Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 18.1900

Page: 154
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Johannes den Täufer. Ist die letztere
Angabe richtig, dann darf sie als sehr
interessant bezeichnet werden. Or. Mone
äußert sich hierüber in seinen, Werke:
„Die bildenden Künste im Großherzogtnm
Baden", Band 19, Heft 3 und 4, Seite
319/20 also: „Nach der allgemein ver-
l reiteten Vorstellung des Mittelalters wird
beim jüngsten Gerichte zur rechten Hand
Gottes Maria knieen und um Verzeihung,
Gnade und Barmherzigkeit für die Menschen
stehen, zur linken aber wird der hl. Jo-
hannes Baptista Gott anrnfen und bitten,
daß er ein gnädiger Richter der Mensch-
heit sein möge. Ein italienisches Gebet-
buch aus den, 17. Jahrhundert drückt das
so ans: triontLirte con In sun croce
cor, n Into Nnrin vereine diovnnni
Lnttistn sopra le nubi comparira in
atko cli Ziuckice Oesu Orrislo. Das ist
genau die Beschreibung desjenigen Bildes,
welches im Oriente vor jeder Kirche und
Kapelle der schismatischen Griechen noch
heute zu sehen ist. Damit stimmen die
abendländlichen Triumphbogenbilder über-
ein. Diese Vorstellung geht mithin in sehr
frühe Zeit zurück." Hienach wäre es als
ein Fehler zu bezeichnen, wenn auf dem
Triumphbogenbilde der hl. Johannes der
Evangelist angebracht ist, da nach mittel-
alterlicher Auffassung das Transepi das
Symbol des judicium particulare und
des Weltgerichtes war und der Chor die
vin rinitivL darstellen sollte, zu welcher
man durch den Triumphbogen gelangt. —
Wo sind bei uns Darstellungen von der
schmerzhaften Mutter Gottes unter dem
Kreuze neben Johannes dem Täufer?
Die Kirche in Westernhausen,
Dekanats Amrichshansen, soll nach dem
Katalog v. I. 1876 den hl. Sebastian
zum Patron haben. Sebastian ist aber
nur Nebenpatron, Hauptpatron ist der
hl. Martinus, welcher auch im Katalog
von 1889 genannt wird. Der Beweis
für das Patronat des hl. Martinus kann
aus alteu Urkunden sowie aus einer In-
schrift der großen Glocke zu Westernhausen
erbracht werden. Auch das alte Pfarr-
siegel von Westernhausen spricht dafür, da
es den hl. Martinus zu Noß zeigt, wie
er seinen Mantel mit dem Schwerte teilt.
Dadurch, daß die altcn Pfarrsiegel
mit ihrem Kirchenpatrou durch die K. würt-

temb er gische» Amtssiegel ersetzt
worden sind, hat man, wie cö scheint,
an mehreren Orten seinen Kirchen-
patron ganz vergessen. Thannhausen,
Dekanats Ellmangen? Der in den Kata-
logen genannte Kirchenpatron Lukas ist
nur Nebenpatron, während nach Ausweis
der alten Rechnungen und Urkunden aus
dem 16. und 17. Jahrhundert keatissima
VirZo Naria als eigentliche Patronin be-
zeichnet werden muß. Das Vergessen der
Kirchenpatrone auch ein Stück Geschichte!
Das Freiburger „Diöcesan-Archiv" be-
richtet in seinem Jahrgang 1892 S. 115
und 116: „Eine Kapelle stand zu Ulm
bei Lichtenau schon 1218; sie war der
hl. Margareta geweiht. Da der Weihctag
der alten Kapelle auf den 14. September
fiel, so wurde auch das Patrozinium all-
mählich am Feste Kreuzerhöhung bezw. am
folgenden Sonntag begangen, wie denn
auch exalkatio crucis zum titulus der
neuen Pfarrkirche gewählt wurde." Wie
hier der Tag der Patroziniumsfeier die
Wahl eines andern Patrons bezw. titulus
zur Folge hatte, so hat derselbe auch bei
der Pfarrei Klein-Süssen wenigstens
ans Jahrzehnte hinaus das Patronat ge-
ändert. Dort ist Patronin die allerseligste
Jungfrau Maria. Das Patrozinium wurde
nun lange Zeit hindurch an dem Feste
Kreuzerhöhung gefeiert, an welchem früher
auch die ewige Anbetung stattgefnnden hatte,
und so kam es, daß im Kataloge v. 1,1876
s. crux als titulus angegeben wurde. Das
Patrozinium der Pfarrkirche zu Klein-
Süssen, welches in frühester Zeit nachweisbar
am 8. September gefeiert wurde, wird
jetzt am 15. August begangen mit Rücksicht
auf die Fabrikarbeiter, welche vielfach ver-
hindert sind, sich am 8. September an der
Festesfeier zu beteiligen.
S. Albert?)
Zn jenen Heiligen, welchen im Gebiete
des Königreichs Württemberg und der
Hohenzollernschen Lande nur Ein Heilig-
tum gewidmet wurde, gehört auch der hl.
Albert. Derselbe besaß ehedem in Deiß-
lingen bei Nottweil eine Kapelle, welche
^ lauge Zeit hindurch viele Wallfahrer sah,
seit 1816 aber in eine Scheuer umgewan-
i ? Näheres über S. Albert in der Vita 8. ^1-
! Verl! Oderaltacüensis von Pez.
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