Schäfer, Georg
Kunstdenkmäler im Grossherzogthum Hessen: Inventarisirung und beschreibende Darstellung der Werke der Architektur, Plastik, Malerei und des Kunstgewerbes bis zum Schluss des XVIII. Jahrhunderts: Provinz Starkenburg: Kreis Offenbach — Darmstadt, 1885

Page: 108
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kdgh_offenbach/0134
License: Creative Commons - Attribution - ShareAlike Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
I08 KREIS OFFENBACH

XIX. KLEIN-WELZHEIM

ILIALDORF am Main, ("istlich von Seligenstadt; in Urkunden Walines-
heim (772), Walenesheim (786), Ualihinesheim (um 836), Wellensheim
(133g) und im Weisthum des Hübnergerichts des Ortes von 1533
Weinsheim genannt.
Die im Jahr 1843 erbaute, dem h. Cyriacus geweihte Filialkirche, zur
katholischen Pfarrei Seligenstadt gehörig, steht an der Stelle einer niedergelegten
Holzskulpturen Kapelle. Aus diesem älteren Gotteshaus mögen die beiden Holzskalpturen her-
rühren , welche lange Zeit wenig beachtet auf der Orgelbühne an die Wand ge-
lehnt standen, bis sie neuerlich durch die Fürsorge des Herrn Pfarrer Dr. W. Geier
zu Seligenstadt, in den Chor der Kirche übertragen und dort in würdiger Weise
aufgestellt wurden. Es sind Statuen von halber Lebensgrösse. Die eine Figur
stellt den h. Wendelinus dar, die andere die k. Margaretha. Der plastische
Styl deutet mit Entschiedenheit auf die spätgothische Richtung der fränkischen
Schule, sowohl im realistischen und doch wieder empfindungsvollen Ausdruck des
Antlitzes, wie in der Behandlung des brüchigen Faltenwurfes der Gewänder. Die
Figur der h. Margaretha hat in der Körperhaltung und in den Gesichtszügen etwas
Befangenes. Die ungleich freier bewegte Wendelinus-Statue dagegen ist durch-
drungen von edler Auffassung; das Haupt zeigt eine markige Charakteristik und
das Gewand fliesst in gutem Wurf, worin die dem plastischen Schaffen des vor-
gerückteren 15. Jahrhunderts eigenartigen tiefen Faltenaugen nicht fehlen. Leider
haben die Statuen ihre ursprüngliche Polychromirung eingebüsst, an deren Stelle
eine die Meisselführung ganz und gar unkenntlich machende dicke weisse Oelfarben-
kruste getreten ist.

Kelch Die Sakristei bewahrt einen Kelch mit getriebenen Seraphimköpfen und

Früehteguirlanden im Renaissancestyl des 17. Jahrhunderts auf dem breit aus-
ladenden Fuss. Nodus uud Kuppa sind styllos und neueren Ursprungs. -— Eine
lebensgrösse Büste des h. Diakon Cyriakus ist bolzplastisches Mittelgut aus dem
stylistisch schwankenden Stadium des Ueberganges vom 18. in's ig. Jahrhundert.
loading ...