Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 6.1895

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Bücherschau.

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gegen einander, dürften wohl selbst für eine Aqua-
toriallandschaft übertrieben sein. Prächtige, natur-
getreue Aquarelle schickte der Architekt G. Weiekardt,
welche rein landschaftlich die Bucht von Monaco,
den Hafen von Palermo, Ansichten von Rom,
Tunis etc. zur Darstellung bringen, oder auch mehr
architektonisch gehalten sind, wie die mit den
Eelbo'schen Aquarellen wetteifernden Schilderungen
der Trümmer des Herkulesteinpels und der Über-
reste antiker Bauwerke in Rom, Tivoli, Pompeji und
Öelinus. Eine vorzügliche Tuschzeichnung der „Drei
Zinnen" hat IL Hmbner geliefert, welchem sich in
charakteristischer Behandlung mittelalterlicher Stadt-
und Dorfmotive Alfred Liebing und Theatermaler
Grüger anschließen.

Auch in Tierstücken, im Stilleben, in der Orna-
ment- und Dekorationsmalerei sind einzelne recht
hübsche Sachen zur Ausstellung gekommen.

Sollen wir am Scbluss ein zusammenfassendes
Urteil über dieselbe abgeben, so können wir sagen,
dass einige Stücke in der Bildhauerei, im Genre und
in der Landschaft hervorragend genannt zu werden

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verdienen, und eine große Zahl als talentvoll, sorg-
fältig und geschmackvoll bezeichnet werden darf;
das beste Zeuguis für die Befähigung der an der
Ausstellung beteiligten Künstler ist, dass nur wenige
Sachen sich in der Sammlung befinden, welche als
unfertig und ungeschickt, oder gar als völlig ver-
fehlt und durchaus wertlos gelten müssen. Möchte
das Unternehmen, welches mit so manchen Er-
wartungen ins Werk gesetzt wurde, der Leipziger
Künstlerschaft die fröhliche Ermutigung bringen für
ein rastloses Weiter- und Höherstreben nach immer
schöneren und großartigen Idealen!

BS UNO PETZOW,

BÜCHERSCHAU.

Etudes sur l'art de la gravure sur bois ä Venise.
Les Misseis imprimes ä Venise de 1481 ä 1600.
Description, illustration, bibliographie. Par le Duc
de Rivoli. Premiere livraison. Paris, J. Roth-
schild. 1894.

Ein dreifaches Interesse können für uns die alten
Druckdenkmale besitzen, das sachliche des Inhaltes
der Bücher, das künstlerische des schönen Druckes,
der Ornamentation und figürlichen Ausschmückung
und endlich das bibliographische des Wertes der
Bücher für die Geschichte der Druckkunst. Bisher
ist der letzte Gesichtspunkt, wie mir scheint, fast
durchgebends über Gebühr in den Vordergrund ge-
drängt worden. Während die übrigen Interessenten

meist von der mühsamen und undankbaren Arbeit
der Ausnutzung der alten Litteratur für ihre Zwecke
zurückschreckten, haben die Bibliographen von dem
verlassenen Gebiete Besitz ergriffen und es als nur
ihrer Wissenschaft allein angehörig hinzustellen ge-
sucht. Es ist wohl an der Zeit, nunmehr vor einer
Überschätzung des Wertes der rein bibliographischen
Betrachtung der alten Druckdenkmäler zu warnen.
Die übertriebene Wertbemessung der Buchdrucker-
kunst für unsere moderne Entwickelung beruht auf
einer Verwechslung von Ursache und Wirkung: die
Druckkunst ist nicht, wie die Bibliographen häufig
glauben machen wollen, als die Ursache, sondern nur
als eine Wirkung des erwachenden, modernen Gei-
steslebens zu betrachten. Aber nicht allein die Be-
deutung der „Erfindung" der Buchdruckerkunst als
solche wird im allgemeinen etwas gedankenlos zu
hoch angeschlagen, sondern auch der Wert
der einzelnen Druckwerke für dies Forschungs-
gebiet. — Welche Wichtigkeit den einzelnen alten
Drucken für die verschiedenen Wissensgebiete oder
ihre Geschichte beizumessen sei, das können nur die
beurteilen, die das betreffende Gebiet wirklich genau
kennen; und sie sollten sich die Ausbeutung des
umfangreichen Materials angelegen sein lassen. Von
allgemeinen Bibliographieen, die ohne diese Fach-
kenntnisse angefertigt sind, werden sie dabei ver-
hältnismäßig wenig Nutzen ziehen; sie werden ohne
Frage auf die selbständige Durchforschung der ein-
zelnen Bibliotheken zurückzukommen haben. — Die
wesentlichste Bedeutung des allergrößten Teiles der
alten Druckwerke liegt aber für unsere Zeit nur
noch in ihrer künstlerischen Form. Hierin allein
sind sie bisher unerreicht geblieben. Als Kunst-
werke sie zu studiren, liegt der knnstgeschichtlichen
Forschung ob, die auch schon seit einiger Zeit be-
gonnen hat, den Vorrat an alten Drucken von diesem
Gesichtspunkte aus zu durchsuchen und für die Er-
kenntnis der Entwickelungsgeschichte der Kunst zu
verwerten. Allerdings ist es bisher noch bei ver-
einzelten Versuchen geblieben, von einer vollstän-
digen Ausnutzung dieses reichen Materials kann noch
nicht die Rede sein. Die Arbeit läßt sich ja auch
von einzelnen kaum anders als stückweise bewältigen.
Mit Freude müssen wir daher jede Arbeit begrüßen,
die bei der bibliographischen Betrachtung das Haupt-
gewicht auf die künstlerische Form derselben legt
und so mithilft, dieses interessante und wichtige Ge-
biet der kunstgeschichtlichen Forschung zu er-
schließen. — Der Verfasser der vorliegenden Publi-
kation, der schon seit längerer Zeit als Kenner und
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