Bayern / Staatsministerium des Innern für Kirchen- und Schul-Angelegenheiten [Hrsg.]; Hager, Georg [Bearb.]
Kunstdenkmäler des Königreichs Bayern (2,1): Bezirksamt Roding — München, 1905

Seite: 216
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I. B.-A. Roding.

gehören nicht der oberpfälzischen Gotik an, sondem der Backsteingotik des benach-
barten Niederbayern.

Das 16. und die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts sah in dem Bezirke nur
eine unbedeutende Bautätigkeit. Auch in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts
war es noch nicht viel besser. Die Religionswirren und vor allern die Zerstörungen
im Dreißigjährigen Kriege hatten den Wohlstand aufs schwerste erschüttert. Nur
langsam konnte man daran gehen, die im Dreißigjährigen Kriege abgebrannten Kirchen
wieder aufzubauen. Yielfach dauerte es bis in das 18. Jahrhundert, bis die Schäden
gehoben wurden. Und auch da begnügte man sich gewöhnlich, die Ausstattung
einfach zu halten. Deckengemälde und Stukkaturen waren eine Seltenheit. Gewöhn-
lich wurden die Decken nur mit einfachstem Rahmenwerk (Quadraturarbeit) in Stuck
belebt (z. B. Fischbach, Martinsneukirchen, Pösing). Diese dürftige, von dem geringen
Wohlstand herrührende Innendekoration mit Beschränkung auf Rahmenwerk aus
Stuck ist fiir die oberpfälzischen Kirchen des 18. Jahrhunderts geradezu typisch.

Eine Beobachtung, die wir so oft bei den Emeuerungs- und Erweiterungsbauten
im 17. und 18. Jahrhundert machen, finden wir auch in unserm Bezirke bestätigt:
soweit als möglich wurden die Umfassungswände des mittelalterlichen Baues beibe-
halten (vgl. Nittenau). An den Barockkirchen Michaelsneukirchen (1707—1711)
und Fischbach (1725—1726) ist der Chorschluß noch dreiseitig gebildet, in Marien-
stein (1719fr.) und in Martinsneukirchen (1721—1729) ist er bereits nach der im
18. Jahrhundert sich mehr und mehr Bahn brechenden Weise abgerundet. Charakteri-
stische schlichte Rokokobauten sind die Kirchen Heilbrtinnl (1730—-1732), Kirchenrohr-
bach (1749fr.), Dörfling (um 1750), Schöngras (1758fr.), Hetzenbach (1764). Bezeich-
nend sind für diesen Stil u. a. die abgerundeten oder abgeschrägten Ecken des Lang-
hauses. Die Verlegung der Kanzeltreppe in einen eigenen Anbau (Heilbrünnl,
Hetzenbach) haben wir schon bei der Würdigung der Kirchen des Bezirksamts
Erding (Kunstdenkmale des Königreiches Bayern I, 1207) als eine im 18. Jahrhundert
belie bte Eigenart kennen gelernt. Beachtung verdient, daß man beim Neubau in
Kirch enrohrbach 1749 fr. die Kirche nach Norden richtete, damit die Beibehaltung
des alten Turmes, der früher den Chor enthielt, ennöglicht und so eine Ersparnis
gewonnen werde. Diese Änderung der Orientierung alter Bauten begegnet auch
sonst öfters; sie zeugt von dem praktischen und haushälterischen Sinne, mit dem
man in alter Zeit Um- und Erweiterungsbauten vornahm.

Gegenüber den schlichten Dorfkirchen erscheint das neue Gewand, in das
das romanische Münster von Reichenbach 1742 fr. gehiillt wurde, außerordentlich
reich und glänzend. Maler und Stukkatoren reichten sich hier im Sinne des Rokoko-
stiles die Hand und schufen aus der in mystisches Dämmerdunkel getauchten mittel-
alterlichen Basilika einen froh gestimmten, von Licht durchfluteten kirchlichen Fest-
raum. Die Einwirkung der kurz zuvor in ähnlicher Weise von den Gebrüdern Asam
mit Beihilfe der Prüfeninger Maler Gebhard restaurierten ehrwürdigen Klosterkirche
von St. Emmeram in Regensburg ist unverkennbar. Daß der neue Chorbau in
Walderbach 1748 aus dem gleichen Verlangen nach mehr Licht und Luft unter-
nommen wurde, bezeugt uns der damals lebende Reichenbacher Profeß P. Placidus
Trötscher.
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