Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 18.1900

Page: 172
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darin erscheinen könnten nnd sollten. Wenn es
also einer oder der andere auch in seiner Auf-
klärung schon so weit gebracht hat, zu glauben,
daß das Singen oder Beten im Chore eine ganz
gleichgültige oder unnütze Sache sei, so soll er
wenigstens die Bruderliebe nicht auf dis Seite
setzen, und diese seine Aufklärung seiner Pflicht
aufopfern, in einem Falle, wo es darum zu thun
ist, seinen Brüdern ihre Bürde tragen zu helfen!"
4. „Ich habe schon öfters zu bemerken die un-
angenehme Gelegenheit gehabt, daß einige Herren
Confratres beiin Spiele oder bei der Rekreation
auch sogar in Gegenwart fremder Leute, sich
einander mit unanständigen beleidigenden Aus-
drücken begegnen. Dergleichen Ausdrücke sollten
unter Brüdern und gebildeten Männern gar nicht
gehört werden. Wenn einer an dein andern
etwas öffentlich zu ahnden oder zu verbessern
zu haben glaubt, so soll es doch mit guter Art,
mit brüderlicher Liebe, mit christlicher Schonung
und Sanftmut geschehen. Heftigkeit und Grob-
heit erbittern nur, und bessern nicht u. s. w."
Heute war auch Konferenz in der Abtei
über veischiedene ökonomische Gegenstände.
Unter anderm wurde unfern Pächtern,
wegen erlittenem Kriegsschaden, ein be-
trächtlicher Nachlast an ihrem Henrigen
Pachtgelde bewilligt. Dem Pächter auf
dem Hochstadter Hof, Anton Neh, war
der ganze Pacht geschenkt. Ich ging ver-
gnügt aus der Konferenz, weil ich zu
diesem guten Werke auch mein Scherflein
beigetragen hatte. Den 10. Dezbr. kam
der Herr Pfarrer von Kössingen zu mir,
und ersuchte mich, auf einige Tage einen
Herrn nach Kössingen zu schicken, weil er
eine kleine Reise zum Fürsten von Waller-
stein und zum Fürsten von Taxis nach
Gunzenhansen vorhabe. Ich schickte den
Pater Norbert nach Kössingen. Am 12.
Dezbr. ritt ich selbst nach Kössingen, um
den Pater Norbert abzulösen; den 13.
Dezbr. kam der Herr Pfarrer wieder nach
Hanse, nnd ich ging am nämlichen Tage
ins Kloster zurück. 15. Dezbr. Konferenz
in der Kanzlei über einige rechtliche nnd
politische Gegenstände. 18. Dezbr. Schon
seit einer Woche hatten wir Nachrichten,
daß sowohl kaiserliche als französische
Partisans (diese unter dem Befehl des
Obersten Barbier, jene von dem Corps
des Grafen Mier) in der Gegend von
Weindingen, Monheim, Oettingen, Nörd-
lingen, Bopfingen, Deggingen rc. rc. hernm-
streiften nnd ihr Wesen trieben. Wir
waren deswegen alle Tage in Furcht, von
diesen Herren einen Besuch zu bekommen
und die Scene vom 5. Juli d. I. erneuert zu !

sehen. Zum Glück blieben wir bis jetzt
von einem solchen Besuche befreit. In-
dessen schickte heute Barbier v. Kl.-Deg-
gingen ans 20 Mann in das Städtchen
Nereöheim, um eine Requisition an Brot,
Fleisch und Branntwein anznkündigen und
einzutreiben. Die Herren vom Städtchen
schickten ihrer löblichen Gewohnheit gemäß
diese Requisition an uns herauf. Wir
verbaten uns die Ehre, sie anzunehmen,
indem sie uns nichts anging. Indessen
fürchtete doch der Abt Unannehmlichkeiten
von seiten der Franzosen, er gab mir
deswegen den Auftrag, heute »och nach
Kl.-Deggingen zu gehen, um mit Barbier
selbst zu sprechen. Ich ging nachmittags
2 Uhr von hier ab nnd kam abends 5
Uhr in Deggingen an. Barbier war in
Nördlingen, und kam erst spat nach Deg-
gingen zurück. Ich speiste mit ihm und
noch 10 Ossizieren von seiner Suite mit
dem Herr» Prälaten, dem Pater Grost-
keller und Pater Kästner zu Nacht. Mit
dem Obersten Barbier wegen meinem Ge-
schäfte zu sprechen, hatte ich heute nicht
mehr Gelegenheit. Die heutige Nacht
war für Deggingen eine Nacht der Angst
nnd des Schreckens! Um Mitternacht
kam eine Ordonanz mit der Nachricht,
daß kaiserl. Ulanen nnd Husaren in
Oettingen 30 Man» Franzosen und 40
Pferde aufgehoben hätten. Auf diese Nach-
richt entstand ein allgemeiner Alarm unter
den Offizieren und Truppen, die in Deg-
gingen nnd der ganzen Nachbarschaft lagen.
Es rückten zwei Compagnien Grenadiere
in das Kloster ein; diesen folgte eine
Kanone, welche im Klosterhofe aufgepslanzt
wurde. Man fing an, die Thore zu
schließen und zu verrammeln, Löcher in
die Klostermauern zu brechen, knrz es
schien, als wären die kaiserlichen Partisans
wirklich schon in vollem Anzüge gegen
Deggingen, und als wollten sich die Fran-
zosen in diesem Orte gegen sie verteidigen.
(Fortsetzung folgt.)
BemitriKuuiMt
z u r „C h r i st l. I kouographie" rc.
Von F. I. Mono.
XII.
(Schluß).
Obwohl die Erklärung, die mystische
Deutung und Auslegung der Zeremonien
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