Schäfer, Georg
Kunstdenkmäler im Grossherzogthum Hessen: Inventarisirung und beschreibende Darstellung der Werke der Architektur, Plastik, Malerei und des Kunstgewerbes bis zum Schluss des XVIII. Jahrhunderts: Provinz Starkenburg: Kreis Offenbach — Darmstadt, 1885

Page: 230
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kdgh_offenbach/0261
License: Creative Commons - Attribution - ShareAlike Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
230

KREIS OFFENBACH

XXXIII. SPRENDLINGEN

FARRDORF, südwestlich von Offenbach. Im Zusammenhang mit der
Salvatorkapelle zu Frankfurt a. M. und dem Kloster Patershausen wird
der Ort schon im 9. Jahrhundert urkundlich unter der Bezeichnung
Sprendelincon (880), Sprendelingum und Sprendilingum (882) erwähnt.
Auch kommt in diesem Säculum eine Spiridilinger Mark vor. Im Jahre 1292
wird der Ort Sprendelingin genannt und wiederholt erscheint der Name Sprend-
lingen in Beziehung zu den beiden Häusern Falkenstein und Isenburg.
Kirche Die evangelische Pfarrkirche erhebt sich in erhöhter Lage inmitten des von

Stützmauern umgebenen alten Friedhofes, welcher ausser dem sepulkralen Zweck
auch wehrhafte Bestimmung gehabt zu haben scheint. Im Volksmund heisst die
Oertlichkeit »der alte Tempel«. Die Kirche wurde an Stelle eines älteren, in
vorreformatorischer Zeit dem h. Laurentius geweihten Baues errichtet, von dessen
tektonischer wie stylistischer Beschaffenheit jede Kunde fehlt. Im Jahre 1716 fand
eine durchgreifende Veränderung an Fenster, Thüren, Bedachung und Thurm statt;
1832 geschah eine abermalige Erneuerung, die mit dem Alten gründlich aufräumte.
Das jetzige Gebäude ist fast architekturlos und besteht aus einem schlichten Lang-
haus mit Thurm über dem dreiseitig schliessenden Chor. An der Westseite führt
eine mehrstufige Freitreppe zum Haupteingang, welcher in der Arabeskenzier der
Thürpfeiler und des Sturzes die Formen des Barockstyles und ein Streben nach
künstlerischem Ausdruck verräth in allerdings handwerksmässiger Meisselführung.
Zwischen den bekrönenden Bogensegmenten des Portalgiebels prangt das Isen-
burgische AVappen mit den lateinischen Majuskeln: I.P.G.Z.Y.V.B. (Johann
Philipp Graf zu Isenburg und Büdingen) und die Jahreszahl 1716. Darunter steht
die Schriftstelle: ECCL. IV. 17. BEWAHR DEINEN FUS WANN DU ZLLAI
HAUSE GOTTES GEHST. Die angefügten Buchstaben IDC werden als Mono-
gramm des Verfertigers zu fassen sein. Die Füllungen der Thürflügel sind durch
Lineargliederungen belebt und das schmiedeiserne Beschläge ist eine befriedigende
kunstgewerbliche Leistung im Style der Zeit. — Der Innenbau ist von einer Flach-
loading ...