Schäfer, Georg
Kunstdenkmäler im Grossherzogthum Hessen: Inventarisirung und beschreibende Darstellung der Werke der Architektur, Plastik, Malerei und des Kunstgewerbes bis zum Schluss des XVIII. Jahrhunderts: Provinz Starkenburg: Kreis Offenbach — Darmstadt, 1885

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KREIS OFFENBACH

als sogenanntes Hohlrelief (bas-relief en creux) behandelt sind. Das am Scheitel
der Chornische angebrachte Doppelwappen ist durch Verunstaltung unkenntlich ge-
worden. Eine auf dem Altar stehende Kreuzigungsgruppe ist so sehr mit beleidigend
rother Farbe bedeckt, dass nur im allgemeinen auf den Styl der Plastik des vorigen
Jahrhunderts geschlossen werden kann, jede weitere Beurtheilung aber verwehrt bleibt.
Schlossbau Unter den Denkmälern der Profanarchitektur steht obenan: das Schloss der

Grafen von Schönborn. (Vergl. Abi). Nr. 24.) Die Gebäudegruppe erhebt sich

Fig. 24. Heusenstamm. Schloss: Hmtptfassade.

am nördlichen Ende des Ortes. Ihre Gesammtanlage folgt dem System der Wasser-
burgen, insofern der Baukomplex in einer Ebene gelegen und rings von Wasser-
gräben umzogen ist, welche durch Verzweigungen des Mühlbaches, eines Armes
des Bieberbaches, gespeist werden. Von der Landstrasse führt eine steinerne Brücke
über einen Graben in den Schlossbezirk, dessen kunstreiche Ziergärten verschwun-
den sind. Auch auf der anderen Seite der Landstrasse dehnten sich ehemals an-
sehnliche Gartenanlagen aus mit Orangerieen und Fischteichen. Weiterhin begann
der grosse Park mit der Fasanerie. Im Vordergrunde des jetzt zur Wüstung ge-
wordenen Lustgartens sieht man noch die Spuren zweier Bassins, welche durch
ihre symmetrische Anlage und in Verbindung mit anderen Anzeichen in der Boden-
gestaltung auf den Styl der französischen Gartenkunst des 17. Jahrhunderts schliessen
lassen. Der Eingang des Schlossbezirkes ist von zwei Steinpfeilern flankirt, auf
deren Deckplatten ein Löwenpaar heraldische Schilde trägt mit dem Wappen und
dem Namenszug des Grafen Erwin von Schönborn.
Renaissance- jm Centrum der weiten Burgumfriedigung erhebt sich der Schlossbau, welcher

Schloss

an seinem Fuss von einem zweiten Graben umzogen ist. Die Pfeiler der zum
Portal gespannten Bogenbrücke haben als Bekrönungen stattliche Vasen aus buntem
Sandstein. Formenreines Akanthus-Blattwerk schmückt die Wandungen dieser Zier-
gefässe. Die Verbindung der Pfeiler mit der Brückeneinfassung wird durch ein
schönes schmiedeisernes Gitterwerk hergestellt. — Vom Brückenkopf aus betrachtet,
Hauptfronte entwickelt sich die Hauptfronte des im 17. Jahrhundert von den Grafen von
Schönborn, bald nach dem Antritt des neuen Besitzes errichteten Schlossgebäudes,
in voller Ausdehnung nach den Gesetzen der späteren Renaissance. Aus der Tiefe
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