Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 61.1927-1928

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entw: jos. berger—wien

»blumenvasen« bimini-werkst.

NEUE BIMINI-GLÄSER UND KERAMIK

Unter „Luxus" versteht jede Schicht, jedes
Volk etwas anderes. Was dem einen
lächerlicher Überfluß ist, gilt dem andern als
notwendiges Requisit höheren Lebens. Im
Grunde bewertet jeder das als Luxus, was ihm
entbehrlich oder gar lästig ist. Es gibt Zustände
— man denke an exotische Verhältnisse — in
denen sogar Reinlichkeit als Luxus gilt, während
anderwärts der Besitz eines Kraftwagens uner-
läßlicher Bestandteil des angestrebten Lebens-
stils ist.

So ist auch die Beschäftigung mit schönen
Gebilden der menschlichen Hand für viele ein
Herzensbedürfnis, eine Notwendigkeit. Und
dieses Bedürfnis gewinnt eine geistige Würde,
wenn man bedenkt, daß gerade mit Bedürf-
nissen solcher höheren Art das Geschick aller
menschlichen Kultur auf Gedeih und Verderb
verbunden ist. Die neuen Arbeiten der Bimini-
Werkstätten in Wien, deren einige hier ver-
öffentlicht werden, wollen nichts anderes sein
als „Luxus" solcher Art. Wie sie aus der Liebe
zur kleinen, zweckfreien Schönheit entspringen,

so wollen sie sie bei anderen wecken und
pflegen. Der Art und der Leistungshöhe nach
sind die Erzeugnisse der Wiener Keramik und
Glaskunst ja in aller Welt bekannt. Man kann
hier von neuem feststellen, wie fein es Dina
Kuhn versteht, die guten Geister alter Porzel-
lanplastik ihrer figürlichen Keramik dienstbar
zu machen; besonders in ihrer Darstellung der
vier Elemente ist ihr dies schön geglückt. Un-
erschöpflich scheint die Erfindungsgabe von Fritz
Lampl und von den Brüdern Berger, die die
Bimini-Werkstätten leiten. Immer wissen sie
die hohe, schlanke Vase anders aufzubauen.
Bald geben sie ihr edle, gelassene Linien, bald die
Note einer liebenswürdigen Bizarrerie. Und so
wechseln auch die Farben und die leichte Orna-
mentik. Auch in den kleinen Spielzeugdingen
— man betrachte nur die Gruppe der drei nied-
lichen weißen Tänzerinnen — kommen immer
neue und reizvolle Dinge zum Vorschein; Dinge,
die in spielerischen und edlen Formen jenen
hohen Sinn für das Überflüssige bewahren, der
dem Leben Glanz und Schwung gibt. — o. l.
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