Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 18.1900

Page: 106
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etwa 2 Groschen in die Büchse zn werfen.
Der Anfang war diesesmal eine Stunde
später als gewöhnlich, 2 Uhr. Die Anf-
sührung dauerte 2 bis 2'/? Stunden.
(Fortsetzung folgt.)
Beiiirrkiuiuieu
zur „Christl. Ikonographie" ec.
Bon F. I. Mo ne.
XII.
(Fortsetzung.)
Bekannte Kruzifixe sind auch diejenigen,
auf welchen Pfeile ans den Wundmalen
abgeschossen werden, sogenannte Alfons
von Liguori-Krenze und die Darstellung
der sieben Worte am Kreuze u. s. w.
Interessant sind die Darstellungen Christi
am Kreuze nach dem Psalm 21 (22),
welchen Christus sechs Stunden lang un-
unterbrochen gebetet hat. Hierin haben
die Künstler, welche Elfenbcinkrnzisixe her-
stellteu, Großes und Erstaunliches geleistet,
z. B. offenen Mund, der die Zähne und
Zunge zeigt (Psalm 21, Verö 16). Die
Bildwerke des Kruzifixes werden erst ver-
ständlich, nachdem man jenen Psalm 21 (22)
gründlich studiert hat. Es lag deshalb
nahe, das; begabte Künstler nach diesem
Psalm den Krnzifixnö darstelltcn. Das
Kruzifix mit den zehn Geboten Gottes stellt
Christus als Befreier ans der Knechtschaft
der Sünde dar.
Als bekannte Auffassungen kann man
noch ansnhren: Das Kruzifix, bei welchem
goldene Strahlen vom Herzen nach allen
Richtungen ansgehen (Kruzifix von Pio nono),
das Kruzifix von Kaiser Ferdinand II.
(auf der Erdkugel stehend, am Fuße ein
Schädel), das vom hl. Alfons von Lignori
17Fenerpfeile ans denWundmalen.gehend).
Im Mittelalter und im 16. Jahrhundert
waren die Krnzifixe häufig an den Enden
der Balken mit den vier Evangelisten oder
ihren Symbolen verziert. — Zn dem
Licht auöstrahlenden Krnzifixe hat man im
17. und 18. Jahrhundert bisweilen den
Text des Hymnus:
rex aeternns saaculoruirr
tanHuam latro, tamulorum
jussu comprelrenllikur.
beigesetzt.
Das für die Bedeutung Entscheidende
bei jedem Krnzifixns ist der Ort, wo es
sich befindet, und die Beischrift, d. h. die

Erklärung, nach welcher Auffassung der
Künstler gearbeitet habe, und welchen
Zweck die Aufstellung des Kreuzes hatte,
oder was die Veranlassung zn derselben
war. Aber der Künstler hat auch ohne
schriftlichen Zusatz, seine Auffassung bei
der Komposition durch bildliche Beigaben
ausgesprochen oder anzudenten versucht.
Hierüber hätte auch etwas gesagt werden
sollen. Von den Kanonbildern und
Kruzifixen mit Unterschrift sind die be-
bekanntesten die mit consumntum esk;
oder nmor mens cruciüxus est; oder
6§e pecles llomo, manum cek; oder
mit korLuIar cnlcnvi solus, oder: „Ge-
horsam bis zum Tode", oder: „wir beten
Holz und Stein nicht an" u. s. w. be-
zeichnet sind.
Herr Detzel hatte den sogen. Kanon-
bildern und Kruzifixen ein eigenes Kapitel
oder einen Paragraphen cinräumen sollen.
Es würde auch mit Dank ausgenommen
worden sein, wenn er hier ein staurolo^ia
(Belehrung über die Kreuze und Kruzifixe) in
Schwaben, in der Schweiz, im Allgäu, in
Baden und im Elsaß vor dem 17. Jahr-
hundert zusammengestcllt hätte. Auch über
die alten Fassungen der Krenzpartikel, inso-
fern sie in der Form von Kreuzen oder von
Kruzifixen gemacht sind, hätte der Ver-
fasser sich anssprechen dürfen. Denn die
alten und selbst die späteren Fassungen
verraten oft eine große künstlerische Be-
gabung des Goldschmiedes oder eine tiefe
und sinnige Mystik des Bestellers. Daß
die Krenzpartikelfafsnngen unzweifelhaft in
einer christlichen Ikonographie besprochen
werden müssen, bedarf weiter keines Wortes.
Zn ähnlichen Betrachtungen gelangt man
bei der Lektüre von Detzels Buch, in wel-
chem von der heiligen Messe, vom sakra-
mentalen Christus, vom Altäre, von der
Jkonostasis, von der Hetoimasia und von
dem Schmucke der alten porkntiliL, von
den elfenbeinernen Pyxiden und alten
Versetz- und Speisekelchen nichts gesagt wird.
Was bei der Kreuzigung in Detzels
Buch S. 392—422 über den Krnzifixns
gesagt wird, davon soll unten die Rede
sein.
XIII.
Die heilige Messe, d. i. das heilige Meß-
opfer bildlich so darzustellen, daß das Bild
der Einsetzung des heiligen Abendmahles,
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