Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 18.1900

Page: 146
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Schweizern nach Italien und hatte wesent-
lichen Anteil an den ehrenvollen Waffen-
thaten gegen die französischen Heerführer
Trivnlzi und Latremonille, so an der ruhm-
vollen standhaften Verteidigung Novarach
so daß der Kaiser, der ihn gemeinsam mit
seinem Bruder Hans v. Sch. schon im
Jahre 1501 gleich beim Beginne seiner
kriegerischen Laufbahn znm Ritter geschlagen
hatte, ihm hauptsächlich für sein unvergleich-
liches Verhalten in der Schlacht bei Vicenza
am 18. Okt. 1511 gegen die Venetianer,
in welcher er mit 36 Wunden bedeckt für
tot ans dem Wahlplatze liegen blieb,
durch seinen Feldherrn Raimund v. Car-
dona diese Ehre znm zweitenmale wider-
fahren ließ. Auch Maximilians Nach-
folger, Kaiser Karl V., nahm ans den
Rat des Grasen Rudolph v. Sulz Schel-
lenbergs Dienste in Anspruch; und wieder-
holt führte Sch. die tapfer» eidgenössischen
Scharen nach Italien, zeichnete sich in
den Schlachten an der Bicocca und von
Pavia rühmlich st aus und trug zur Wie-
dererobernng Mailands von den Franzosen
im Jahre 1521 und Einsetzung Franz II.
Sforza in das Herzogtum Mailand das
Seinige redlich bei. Schließlich machte er
mit seinem Bruder Hans noch die brillante
Verteidigung Wiens gegen Sultan Soliman
d. Gr. mit. Streng katholisch, wie sein
ganzes Hans, trat er mit Hans 1533
dem Bunde des katholischen Adels in Ober-
schwaben zur Anfrechterhaltnng des alten
Glaubens bei. Die zweite Hälfte seines
thatenreichen Lebens verbrachte er, überall
hochgeachtet und geehrt, in seiner Heimat
Kißlegg und hier beschloß er auch seine
Tage und wurde im Chor der Pfarrkirche
beigesetzt. Sch. wurde von seinen Zeit-
genossen als ein Mann von imposanter
Persönlichkeit, von Intelligenz und That-
kraft, als ein biederer, witziger und jovialer
Ritter gerühmt, der seinen, hauptsächlich
aus Schweizern bestehenden Landsknechten,
welche für ihn durchs Feuer gegangen
wären, gehörig zu imponieren verstand.
Er hinterließ bloß eine Tochter Elisabeth
ans seiner Ehe mit Kreszenz von Stotzingen.
Den Stamm setzte allein sein 1559 ch jüngster
Bruder Wolfgang v. Sch., bayer. Rat und
Hofmarschall fort. Sein Geschlecht, das
sich auch durch mehrfache Stiftungen und
Wohlthaten ein gesegnetes Andenken er-

halten hat, ist erloschen. Der letzte (Kiß-
leggsr) Sch. — eine Seitenlinie (die
Hüfinger) starb eist in diesem Jahrhundert
(1812) ans — war Frhr. Hans Christoph
Sch., dessen Tochter Maria Anna sich im
Jahre 1702 mit Ferdinand Ludwig Graf
zu Waldbnrg-Wolfegg vermählte. So kam
die Herrschaft Kißlegg im vorigen Jahr-
hundert an das fürstliche Hans Waldbnrg,
in dessen Besitz sie heute noch ist. — Das
alte Wappen der Schellenberg war ein
Schild mit vier abwechselnden schwarzen
und goldenen Querstreifen, welches sie
später mit dem ihnen von Kaiser Karl V.
verliehenen Wappen der ansgestorbenen
Kißlegger, einem schwarzen Panthertier
mit Ochsenhörnern in einem goldene» Schild,
vereinigte!».
^u§u8tissimorum Irnpsratorum etc. kt l-tcodo
a Lclicsnclcio n Hc>?mAen contiiiuotum et ad-
solutum, Oernpouti. exc. gn. L§rico!kt, 1601
(das sogen. Ambraser Heldenbuch), woselbst sich
auch ein von Dominik. Custodis (in Gr.-Fol.)
gestochenes gutes Bildnis Schellenbergs befindet;
Baumann, Gesch. des Allgäus, II, S. 591—599,
III. S. 522—524, woselbst sich S. 598 ein
Bildnis Schellenbergs in ganzer Grosze nach
einer Zeichnung Jos. Bucks, sowie eine aus-
führliche Darstellung des ganzen Geschlechtes,
findet. „D.-A." X. 1892, Nr. 14, S. 53.
Außerdem giebt Vochezers „Geschichte des
Hauses Wald bürg" innnche Nachrichten über
das Schellenbergsche Geschlecht.
25. Joh. Nep.'v. Kettcnacker aus
Bette n ren te, b ad. Ne ch tsg el ehrt e r
(1783-1855).
lieber die Biographien von Gelehrten,
deren lilterarischer Wirkungskreis nicht in
ihrem Geburtslands lag, herrscht vielfach
ein Nüstern. In ihrem Geburtslands
weiß man nichts von ihren Leistungen,
in ihrer neuen Heimat ignoriert man die-
selben. Dieses Schicksal teilt mit vielen
anderen auch Joh. Nep. v. Kettenacker.
Weder die badische Biographie, noch daö
Königreich Württemberg gedenken seiner.
Joh. Nep. v. Kettenacker wurde am
13. April 1783 zu Bettenreute, OA. Ra-
vensburg, geboren, als Sohn des Baron
v. Nehlingenschcn ObervogtS Joseph Bona-
Ventura v. Kettenacker und der Freiin
Marie Barbara Lenz v. Le uzen selb,
und in der katholischen Konfession getauft und
erzogen. Der älteste, bekannte Ahnherr der
Familie v. Kettenacker, deren Wappen in
Roth an langem Stiele ein silberner Schirm
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