Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 61.1927-1928

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DEUTSCHE KUNST IN PARIS

Ein großes kunstpolitisches Ereignis war die
Eröffnung des 20. Pariser Herbstsalons.
Zum ersten Mal seit dem Kriege wurde der deut-
schen Kunst ein besonderer Saal gewährt und
damit der offizielle Boykott gegen das deutsche
Kunstschaffen aufgehoben. Die Ausstellungs-
leitung hatte die Berliner Sezession eingeladen
sich mit ca. 30 Bildern und 10 Plastiken zu be-
teiligen. Unabhängig von dieser Gruppe haben
noch weitere 16 deutsche Künstler ausgestellt,
um das Bild der deutschen Kunst zu bereichern.
Der Eindruck und das Interesse bei dem Pub-
likum und der Presse war recht günstig. Alle
deutschfreundlichen Blätter brachten größere
Berichte über die deutsche Sektion, die vom
guten Willen des Verstehen zeugen.

Die Auswahl der Bilder wurde von Eugen
Spiro recht geschickt getroffen, so daß trotz
des kleinen Raumes der Eindruck deutscher
Kunst sehr lebendig war; sie fügte sich vortreff-
lich in den Rahmen einer internationalen Schau.
— Unter den Malern fanden Grosz und Klee

die größte Anerkennung; sie sind in Frankreich
nicht unbekannt und zählen zu den Wegberei-
tern des Surrealismus. Auch Krauskopf
kommt mit seiner etwas nervösen Pinselführung
und seinen flammenden Lichtern dem französi-
schen Geschmack sehr entgegen. Rudolf Levy
schuldet manches an Matisse und Kisling, doch
zeigt seine leuchtende Palette viele eigene Töne.
Die Bilder von Corinth, Hof er und Jaeckel,
der gauguinhafte Wasserträger von Waske und
ein großes Stilleben von Pechstein fanden
hohe Anerkennung.

Das Niveau der deutschen Kunst ist dem
Durchschnitt des Salons weit überlegen; beson-
ders gilt die» für die Plastik, die weit über alle
anderen Werke triumphiert. Die Figuren Fi o ri s,
das Porträt Slevogts von Kolbe, der Messing-
kopf von Belling, die Büste Wölfflins von
Scharff, das Bildnis Wilh. Bodes von Thorak
zeigen eine Mannigfaltigkeit der künstlerischen
Lösungen, die unsere deutsche Plastik auf das
beste repräsentiert....... dr. fritz nkugass.
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