Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 61.1927-1928

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AUSSTELLUNG DER AKADEMIE DRESDEN 1927

VON DR. OSKAR SCHÜRER

Die Professoren der Akademie und des Aka-
demischen Rats haben beschlossen, die im
Jahre 1895 zum Stillstand gekommenen Akade-
mischen Ausstellungen jetzt als „Ausstellungen
der Akademie zu Dresden" wieder aufleben zu
lassen."

„Die Akademie wird von Zeit zu Zeit das
Beste und das Stärkste, das an künstlerischem
Leben in Dresden vorhanden ist oder aus der
Jugend neu auftaucht, zur Ausstellung bringen.
Sie wird mit auswärtigen Mitgliedern unserer
Akademie und mit namhaften deutschen Künst-
lern einen Ausstellungsaustausch pflegen, aber
ohne Mitwirkung von Gruppen, Vereinen, rich-
tungs- oder kunstpolitischen Einstellungen."

„In selbstlosem Dienst für Stadt und Künst-
ler will sie die Ausstellungstradition erhalten,
wenn Dresden, wie 1926, wieder einmal zu
größeren Ausstellungsunternehmungen schreiten
kann........."

So schreibt Professor Robert Sterl im Vorwort
des Ausstellungskatalogs, und wir betreten die
Säle, um festzustellen, ob wir uns über diesen
Entschluß freuen oder ärgern müssen.

Gewiß: Liebermann hat in einigen seiner
Berliner Akademieausstellungen gezeigt, was
man aus derartigen Veranstaltungen machen
kann: eine richtungs-undcliquen-unbeeinflußte,
überlegene Schau der Zeitkunst. In einigen,
— dann schien doch wieder der Dämon alles
Akademischen obzusiegen. Und man wurde
schon wieder mißtrauisch. Ja mißtrauisch. Wir
trauen nun mal allem, was nach Akademie riecht,
nicht mehr so recht. Und das gilt nach rechts
wie nach links. Da droht Erstarrung. Das ei-
gentlich Akademische, das Platonische, scheint
längst verwirkt.

Aber da lesen wir in demselben Vorwort
diese erfrischenden Stellen über die Dresdner
Kunstzustände um 1890. Donnerwetter, wie
sah's da aus 1 Ein Glück, daß die damaligen
Akademieausstellungen „zum Stillstand gekom-
men" waren. Daß unter Leon Pohle und Kühl
in die Malerei, unter Lehrs in die Graphik ein
anderes Leben einzog. Ja wirklich, man be-
kommt Mut, hier einzutreten, wenn man liest,
wie so ein alter Kämpfer wie Sterl, ein Führer
unter den Akademieprofessoren Dresdens, auf-
stöhnt unter der Erinnerung an jene Martern
der Jugend, wie er die Kämpfe nachklingen läßt,
die es kostete, um dem Jungen, dem „wahrhaft

Künstlerischen" der folgenden Generation den
Weg zu bahnen. Wie er heute noch dasteht,
den Pinsel in der Faust, — wenn man so sagen
darf —, und Bestes beabsichtigt für die Förde-
rung heutiger Gesinnung. Also hinein!

Da das städtische Ausstellungsgebäude an
der Lennestraße von der Jahresschau besetzt
war, hatte man die Parterre-Räume des Zwingers
bekommen. Das hatte einen Vorteil: Raumbe-
schränkung. Von jedem Künstler konnte nur
ein Bild gehängt werden. Damit war aber auch
jede Unterstreichung, jede Akzentuierung aus-
geschlossen. Wer mal drin war, ist drin. Es
herrscht das demokratische Prinzip. Man muß
also selberbewerten. WerheutigesAusstellungs-
publikum kennt, wird da skeptisch. Ausstell-
ungen müssen Ordnungen sein, Rangordnungen,
wenn man so will. Das Publikum will geführt
sein, heute — in seiner Verwirrung — mehr
denn je. Und das ist denn doch auch die Funk-
tion einer „akademischen Ausstellung". Und
das erst wäre wirkliche Objektivität. An Buch-
stabenobjektivitäten ist uns wenig gelegen. Nun
gut, das ist nun mal nicht. Und wir müssens
zufrieden sein, daß da ein Beckmann und ein
Richard Müller hängt, also numerisch gleich-
gewichtige Ausdruckskomponenten unserer Zeit.
Im übrigen hat man den Rahmen ziemlich weit
gespannt: alles, was in den letzten Jahrzehnten
Wirkliches zu sagen hatte, ist vertreten: Lieber-
mann und Dix, Ludwig von Hofmann und Kan-
dinsky. Bekanntes und Neues hängt ruhvoll
beisammen und zeigt, was heute in Deutschland
gemalt wird.

Aber es zeigt auch, was früher in Dresden
gemalt wurde. Und damit hat diese „Akade-
mische Ausstellung" ihre eigentliche Verpflich-
tung angepackt. Allerdings nur erst angepackt,
noch lange nicht eingelöst. Denn was da von
früherem gehängt ist, um Traditionen zu weisen
— wie wichtig ist das im malenden Deutschland
und heute vor allem für gewisse Zweige! —•
das ist viel zu wenig. K. D. Friedrich, Schnorr
von Carolsfeld, Richter, Gille, Pohle, Scholtz,
Klinger, Kühl und Uhde mit je einem Bild, —
nur von Rayski hängen drei —, genügt das, um
zündende Kräfte wachzurufen. Gar zu zaghaft
sind diese Anrufungen, um stärker zu wirken.
Obwohl von Rayski schöne Stücke, von Klinger
ein farbig erstaunliches Stück (Die Geigen-
spielerin) da sind. Nein, das hätte resoluter an-
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