Schäfer, Georg
Kunstdenkmäler im Grossherzogthum Hessen: Inventarisirung und beschreibende Darstellung der Werke der Architektur, Plastik, Malerei und des Kunstgewerbes bis zum Schluss des XVIII. Jahrhunderts: Provinz Starkenburg: Kreis Offenbach — Darmstadt, 1885

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KREIS OFFENBACH

denen der spitze Helm pyramidalisch emporwächst. — Der Mitte des 18. Jahr-
hunderts gehört ein Kelch an, dessen Ornamentation von lebhaften Rococo-Motiven
erfüllt ist. — Die gleiche Zeitstellung beansprucht ein Pluviale, Textilarbeit in
rothem Damast. — Ein Engelkopf in der Sakristei und verschiedene andere, auf
dem Dachboden liegende Holzskulpturen, theils Engelgestalten, theils Ornamente
mit Spuren reicher Vergoldung und im Styl der verklingenden Renaissance ge-
arbeitet, sollen aus der alten Zellkirche (s. u.) herstammen.
Glocken Auf den gleichen Ursprung wird unter den Glocken die einzige ältere , die

sogen. Messglocke zurückgeführt, welche folgende Inschrift trägt :

SALOMON STERNECKER IN
SPEYER GOS MICH ANNO 1651.
£ei"khcfo5 ^n e'"'o('r Entfernung nordwestlich von Zellhausen lag die Zellkirche (in

Urkunden Cellingen, Celle, Czelle, Tzelle genannt) auf der Stelle eines untergegangenen
Klosters, dessen Gründung die Volkssage Einhard und Emma zuschreibt. Die
Kirche wurde 16.83 un<^ l755 umgebaut, 1796 von der österreichischen Artillerie
als Pulvermagazin und Laboratorium benützt und 1816 niedergelegt. Beim Abbruch
kamen zwei Steine mit römischen Lapidarinschriften zu Tage, deren Inhalt und
Deutung bei der Peschreibung der Kunstdenkmäler von Seligenstadt (s. S. 166)
verzeichnet steht. Die Pflugschaar geht jetzt über die altehrwürdige Gründung
hinweg und nur der Flurname Zellwegsgewann gibt noch örtliche Kunde davon.
Spuren von Untermauerungen, die in den letzten Jahrzehnten beim Bebauen des
Feldes zum Vorschein kamen, gaben eine Vorstellung von der Ausdehnung der
Gebäudegruppen, die nun ganz und gar Wüstung geworden sind.

Literatur. Die Zellkirche betreffend: Steiner, J. W.fC, Geschichte der Stadt und ehe-
maligen Abtei Seligenstadt. 1820, S. 67. — Wagner, Die vormaligen Stifter in Hessen, 1873, S. 260.
— Wagner, G. W. J., Die Wüstungen im Grossherzogthum Hessen, Provinz Starkenburg, 1862, S. 216.
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