Bayern / Staatsministerium des Innern für Kirchen- und Schul-Angelegenheiten [Editor]; Hager, Georg [Oth.]
Kunstdenkmäler des Königreichs Bayern (2,1): Bezirksamt Roding — München, 1905

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I. Kirchliche Baukunst.

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Die romanischen Kirchen waren in der Gegend wohl meist tiach gedeckt.
Tonnengewölbe hat der Chor in Kalsing, das Langhaus in Hatzelsdorf und Ober-
trübenbach, gratige Kreuzgewölbe haben die Kapellen in Hof und in Schönfeld.
AUe diese Bauten entstammen wohl der Mitte oder der zweiten Hälfte des 12. Jahr-
hunderts. Rippengewölbe finden sich in Friedersried.

Die Friedersrieder Kirche ist ein höchst merkwürdiger Bau aus dem Anfange
des 13. Jahrhunderts, eine, wie es scheint, ehemals symmetrisch zweischiffige, über-
wölbte Anlage, welche zu Vergleichen mit ähnlichen böhmischen Kapellen anregt.
Die unterwölbte Westempore in Friedersried, auf der wie gewöhnlich auf solchen
Porkirchen ein Altar stand, teilt mit vielen anderen ähnlichen Anlagen (irn Bezirks-
amte: Hatzelsdorf, Hof, Schönfeld) das Motiv einer eigenen Türe in der Höhe des
Fußbodens" der Empore. Das verdient hier deswegen besondere Beachtung, weil
der seltene Fall vorliegt, daß von dem Edelsitze bei der Kirche, von dem
aus ein hölzerner Gang zur Herrschaftsempore fiihrte, ein romanischer Baurest
erhalten ist.

Hof und Obertrübenbach vertreten den Typus jener in der romanischen, aber
auch noch in der gotischen Periode mehrfach vorkommenden einschiffigen Bauten,
die als Hauptraum eine Kapelle, dariiber aber ein oder zwei Geschosse zu Wohn-
oder doch sonst zu profanen Zwecken enthalten.

Ein romanischer Rundbau ist die Kapelle St. Joseph in Roding, eine ehemalige
Friedhofkapelle mit Beingruft (Karner), analog der bekannten Kapelle in Perschen
bei Nabburg. '

Besonders häufig sind in den romanischen Bauten des Bezirks in der Mauer-
dicke ausgesparte Treppenanlagen (Reichenbach, Walderbach, Hof, Friedersried,
Schönfeld).

Was von gotischen kirchlichen Bauten im Bezirksamte sich erhalten hat, ist
nicht bedeutend. Von dem Chorbau in Reichenbach um 1300 mit Schluß in drei
Sechseckseiten blieben bei einem Umbau im 18. Jahrhundert nur die Umfassungs-
mauern bestehen. Die auf Stichbögen ruhende Auskragung des obersten Teiles der
Wände zwischen den Strebepfeilern des Chorschlusses, die in Reichenbach begegnet,
erinnert an das gleiche Motiv an der Ulrichskirche in Regensburg. Gotisch sind
ferner in Reichenbach die Kreuzrippengewölbe der Seitenschiffe. Sie sind wohl
unter Abt Johann Strolenfelser (1394—1417) ausgeführt und zeigen, daß man im
Anfang des 15. Jahrhunderts in der Gegend noch die einfache Form des Kreuz-
gewölbes festhielt. Wohl aus dem 14. Jahrhundert stammt die Kapelle an der
Nordseite des Münsters von Walderbach. Von den iibrigen gotischen Bauten
ist am besten die Friedhofkirche St. Sebastian in Bruck erhalten; das Lang-
haus ist, wie das häufig im 15. Jahrhundert noch vorkam, flach gedeckt, der Chor
mit Netzgewölbe iiberwölbt. Ferner das Kirchlein in Quer und St. Ulrich in
Wetterfeld.

Gotische Reste finden sich an den Pfarrkirchen Arrach, Bruck, Nittenau, an
den Kirchen in Michelsberg, Pösing, Süßenbach, Falkenstein. An der Kirche in
Falkenstein interessiert uns besonders der Turrn mit seinen Rundbogenfriesen und
den Blenden am Giebel des ehemaligen Satteldaches. Denn diese Dekorationsmotive
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