Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 6.1895

Seite: 283
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Vereine und Gesellschaften. — Vermischtes. — Vom Kunstmarkt.

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vannes mit den Worten ab: Wenn es Krieg giebt, werden
wir ihn führen, jetzt leben wir im Frieden mit unseren
Nachbarn, darum ist kein Grund vorhanden, nicht zu ihnen
zu gehen.

*,* In die Jury der diesjährigen großen Berliner Kunst-
ausstellung hat die Genossenschaft der ordentlichen Mitglie-
der der Akademie der Künste die Maler Prof. Seiler, Thu-
mann, Koner, die Bildhauer Munzel und Prof. Eberlein und
den Kupferstecher Prof. Eilers als Mitglieder, ferner die
Maler Prof. Ernst Hildebrand und R. Friese, Bildhauer Prof.
Ernst Herter und Baurat Schmieden als Ersatzmänner ent-
sandt. Die Gewählten sind zugleich Mitglieder der Anord-
nungs-Kommission.

* Die Kunsthandlung von Artaria & Co. in Wien
(Kohlmarkt 9), welche neuerdings nach verschiedenen Rich-
tungen hin eine sehr erfreuliche Thätigkeit entwickelt, hat
gegenwärtig in ihrem geschmackvoll eingerichteten Salon
des ersten Stockwerkes eine sehenswerte kleine Myrbaeh-
Ausstellung veranstaltet, welcher auch ein neues, großes
Pastell von Pausinger einverleibt ist. Baron Felix Myrbach,
ein Schüler der Wiener Akademie, lebt seit Jahren in Paris
und hat sich dort als Illustrator von Zeitschriften und Pracht-
werken, besonders militärischen Inhalts, von denen wir
wiederholt Notiz genommen, einen sehr geachteten Namen
gemacht. Die Originalaquarelle zu den illustrirten Werken:
„Aventures de guerre" und „Recits de guerre", Kriegsbilder
aus den französischen Feldzügen von 1792—1814, liegen in
der Ausstellung vor und erklären durch ihren Verein seltener
Eigenschaften die hohe Wertschätzung des Künstlers. Kein
geringer Vorzug der ungemein lebendigen und reizvollen
Darstellungen ist es, dass sie von einem Manne herrühren,
der das Kriegshandwerk aus eigener Anschauung kennt.
Baron Myrbach nahm als österreichischer Offizier an der
Occupation Bosniens teil und studirte bei diesem Anlass
auch das Terrain mancher Gegenden auf das genaueste,
weichein den Napoleonischen Feldziigen eine Rolle spielten. —
Das mitausgestellte Pastellbild Clemens von Pausinger's
führt uns eine beliebte Wiener Schauspielerin, Frau Odilon-
Girardi, in der Titelrolle von Sardou's Drama „Madame sans
gene" und zwar in dem spannenden Momente vor, in dem
sie dem erzürnten Kaiser Napoleon in dessen Arbeitszimmer
mutig entgegentritt. Pausinger entfaltet in dem etwa halb
lebensgroßen Bilde alle Reize einer virtuosen Stofl'malerei.

VEREINE UND GESELLSCHAFTEN.

0 Die vom Verein Berliner Künstler an Kaiser
Wilhelm II. gerichtete Dankadresse hat in Künstlerkreisen
eine gewisse Missstimmung hervorgerufen. Es scheint, dass
der Wortlaut der Adresse vor ihrer Absendung nicht im
Verein bekannt geworden ist. Auch ist die Adresse nicht,
wie es bei sonstigen Kundgebungen des Vereins üblich ist,
durch das Bureau des Vereins den Zeitungen mitgeteilt
worden, sondern nur drei oder vier Zeitungen haben davon
Kenntnis erhalten. Ihnen haben erst die anderen die Adresse
nachgedruckt. Wie der „Nationalzeitung" mitgeteilt wird,
seien viele sehr hervorragende Mitglieder des Vereins über
den Wortlaut des Dankschreibens sehr erstaunt gewesen. Auch
sei die Behauptung in dem Schreiben, dass Adolf Menzel
der erste Künstler sei, der den Roten Adlerorden erster
Klasse erhalten hat, unrichtig, da schon Rauch am 1. Januar
1856 mit demselben Orden geschmückt worden sei. Die
„Vossische Zeitung" bemerkt dazu, dieses Schreiben, dessen
überschwänglicher Stil stark an Byzanz erinnere, müsse um
so mehr befremden, als es in schroffem Gegensatze zu dem

