Bayern / Staatsministerium des Innern für Kirchen- und Schul-Angelegenheiten [Editor]; Hager, Georg [Oth.]
Kunstdenkmäler des Königreichs Bayern (2,1): Bezirksamt Roding — München, 1905

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I. B.-A. Roding.

alle drei Schiffe sich erstreckende Empore irn westlichsten Joch steht im Banne hei-
mischer Tradition. Der interessante Ubergang vom Rundbogen- zum Spitzbogensystem
während des Baues illustriert eine fiir jene Gegend im 12. Jahrhundert durchaus neue Er-
scheinung, die wie der Vorbote der im Anfange des 13. Jahrhunderts in Regensburg
(St. Emmeram: Fenestella des Dionysiuschores 1211; Nordflügel des Kreuzganges,
begonnen gegen 1220) einsetzenden Friihgotik wirkt. Keine Neuerung im Lande
war dagegen die Hallenanlage selbst. Als Hallenanlage ging hart vor den Toren
Regensburgs die Benediktinerkirche von Prüll voraus. Daß in ungefähr gleicher
Entfernung von Walderbach, in Nabburg, eine weitere Hallenkirche aus der Mitte
des 12. Jahrhunderts sich findet, zeigt in Verbindung mit der Hallenkirche von St.
Leonhard in Regensburg, daß die Hallenanlage in der Regensburger Diözese in der
romanischen Baukunst wohl öfter beliebt wurcle, als wir heute auf Grund der erhaltenen
Beispiele wissen. Sehr betonen möchten wir die Anwendung des Rippengewölbes
bereits in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts. In Frankreich tritt das Rippen-
gewölbe bekanntlich schon früher auf. In Deutschland ist es die Zeit kurz nach
Mitte des 12. Jahrhunderts, wo das Rippengewölbe unter französischem Einfluß
sporadisch begegnet. Es ist wichtig, daß das Rippengewölbe in der Regensburger
Diözese ungefähr gleichzeitig an zwei Orten auftritt: in Walderbach und an der
Schottenkirche von St. Jakob. Von hier aus fällt auch neues Licht auf die Burg-
kapelle von Eger, der alten Burg der Markgrafen auf dem Nordgau, die Friedrich
Barbarossa durch Verehelichung mit einer Tochter des Markgrafen Dipold, des
Stifters von Reichenbach und Waldsassen, und später, nach der Scheidung von
dieser seiner ersten Frau Adela, durch Kauf in seinen Besitz gebracht hat. Das
Obergeschoß der Egerer (übrigens bis in den Anfang des 19. Jahrhunderts mit dem
ganzen Egerlande zur Diözese Regensburg gehörenden) Doppelkapelle hat Kreuzrippen-
gewölbe, die wir nach eigener Untersuchung im Anschlusse an Bernhard Grueber
und irn Gegensatze zu der herrschenden Meinung nicht fiir spätere Zutat einer
Restauration, sondern für ursprüngliche Anlage ansehen.

Die beiden Münster von Walderbach und Reichenbach mtissen in der spät-
romanischen Bauperiode, als sie in einem vor noch nicht langer Zeit der Kultur
erschlossenen Gebiete in beherrschender Lage des Regentales erstanden waren, mit
ihrer stattlichen, so durchaus voneinander abweichenden Bauerscheinung einen nach-
haltigen Eindruck auf die Bautätigkeit der Gegend geübt haben.

Von den kleinen romanischen Kirchen ist wohl die älteste die Kirche von
Fronau. Allerdings steht von dem romanischen Bau nur noch der Turm, der im
Erdgeschoß den Chor enthält. Die Choranlage im Turm läßt sich im Bezirksamte
noch einmal feststellen, in Kirchenrohrbach. Die Verblendung mit kleinen Quadem
(von 25—30 cm Höhe) und die einfache Abschrägung des Sockels deutet darauf,
daß der Turm in Fronau noch der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts ent-
stammt.

Rechteckigen Chor (ohne darüber gebauten Turrn) haben die Kapellen in
Kalsing und in Hof; in letzterer ist in der geraden Chorschlußwand eine Apsis
ausgespart. Anlagen mit halbrunder Apsis finden sich in Oberranning, Schönfeld,
Siegenstein; wahrscheinlich zählen auch Friedersried und Obertrübenbach hieher.
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