Schäfer, Georg
Kunstdenkmäler im Grossherzogthum Hessen: Inventarisirung und beschreibende Darstellung der Werke der Architektur, Plastik, Malerei und des Kunstgewerbes bis zum Schluss des XVIII. Jahrhunderts: Provinz Starkenburg: Kreis Offenbach — Darmstadt, 1885

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XXXVII. ZELLHAUSEN

FARRDORF, südlich von Seligenstadt, südöstlich von Offenbach gelegen.

Die katholische Pfarrkirche, 1782 erbaut und dem h. Wendelinus Kirche
geweiht, ist eines jener styllosen Bauwerke, wie solche zu allen Zeiten
für Kultuszwecke errichtet worden, aber für das künstlerische Schaffen
am Schluss des vorigen Jahrhundert ganz besonders charakteristisch sind, weil sie
durch ihre nüchterne und dürftige Erscheinung den völligen Niedergang der
bildenden Kunst jener Zeit bezeugen. Das Gebäude entbehrt der Wölbung, die
durch eine Flachdecke ersetzt ist.

Der Bau hat 1864 eine Verlängerung gen West erhalten. Bei dieser Ver-
änderung wurden der Fassade die Thürwandungen und die St. Wetide limis-Statue Portaisutue
des früheren Westabschlusses eingefügt. Die lebensgrosse Figur ist von bewegten
aber im Ausdruck massvollen Formen und von guter Technik. Sie zeigt den Schutz-
heiligen in der Tracht der Zopfzeit und soll aus der Werkstätte eines Aschaffen-
burger Bildhauers hervorgegangen sein. — Der Verfertiger der Kanzel und des von
Spiralsäulen flankirten Hochaltars huldigte dem öden Zeitgeschmack nur in bedingter
Weise und folgte noch vielfach den Ueberlieferungen des Rococo.

Den Aufsatz des Hochaltars schmückt ein Krucifixus mit Maria und Johannes Altarskulpturen
zur Seite, Holzskulpturen aus der Entstehungszeit der Kirche und mit dem sicht-
lichen Bestreben nach massvoller Formgebung gearbeitet. — Auf dem Nebenaltar
der Epistelseite steht eine Statue des Kirchenpatrons im Pilgergewand. Diese
Skulptur mag dem Beginn des 16. Jahrhunderts angehören; die tiefen Faltenaugen
des Mantels verrathen deutlich den Nachklang der spätgothischen Plastik.

Unter den in der Sakristei aufbewahrten liturgischen Gegenständen seien Geräthe

und Paramente

folgende erwähnt. Eine Monstranz von vergoldetem Kupfer gehört ihrer Zeitstellung
nach dem Schluss des 15. Jahrhunderts an. Wenn auch handwerksmässig in der
Technik, folgt die Arbeit in der Zeichnung dem ausgesprochenen gothischen Gesetz.
An den Seiten des Behälters für das Allerheiligste hängen zwei hellklingende
Glöckchen, an deren Basamenten schlank aufsteigende Fialen stehen, zwischen
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