-
liefert, beschäftigt und hatte durch anhal-
tendes Studium, Reisen nach Thüringen,
Nürnberg und der Schweiz auch die Glas-
schmelzmalerei (Kabinettsglasmalerei) ge-
lernt und sich überhaupt sein Material und
Verfahren ans dem Wege eigenen Nach-
denkens und SelbstauSübens geschaffen.
Von hier aus begab er sich ans die Auf-
lösung der Fabrik mit Unterstützung von
König Wilhelm I. von Württemberg nach
Nürnberg, woselbst er mit Michael Sigis-
mund Frank bekannt wurde, welcher mit
einigen anderen die alte so lange darnieder-
gelegene und fast ganz entschwundene Glas-
malerei wieder zu Ehren gebracht, woran
S. übrigens auch ein wesentlicher Anteil
znkommt. Im Anfang that S. zwar etwas
schwer, bis der Erfolg seine unendlichen
Mühen und Versuche lohnte; nicht wenig
litt er auch in der ersten Zeit unter der
Eifersucht und vermeintlichen Zurücksetzung
und Nichtanerkennung. Bald aber zeich-
neten sich seine GlaSgemälde durch Ent-
schiedenheit und Klarheit des Tones sowie
durch das Inkarnat aus. In der Fritte
(d. h. in der Bestandmasse) gefärbte Gläser
hatte S. noch nicht angewendet; diese wurden
wohl anfangs der 1870 er Jahre zuerst
von den Engländern eingeführt (Mosait-
glasmalerci). Seine ersten Bilder waren
Erasmus von Rotterdam nach Albrecht
Dürer, in welchem man eine Hinneigung
') Diese Biographie ist zuerst in der „Mg. d.
Biographie", Bd. XXX, S. 770—772 erschienen
und wird hieinit hier mit Genehmigung des Ver-
lages von Dunker und Humboldt in Leipzig ab-
gedruckt.

zu Christoph Maurers Manier zu erkennen
glaubte, aus sechs Stücken zusammenge-
setzt und verbleit; Dürerö Porträt auf einer
Glastafel, welch' letzteres sich jetzt mit
sieben Transparentbildern ans Dürers
Leben im germanischen Museum zu Nürn-
berg befindet. Nachdem er eine Zeit lang
unter bezw. mit Frank gearbeitet, betrieb
er diese Kunst, von König Ludwig I. unter-
stützt, selbständig und verfertigte nach
unermüdlichen Versuchen eine Reihe von
GlaSgemälden in die Hertelsche Kunst-
sammlung zu Nürnberg, zu deren Gegen-
ständen er meist Dürersche Stiche und
Holzschnitte, wie das Leben der heiligen
Jnngfran Maria und die Leidensgeschichte
Jesu wählte. Diese Darstellungen fanden
alle in Anbetracht der kräftigen und har-
monischen Färbung, namentlich der guten
Lnftperspektive und der durchaus fleißigen
Ausführung ein lobendes Anerkennen.
Ihnen folgte eine Grablegung nach einem
Gemälde der Boissereeschen Sammlung,
ein Bildnis Pirkheimers und eine Scene
anö dem Leben; letzte beiden Stücke waren
auf der Stuttgarter Kunstausstellung im
Mai 1833 zu sehen. Fast alle diese neuer-
lichen Werke waren auf einer Scheibe mit
Schmelzfarbe und in besonderem technischen
Geschick ansgeführt und entsprachen voll-
kommen den Anforderungen der Kritik.
Nachdem er für die Stadlkirche in Fürth
ein Chorfensier mit reichen Kompositionen
ansgestattet hatte, erhielt er i. I. 1835
den ehrenvollen Ruf, in der über der
Fürstlich Thurn und Tapisschen Familien-
gruft sich erhebenden Begräbniskapelle zu
Negensbnrg sämtliche zwölf (20 Fuß hohe)
Fenster mit Gemälden zu schmücken. Er
führte diesen großartigen Auftrag bis zum
Jahre 1837 meisterhaft anö, so daß diese
Leistung zu dem besten, was die damalige
Zeit in der Glasmalerei hervorgebracht
hat, gezählt werden darf. Ebenso malte
er auf Schloß Landsberg bei Meiningen
mit Wilhelm Vörtel aus Dresden zu-
sammen die Fenster des Minnesänger-
zimmcrs. Bald verschaffte ihm sein Ruf
neue Aufträge, bei deren Ausführung er
sich Schüler (Rettin ger, der nachmals
in Zürich die Glasmalerei betrieb; Phil.
Böhmländer zu Nürnberg; Itzel, der
sich aber später der Lithographie znwandte ec.)
heranbildete, welche ihm auch bei der Voll-
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