Bayern / Staatsministerium des Innern für Kirchen- und Schul-Angelegenheiten [Editor]; Hager, Georg [Oth.]
Kunstdenkmäler des Königreichs Bayern (2,1): Bezirksamt Roding — München, 1905

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Falkenstein.

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baufälliger. Manche Teile mußten abgetragen werden. Die Fenster wurden zum schioß.
Teil vermauert. Doch ist das Ganze unter Dach, und es wird weiterem Verfall vor-
gebeugt.

Das Schloß liegt auf der Höhe eines Granitkegels, der aus einem Talkessel Beschreibung.
rund 60 m hoch (628 m Höhe) aufsteigt. (Ansicht Fig. 8 — Grundrisse Fig. 10—13 x)

— Schnitte Fig. 14.) An der Ostseite fällt der Schloßberg in senkrechten Steilwänden
ab. Nördlich von der Hauptkuppe des Berges ragt, durch einen Einschnitt getrennt, ein
kleiner, etwas niedrigerer Felsgipfel empor, das Schanzl. Die Hänge des Berges sind mit
einem Gewirr wild und malerisch iibereinander gesttirzter mächtiger Granitblöcke
bedeckt, und dieses 12 Hektar umfassende Felsenmeer wird überschattet von ur-
wiichsigem Hochwald. Eichen, Buchen, Linden, Eschen, Ahorn und Ulmen, ver-
mischt mit tiefastigen Fichten und Tannen, streben in bunter Mannigfaltigkeit auf
dem fruchtbaren verwitterten Bod’en zwischen den schwarzgrauen Granitfelsen in die
Höhe. Sträucher, Farnkräuter, verschiedene Moosarten und Waldblumen erhöhen
den romantischen Reiz des 'Felsenlabyrinths.

Der Aufgang ftihrt an der Stidwestseite des Berges herauf. Man gelangt zu-
nächst in den äußeren, an der Stidseite vorgelagerten Hof, wo an der Marktseite
ein langgestrecktes Gebäude sich erhebt, das jetzt als fürstliches Forstgebäude dient,

1780 aber aus dem ehemaligen Getreidekasten des Schlosses zu einem Herrenhaus
umgebaut worden ist. (Akten des Fürstl. Thurn und Taxisschen Zentralarchivs Re-
gensburg XI, 66, 27.) Von dem äußeren Hofe flihrt ein gewölbter Torweg bergan
in den inneren kleinen Schloßhof, der, der Felsformation entsprechend, einen un-
regelmäßigen Grundriß hat und auf allen Seiten von Gebäuden untschlossen wird.

An der Südseite, namentlich in der Siidwestecke, ragen die Granitfelsen ziemlich
hoch iiber das Niveau des Hofes auf. Nach der Gewohnheit der Alten sind die
Gebäude malerisch auf die schroffen Felsen gesetzt, ohne vorhergehende Abgleichung
oder Abtreppung des Baugrundes. Auf dem höchsten Punkt in der Siidwestecke
erhebt sich der Turm, der Bergfried. Dieser und die Hauptmauern der Burg stam-
men aus der romanischen Bauperiode, und zwar, wie man aus der primitiven Mauer-
technik (Bruchsteinmauerwerk mit Eckquadern, darunter vereinzelte Buckelquader)
schließen darf, aus dem ir. Jahrhundert. In der Gotik fanden ldeinere Umbauten,
in der Renaissanceperiode, ■ um 1619, ein größerer Umbau statt. Von letzterem
stammt ein großer Teil des Hochbaues von der Ostseite, insbesondere auch der
reizvolle Renaissanceerker (Fig. 15) an der Siidostecke, rechts vom Torweg, der ur-
sprünglich durch die beiden Obergeschosse reichte und mit einer Kuppelhaube ab-
schloß, im Laufe des 19. Jahrhunderts aber wegen Baufälligkeit'bis zum ersten Ober-
geschoß herab abgetragen wurde. Alles Mauerwerk des 17. Jahrhunderts ist in

’) Legende zu den Grundrissen von Faikenstein. Erdgeschoß: I. Keller. 2. Durchfahrt.

3. Gewölbe. 4. Küchengewölbe. 5- Kuhstall. I. Obergeschoß: 6. Gang, 7. Htihnerstall. 8. Ge-
wölbe. 9. Kammer. 10. Kammer. II. Wagenremise. 12. Kammer. 13. ICammer. 14. Holz-
lcammer. 15. Futterkammer. 16. Treppe zum II. Obergeschoß. II. Obergeschoß: 17. Galerie.

18. Gang zur Kapelle. 19. Friiheres Zimmer. 20. Frühere Vorhalle. 21. Kammer. 22. Kammer.

23. Gewölbe. 24. Frtiheres Zimmer. 25. Früheres Zimmer. 26. Arco-Zimmer. 27. Speisesaal.

28. Vorplatz. 29. Eingang zur Küche. 30. Treppe zum III. Obergeschoß. 31. Kapelle. III, Ober-
geschoß: 32. Raum über dem Gang zur Kapelle. 33. Gang. 34. Frtiheres Zimmer. 35. Boden-
raum. IV. Obergeschoß: 3s. Gang. 37. Heimliche Leiten. 38. Bergfried. 39. Kammer. 40. Turm
der Kapelle. 41. Obergeschoß des Kapellenturms.
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