Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 18.1900

Page: 124
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erblickte manche fromme Seele, als 1348
die Pest in Neuilingen wütete, dieses als
ein Strafgericht Gottes über die exkom-
mnuizierte Stadt. Erst am 28. und 30. Ja-
nuar 1348 sprach Bischof Friedrich von
Bamberg den Hugo Spcchzart nebst
anderen Geistliche» nnd ebenso die Gemeinde
frei von der Exkommunikation?)
J>» Jahre 1385 scheint Reutlingen bei
der Dvppclwabl im Bistum Konstanz
(27. Januar 1384) sich nicht dem Gegen-
bischof Mangold v. Brandis, sondern
dem vom Papste anerkannten Nikolaus
v. NeisenSbnrg angeschlvssen zu haben.
Denn am 17. August 1385 befahl König
Wenzel Reutlingen und anderen Städten, den
Neichenancr Mönch Mangold Brandis,
den Widersacher dcö Papstes Urban VI.,
der dem Bischof Nikolaus von Konstanz
großen Schaden that, kräftig zu bekämpfen?)
Am 1. September 1385 dankte dann König
Wenzel von Bcrann ans 25 Städte», da-
runter Reutlingen, für ihre kirchliche Halt-
ung außer an anderen Orten, namentlich
im Kvnstanzer Bistum wegen des Wider-
papsteS Rupert von Genf, der sich Klemens
nennt, ermahnt sie, treu zu Papst Urban VI.
zu Hallen, das Schisma daselbst vollends zu
brechen, die Widersacher anzngreifen und
strafen, wie sie können von König nnd
Reichs wegen?)
Um den 3. September 1476 gebot Kaiser
Friedrich III. auch der Stadt Reutlingen
bei hoher Strafe, alle Geistlichen, die vom
Anhang dcö Ludwig von Freiberg waren,
anszntreiben?) Im Jahre 1474 war be-
kanntlich dieser Ludwig v. Freiberg,
Pfarrer in Ehingen a. D. und Rat Herzog
Sigmunds von Oesterreich, zum Bischof
von Konstanz gewählt, vom Papst aber
nicht anerkannt worden, der vielmehr den
1475 gewählten Otto Truchseß v.Wald-
bnrg anerkannte. Am 31. Oktober 1475
verhängte König Friedrich den Verlust aller
Regalien nnd Neichsacht über jeden, der
den Bischof Otto feindselig behandeln würde.
lieber die persönlichen Beziehungen der
0 P. Fr- v. Stalin I, 808.
? Königl. geh. Haus- und Staatsarchiv zu
Stuttgart.
°) Deutsche Reichstagsakten, Kng. Wenzel I,
414—415.
') Chronik des Kaplans Johannes Knebel aus
den Zeiten des Bürgerkriegs, 2. Abt. 1470—1479,
Basel 1885, S. 95.

Behörden der Reichsstadt zu den dortigen
Geistlichen ist nur Weniges bekannt. Von
solchen Streitigkeiten, wie sie mit denKlöstern,
die Klosterhöfe in der Stadt hatten, statt-
fandcn, bört man nichts. Nur einmal fand
ick eine Nachricht von einem Konflikt. Am
30. Dezember 1448 strafte der Bürger-
meister Mernber Urach den am Altar
5k. IVkarine virZiiris in der Hvspitallirche ar-
gestellten Priester TVrckreas KuZtnnin
wegen Schmähreden ans der Kanzel?) Die
näheren Umstände sind unbekannt. Es spricht
die Nichterwähnung von Streitigkeiten zwi-
schen Magistrat nnd den Stndtgeistlichcn für
beide Teile. Zu dieser friedlichen Ge-
sinnung trug jedenfalls der Umstand bei,
daß die Stadtgeistlichen in ihrer Mehrzahl
Nentlinger Vürgerösöhne waren, die die
Verhältnisse in der Stadt besser kannten,
als fremde.

Ein RapiUlemitel. Einige Uiichen-
pateone.
Von Pfarrer Reiter.
In Oberkochen befindet sich (König.
Wnrttemb. III. S. 449) eine Wallfahrtö-
kapelle zum gekreuzigten Heiland („Wiesen-
herrgott") vom Jahr 1755, erneuert 1819.
— „Wiesenherrgotl" ist gleich Herrgott in
der Wise, d. h. in der Pein. Daö Wort
ist nämlich abznleiten von dem altdeutschen
wize, hellewize — Höllenpein. Vgl. WieS-
kirche bei Steingaden in Bayern. (Sepp,
Neligiousgeschichle von Oberbaycrn Seite
190.)
In meiner Zusammenstellung derKirchen-
palrone unserer Divcese (auch die jetzt
protestantischen Kirchen wurden möglichst
berücksichtigt) fallen einzelne Namen be-
sonders auf, so z. B. Gordian und Epi-
machuö (A itra cb, Mcrazhofc n), Corne-
lius nnd Cyprian (Biberach, OA. Hcil-
broun, Buchau, En net ach, Mittel-
bibera eb), Leodegar (Stetten bei Nvtt-
wcil, Unlergriesingcn, OA. Ehingen),
Felix und Regula (Schwärzend a cv,
Zogenweiler), Sola (K ösingen, OA.
Nereshcim) u. s. w.
DaS Auffallende dürfte aber teilweise
verschwinden, wenn man bedenkt, daß einer-
seits der Besitz von Reliquien gar oft die
Patronate bestimmte, andererseits die Klöster

H Kirchenpflegearchiv in Reutlingen.
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