Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 18.1900

Page: 120
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Montau: Das wird er seist» ja !
Die Bibel her, wie liest er da?')
Die ganze Möncherei fällt hin durch
diesen Text.
TheophilnS: Mich deucht, der Herr ist
durch und durch verhext.
Wo st> l t ein Wort, was die Gelübde trifft ?
Montau: Da, da, i» dieser Schrift.
Theo pH Uns: Kein Wort, nur seine
Phantasei
Verdrehet so die Bibel.
M o n tan: Noch tausend denken so wie ich.
Thevphilus: Und alle übel.
Paul warnet hier vor SiinvnS Ketzerei.-)
Will er noch wer?
Montan: Bin noch nicht stumm.
Ja wohl, ich schweigen.
Jetzt will ich erst bündig ans der Bibel
zeigen.
TheophilnS: Für die Gelübde steht das
Evangelium.
Arie.
Die Kenschhait oder Jnngfranschaft
Wird vor der Eh' gepriesen.")
Die Armut macht auch tugendhaft,
Die Armut frei erkiesen?)
Laßt nnö auch den Gehorsam seh'n!
Er heißt sich selbst verlängnench)
Heißt nach deö Obern Willen geh'»;
Nicht handeln nach dem eignen.

') Koloss. Il, 21: Rühret nichts n», verkostet
nichts. Alle diese Dingo werden durch den Ge-
brauch selbst zum Verderben nach den Geboten
und Lehren der Menschen. Sie haben zwar den
Schein der Weisheit in dem Aberglauben und in
der Demut und nicht dem Leibe zu schonen. Dieses
Textes bedienten sich Calvin und Beza in ihrer
Polemik gegen die klösterlichen Gelübde.
2) Simon Magus wollte nach der Apostel-
geschichte 8, 1—24 den Aposteln die Gabe der
Geistesmitteilung uni Geld abkaufen. (Siehe das
Volksdrama: „Simon Magus", nufgeführt im
Jahre 1762 durch die Bürgerschaft von Söflin-
gen bei Ulm; bei Beck, „Oberschmabisches Aolks-
theater rc." in Alemannia a. a. O., S. 78—82).
So legen den Bibeltext auch aus St. Clemens,
iXIex. lid. III Lirominum: St. Hieronymus epist.
L<1 wlssas. <xu. >c>: St. Augustinus IHrist. 149
(alias 59) acl NauNnuin.
") I. Korinth. VII. 33: Wer seine Jungfrau
verheiratet, thut gut, und wer nicht verheiratet,
thut besser.
') Matthäi XIX, 29: Ein jeder, der Haus
oder Aecker wegen meinem Namen verläßt, wird
hundertfach empfangen und das ewige Leben besitzen.
°) Matthäi XVI, 24: Wer nach mir kommen
will, der verläugnc sich selbst.

Wer sich dazu entschließen kann,
Thut mehr, als je ein Held gclhan.')
Mo» tau: Das Ding will mir »och nicht
gefalle».
Theophi lns: Ich rate ihm nach W.
(wohl Wien) zu walle»,
Da hole er den Doktorhut.
Da gibt es Leute, welche Mut
Und Witz im Uebeiflusse haben,
Und, wie es scheint, des Peters Felsen
untergrabe».
Da wird er erst ein aufgeklärter Christ,
Da lernet er, was Papst und Ablaß ist.
Vielleicht gibl's wieder neue Fragen,
Gemacht für seinen Grind,
Zum Beispiel, was Gelübde sind.
Für itzt kann ich Ihm sagen:
Er ist ein schlechter Disputant,
Ein unverschämter —
Montan: Keck heraus!
Ein unverschämter Ignorant.
TheophilnS: Das ist er, ja.
Montan: Wir wollen nicht mehr streiten.
Itzt lieb ich selbst die Feirlichkeiten.
Nur lade Er mich ein.
, Ich möcht auch gern bei diesem Feste sehn,
Doch nicht im Chor, beim Essen.
TheophilnS: Der Herr kann mit den
Schweinen fressen.
M 0 nta u: DaS ist so ziemlich grob (geht ab).
TheophilnS: Ein solcher Katholik ver-
dient kein besseres Lob.
Wie viele fressen sich in Kloster» satt
Und Lästern ist der Dank, den man von
ihnen hat.
(Fortsetzung folgt.)

Vor looMhrru. — AnF einem alten
SereMeinier Wlostertageluich re.
(Fortsetzung.)
De» 31. Aug. 1800: Heute fuhr ich mit
noch drei Herren Kapitularen, Ich Placidus,
Ich Benedikt, Ich BonifatiuS, nach uusenn
i Dorf Elchingen, um daö Schutzengelfcst zu
feiern. Ich hielt das Amt und Ich Bene-
dikt predigte. Es gab einen großen Konkurs
und viele Arbeiten im Beichtstühle, denn
, der Herr Pfarrer von Elchingeu halte
keinen seiner benachbarte» Pfarrer zu diesem
') 8t Oregor, dom. Z2 in btvnng.: kortasse
ladiorum non est bomini, relinguere sua, seä
vulcke ladoriosum est, relinguei'e semet ipsum.
blinus cpiippe est adnegare, ^nock badet, valcle
autem multum est abnexare, guoct est.
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