Hoffmann, Richard [Editor]; Bayern / Staatsministerium des Innern für Kirchen- und Schul-Angelegenheiten [Editor]
Kunstdenkmäler des Königreichs Bayern (2,6): Bezirksamt Cham — München, 1906

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VI. B.-A. Cham.

dem Galgenberge stand, vgl. unten S. 101) und die Kirche in dem neuen Markte
Cham (ecclesiam sancti Georgii et ecclesiam in novo foro Chambe) schenkte.
(RiED I, 300. Vgl. auch unten S. 26).
Die Dipoldinger Markgrafen waren ein mächtiges Geschlecht, das viel für die
Kultivierung des Nordgaues tat. Nach dem Tode des Markgrafen Dipold II. (8. April
1146) übertrug KonradHI. das Markgrafenamt seinem Schwager Gebhard, Grafen
von Sulzbach, und einige Jahre nachher (1149) zog KonradHI das Markgrafenamt
überhaupt ein. Die Nachkommen Dipolds II. führten nur noch den Titel Markgrafen,
genossen aber nicht mehr die Befugnisse von solchen; sie waren von nun an auf
ihr unmittelbares Herrschaftsgebiet, die alten Verwaltungsbezirke des Nordgaues, die
Marken Nabburg und Cham und außerdem auf Vohburg beschränkt. Mit dem
Tode des Dipoldinger Markgrafen Bertold II. (1204) fielen dessen Besitzungen (aus-
genommen Nabburg) und damit auch der größte Teil unseres Bezirksamts an den
Schwager Bertolds, den bayerischen Herzog Ludwig den Kelheimer. Wenige Jahr-
zehnte später (1242) gelangte mit der Erbschaft der Grafen von Bogen auch Furth
und Umgebung in den Besitz des bayerischen Herzogs.
Im bayerischen Urbar von 1224 ist unser Gebiet in zwei Ämter geteilt, in das
Amt Cham, das die Gegend nördlich vom Regen (mit Ausnahme der noch den
Grafen von Bogen gehörigen Further Gegend) umfaßt, und in das Amt Radling, das
die Gegend südlich vom Regen in sich begreift. (MB. XXXVI a, 108—112). Bei
der ersten bayerischen Landesteilung 125g hei unser Gebiet an Niederbayern. Im
herzoglichen Urbar von ca. 1270 bildet die ganze Gegend einen Verwaltungsbezirk,
»Mark und Gericht zu Cham«. (MB. XXXVIa, 429 ff.) Der Adel war in unserer
Landschaft besonders zahlreich; viele Burgen dienten zur Sicherung dieses Grenz-
gebietes. Aber trotzdem wurde das Land von den Böhmen wiederholt arg verwüstet,
so 1251, 1266, 1347 und im ig. Jahrhundert in den Husitenkriegen.
Die feste Lage an der Slavengrenze und an einem Hauptverkehrswege nach
Böhmen schufen dem Orte Cham schon früh eine verhältnismäßige Blüte als Handels-
platz. Im 10. und 11. Jahrhundert war Cham sogar Münzstätte. (Beschreibung und
Abbildung der damals hier geprägten Münzen bei HERMANN DANNENBERG, Die deutschen
Münzen der sächsischen und fränkischen Kaiserzeit, Berlin I [1876], 42g f, II [1894],
687, III [1898], 81g. — Vgl. J. V. KuLL, Repertorium zur Münzkunde Bayerns,
München 1890, S. 8gf., 346, wo weitere Literaturangaben.) Mit Nürnberg, Breslau
und anderen Städten stand Cham im Verhältnis gegenseitiger Zollfreiheit. Von der
starken Befestigung Chams zeugt, daß König Ottokar von Böhmen bei seinem
Einfalle in Bayern 1266 vergeblich sich bemühte, das Städtchen (civitatulam) ein-
zunehmen. (Historia annorum 1264—1279, Mon. Germ. SS. IX, 6go. — RiEZLER
II, 123. — OTTOKAR LORENZ, Deutsche Geschichte im 13. und 14. Jahrhundert,
Wien I (1863], 246.)
Das 14. Jahrhundert ward von besonderer Bedeutung für Cham. 1340 starb
die Linie der Herzoge von Niederbayern aus, und ihr Erbe, somit auch Cham, fiel
an Kaiser Ludwig den Bayern, der es trotz der Ansprüche der Pfalzgrafen auf Nieder-
bayern mit Oberbayern verband. Nach dem Tode des Kaisers einigten sich seine
Söhne 1348 mit den Pfalzgrafen dahin, daß letztere gegen eine Summe von 60000H.
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