Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 6.1895

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Kunstblätterr. — Sammlungen und Ausstellungen. — Vom Kunstmarkt.

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können malen und zeichnen und schrecken vor
keiner technischen Schwierigkeit zurück. Nationale
oder besonders individuelle Eigenart muss man nicht
bei ihnen suchen. — Der Orientmaler F. A. Bridg-
mann hat eine ganze Reihe Motive ausgestellt. Er
ist keineswegs genial, sondern recht oft glatt und
langweilig in der Behandlung, aber dass er sowohl
zeichnen als auch malen kann, beweist der graziös ge-
malte Akt „Day dreams". William Dannat hat seine
bekannte Cafe chantant-Illustration „Femmes espag-
noles" ausgestellt, die mit ihrem frechen Lachen
den darzustellenden Typus, eine immer noch häss-
licher als die andere, gut charakterisiren. Walter
Gay und Oari Melchcrs erreichen eine schöne schlichte
Innigkeit durch die größte Einfachheit und Wahr-
heit. Lee Robbins bringt zwei Studien und einen
etwas reichlich gemalten, aber koloristisch feinen
Riickenakt, während Walter Mac Ewen ein großes
bedeutendes Werk dramatisch empfunden und breit
und kräftig hingeworfen hat, betitelt „Les sorcieres",
worin die Spuren französischer Schulung erkennbar
sind. Charles Sprague Pearce und Edwin Lord Wecks
sowie Julius L, Stewart bringen Bekanntes, letzterer
auch zwei entzückende Plein air-Studien mit Akt
unter Bäumen im Sonnenlicht gemalt. „Dernier
Voyagea ist ein Gemälde voll tropischer Glut, ohne
bunt zu sein. Latimer, Mdlle. Lee Robbins, Eugen
Vail und im Aquarell Whistler und Robert Wickenden
sind hervorstechend unter einer ganzen Schar mehr
oder weniger geschickter Maler. Der geniale James
Mac Neill Whistler bringt außerdem eine ganze Reihe
seiner Portraits und nebeligen Stimmungsbilder, die
er als Nocturnes oder Symphonien oder Arrange-
ments in zwei Farben bezeichnet. Seine Individuali-
tät ist die ausgeprägteste unter den Amerikanern,
von denen Richard Muther in seiner Kunstgeschichte
des neunzehnten Jahrhunderts treffend sagt: „Klar-
heit des Auges, Gymnastik der Hand, Raffinement
und Blendwerk der Mache. Sie sind überall als
Kinder der neuen Welt auch stets in den vordersten
Reihen der Modernsten". —nn.

KUNSTBLÄTTER.

Der berühmte Maler und Radirer Lorenz Eitler in
Nürnberg malte im Jahre 1881 als sorgfältig ausgeführte
Studie nach der Natur ein Aquarell von ungewöhnlich
großen Dimensionen (65 cm breit, 95 cm hoch), eine ma-
lerisch höchst wirksame Ansicht des fünfeckigen Turmes,
dieses ältesten Teiles der alten Kaiserburg in Nürnberg, nebst
der angebauten Kaiserstallung und dem Turme Luginsland.
Nach dieser Studie führte Ritter bald darauf im Auftrage
des jetzt verstorbenen Kunstfreundes, Fabrikbesitzers Emil
Seitz, gleichfalls als Aquarell in gleicher Größe ein Bild

aus, welches die bayerische Landesausstellung im Jahre 1882
zierte. Im Jahre 1893 fertigte Ritter unter Benützung der-
selben Studie, unter stetem Hinblick auf die Natur, in klei-
nerem Format, aber in den immer noch sehr ansehnlichen
Dimensionen von 38 cm Breite und 58 cm Höhe, eine ma-
lerische, mit hoher Meisterschaft behandelte Radirung,
welche nun zur Freude aller Kunstfreunde und der zahl-
reichen Kenner der Geschichte Nürnbergs in vortrefflichen
Abdrücken von der Meisterhand Bergs vorliegt. Gegen-
j wärtig ist der Künstler mit der Herstellung eines Seiten-
stückes dazu, einer Ansicht der bekannten Partie am soge-
nannten Henkersteg, beschäftigt. R- B.

SAMMLUNGEN UND AUSSTELLUNGEN.

f Alcademische Kunstausstellung in Dresden. Der akade-
mische Rat hat, vorbehaltlich der Genehmigung Sr. Majestät
des Königs, beschlossen, folgende in der akademischen Kunst-
ausstellung ausgestellten Gemälde für die Königl. Gemälde-
galerie aus Mitteln der Pröll-Heuer-Stiftung anzukaufen:
Kat.-Nr. 26 von Bochmann „Rast am Kruge", Nr. 73 Dieffen-
bacher „Ein schwerer Schicksalsschlag", Nr. 113 v. Gebhardt
„Jakob" (Ich lasse Dich nicht, Du segnest mich denn!), Nr.
195 Kießling „Männliches Bildnis", Nr. 228 „Traurige Nach-
richten", Nr. 240 Leistikow „Ziegeleien am Wasser", Nr. 241
v. Lenbach „Bildnis des Bildhauers Begas", Nr. 258 Ludwig
„Vom Albulapass in Graubünden", Nr. 290 Meyerheim „Me-
nagerie", Nr. 355 Rabending „Spätsommer", Nr. 370 Ritter
„Vorfrühling", Nr. 432 Skarbina „Belgisches Cabaret", Nr.
507 Zügel „Ausgewiesen" (Schaf mit Hund). — Die Aus-
stellungsräume werden jetzt geheizt, so dass.auch bei kalter
Witterung der Besuch der Ausstellung unbedenklich erfol-
gen kann. (Dresdener Nachrichten.)

VOM KUNSTMARKT.

Frankfurt a. M. Am Freitag, den 26. d. Mts., kommt
durch Rud. Bangel die Antiquitätensammlung des Herrn
J. Patrik, bestehend aus Möbeln, Gobelins, gemalten Glas-
scheiben , Gemälden und Dekorationsgegenständen aller Art
zur Versteigerung. Der mit Abbildungen versehene Katalog
ist soeben erschienen und kann von obengenannter Firma
kostenfrei bezogen werden.

Frankfurt a. M. Bei J. Baer <& Co. ist soeben der 437.
antiquarische Lagerkatalog erschienen. Derselbe enthält

; Seltenheiten, darunter Werke von J. Amman, Burgkmair,
Dürer, zahlreiche Modellbücher und vieles andere und kann
von der genannten Buchhandlung kostenfrei bezogen werden.

Berlin. Die Privatsammlung des verstorbenen Hofanti-
quars J. A. Lewy wird den 6. November d. J. erbteilungs-
halber im Rudolf Lepke'schen Kunstauktionshause zum
öffentlichen meistbietenden Verkauf kommen. Die Verstei-
gerung dieser zwar nicht umfangreichen, aber sehr gewähl-
ten Sammlung, welche von vielen Kunstfreunden und Ken-
nern gekannt und als hervorragend geschätzt wurde, dürfte
wohl weitere Kreise auch interessiren, da dieselbe Stücke
enthält, wie sie nicht alltäglich auf dem Kunstmarkte er-
scheinen. Der illustrirte Katalog 968 verzeichnet 123 Num-
mern von Kunstwerken verschiedenster Art. Von diesen
können wir besonders die seltenen und schönen Altmeißener
und Altberliner und die von Bottengruber bemalten Por-
zellane, sowie ein prächtiges Schweizer Glasgemälde (s. Abb.)
rühmen, freilich ohne dabei den Schrank aus der Zeit

I Louis XIV, den von der Wartburg stammenden herrlichen
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