Verhalten der Berliner Künstler bei der Feier zu Ehren
Wallot's stehe. „Wir meinen", schreibt die „Vossische
Zeitung", der wir in diesem Punkte nur beipflichten können,
weiter, „dass die Künstler nicht gleich vor Freude sich zu
überschlagen brauchen, wenn ein so außerordentlicher Mensch
wie Menzel einen Orden bekommt, wie ihn Jahr für Jahr
Generale und Hofmänner erhalten, an deren Namen nach
einem Menschenalter sich niemand mehr erinnert. Auch
wenn Menzel noch eine weit höhere Auszeichnung zu teil
geworden wäre, hätte die Künstlerwelt mit berechtigtem
Stolze empfinden können, dass ihm nur nach Verdienst ge-
schehen ist."

VERMISCHTES.

*„* Geh. Oberbaurat Professor Dürrn, der seit einigen
Wochen zur Prüfung der durch die letzten Erdbeben be-
schädigten Denkmäler in Athen weilt, hat erklärt, dass sich
namentlich der Parthenon und der Theseus-Tempel in Ge-
fahr befänden. Es würde eine Million Drachmen notwendig
sein für die Arbeiten zur Erhaltung der Denkmäler. Die
archäologische Gesellschaft in Athen beabsichtigt, einen Teil
des Kapitals durch einen internationalen Aufruf zu beschaffen.
Auch der Tempel der Nike Apteros soll dringend einer bes-
seren Fundirung und Stütze bedürftig sein.

%* In Betreff des 200jahrigen Jubiläums der königl.
Akademie der Künste in Berlin hat der Kaiser auf Grund
der ihm vorgelegten Urkunden entschieden, dass die Aka-
demie das Jubiläum im Jahre 1896 zu feiern habe. Unter
den Urkunden ist die beweiskräftigste eine silberne Medaille
aus dem Jahre 1701, aus deren Inschrift hervorgeht, dass
die Akademie am 1. Juli 1696 gestiftet oder doch feierlich
eingeweiht worden ist.

%* Die Umsturzvorlage, die gegenwärtig in der Kom-
mission des deutschen Reichstages beraten wird, beunruhigt
auch die Künstlerkreise. Eine Petition an den Reichstag,
die in dem Wunsche gipfelt, die Volksvertretung möge den
Teil der Regierungsvorlage, „der der theoretischen Erörte-
rung allgemeiner Probleme oder deren künstlerischer Be-
handlung gewisse Schranken auferlegt", beseitigen, haben
Adolf Menzel, August von Heyden, Paul Meyerheim, der
Radirer Karl Koepping in Berlin und der Maler Arthur
Fitger in Bremen unterzeichnet.

VOM KUNSTMARKT.

Berlin. Der Kunstnachlass des Herrn Eduard G. Hon
rath kommt am 12. März bei Rudolph Lepke zum öffent-
lichen meistbietenden Verkauf. Er zerfällt in zwei Abtei-
lungen, nämlich 1) seine Privatsammlung von Gemälden erster
Meister, welche er entweder auf seinen Reisen käuflich
erwarb, oder auch von den Künstlern als Geschenk erhielt,
sowie 2) diejenigen Bilder, welche bei der Auseinandersetzung
der Firma „Honrath & van Baerle" nach dem Tode des
Herrn Honrath seinen Erben zufielen, und unter denen
gleichfalls erste neuere Meister vorzüglich repräsentirt sind.
Wenn der Katalog auch im ganzen nur 108 Gemälde ver-
zeichnet, so bietet sich dennoch sowohl den öffentlichen
Sammlungen, als auch den Privatliebhabern und Kunsthändlern
eine ungewöhnliche Kaufgelegenheit, da von vielen Künst-
lern, von denen hier Gemälde angeboten werden, nur äußerst
selten Werke zur öffentlichen Versteigerung gelangen. Der
reich illustrirte Katalog führt die No. 992 und wird seitens
des Rudolph Lepke'sehen Kunst-Auktionshauses, Berlin SW.
I Kochstraße 28/29, auf Bestellung zugesandt.
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