Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 6.1895

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KUNSTCHRONIK

WOCHENSCHRIFT FÜR KUNST UND KUNSTGEWERBE.
Ankündigungsblatt des Verbandes der deutschen Kunstgewerbevereine.

HERAUSGEBER:

CARL von LÜTZOW und Dr. A. ROSENBERG

WIEN
Hengasse 58.

BERLIN SW.
Teltowerstrasse 17.

Verlag von E. A. SEEMANN in LEIPZIG, Gartenstr. 15. Berlin: W. H. KÜHL, Jägerstr. 73.

N

eue Folge. VI. Jahrgang.

1894/95.

Nr. 3. 25. Oktober.

sommerm nSt<*r0nik er9cueint als» Beiblatt zur „Zeitschrift für bildende Kunst" und zum „Kunstgewerbeblatt" monatlich dreimal, in den
Schrift fü^n™ Jul1 bis SePtomber monatlich einmal. Der Jahrgang kostet 8 Mark und umfasst 33 Nummern. Die Abonnenten der „Zeit-
Bisten R a 1) •<1e Ku,lst" erhalten die Kunstchronik gratis. — Für Zeichnungen, Manuskripte etc., die unverlangt eingesandt werden,
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aus der stuttgarter galerie.

Die Kunstchronik hat wiederholt Notizen über
die Gemälde der Staatsgalerie in Stuttgart veröffent-
licht. Hier werden einige neue angereiht, die ich
im vorigen Jahre zu Papier gebracht habe, als ich
auf der Rückkehr von einer mehrwöchentlichen
Studienreise nach langer Pause die Galerie wieder
^on neuem durchsah. Ich behalte die Reihenfolge
bei, welche durch die gegenwärtigen Nummern ge-
geben ist.

Nr. 37, ein Augustinus am Meeresstrande, wäre
nach meinen Reiseerinnerungen (trotz der angebli-
chen Signatur Federigo Zuccaro's) auf seine Bezie-
hungen zu jenem Augustinusbilde des Oarofahi zu
prüfen, das seit 1831 in der National Gallery zu
London hängt und ehedem zu Rom im Palazzo Cor-
sini bewahrt wurde. Ich kenne eine variirte Kopie
dieses Bildes, die sich in der Sammlung Julius Stern
in Wien befindet. An der Stuttgarter Kopie ist der
Charakter des Garofalo stark maskirt, stärker als an
der bei Julius Stern in Wien. Die Varianten der
Darstellungen müssen erst an der Hand von Abbil-
dungen festgestellt werden. Zunächst sei nur der
Gedanke ausgesprochen.

Nr. 54 habe ich für ein Werk des Domenho
Fcti gehalten, der vielleicht auch für Nr. CG ver-
antwortlich zu machen ist, für das Bild mit dem
Tode der Kleopatra.

Nr. 117, ein Reitergefecht, ist von KarelFalens,
der vom Katalog als Autor genannt wird, zweifellos
nicht wenig entfernt und wird sich vermutlich als
ein Werk des Karl Breydel herausstellen.

Dass Nr. 121 nicht von Jan Both sein kann,
wird mir jeder Freund holländischer Landschafts-
malerei zugestehen.

Nr. 130 mit der schlafenden Nymphe und einem
Hirten dürfte wohl von Andrea Schiavone herrühren.

Nr. 170, eine Pietä, wird mit geringer Berech-
tigung dem Bartolomeo Schidone zugeschrieben. Es
ist eine schwache Kopie nach einer oftmals vor-
kommenden Darstellung, deren ursprünglicher Schöp-
fer vielleicht Feiice Ricci war. Ein mattes Exem-
plar befindet im Besitz der Akademie der bildenden
Künste in Wien, ein treffliches bei Dr. Fritz Schön-
bach ebendort.

Nr. 178, ein Bildchen mit lustigem Landvolk,
ist so gut wie sicher kein älterer Teniers, sondern
eine geringwertige Kopie nach dem jüngeren David
Teniers.

Bei Nr. 199 wäre einmal eine sorgfältige Unter-
suchung anzustellen, ob diese schlafende Venus nicht
mit Adriaen v. der Werff in Verbindung zu bringen
wäre. Mit Gerard de Lairesse, der im Katalog als
Autor genannt wird, lässt sich das Bildchen schwer
zusammenreimen.

Nr. 201 und 203 sind insofern interessant, als
sie zeigen, wie man in Venedig nach alten Flan-
drern, nach Brueghel und Vinckboons kopirt hat.
Aus der Sammlung des bekannten Porträtmalers
Cav. Bert. Lippay zu Venedig ist mir dieselbe Ko-
pistenhand bekannt, die auch in der Raccolta Con-
tarini der venezianischen Akademie wiederzufinden
ist. An den alten Peter Brueghel ist bei den Stutt-
garter Bildern nicht zu denken, ebensowenig wie bei
Nr. 204 an Niklas Molenaer. Diese Waldlandschaft
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