Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 6.1895

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Nekrologe. — Personalnachrichten. — Wettbewerbungen.

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lieh, noch lange beschieden sein möge, in voller
Freiheit sich seiner schönen und edlen Aufgabe zu
widmen, und dass der Geist, der in der neueren
preußischen Kultusverwaltung herrscht und hier den
rechten Mann an die rechte Stelle zu setzen ver-
stand, noch lange den Künstler vor jedem bureau-
kratischen oder utilitarischen Eingriffe bewahre.

NEKROLOGE.

In Frankfurt am Main starb kürzlich Dr. Jur. Louis
Brentano im 84. Lebensjahre, ein in weiten Kreisen bekannter
Kunstfreund. Aus seinem Besitze ging die berühmte Fou-
quet'sche Miniaturen-Sammlung in den des Herzogs von
Aumale über. R- Bk.

* Anton Wagner, einer der tüchtigsten Bildhauer Wiens,
ist dort am 26. Januar im Alter von 61 Jahren am Schlag-
Huss plötzlich gestorben. Wagner war 1834 zu Königinhof
in Böhmen geboren und kam 1858 nach Wien an die Aka-
demie, wo er seine künstlerische Ausbildung erhielt und
/.wei Preise gewann. Er ist der Schöpfer eines der populär-
sten und gefälligsten öffentlichen Kunstwerke Wiens, näm-
lich des „Gänsemädchens'1, mit welchem er als ein noch
junger Mann zu Beginn der sechziger Jahre den ersten Preis
unter 18 Konkurrenten erhielt. Bekanntlich wurde das
„Gänsemädchen" als Brunnenfigur zuerst auf der Brandstatt,
dem ehemaligen Gänsemarkt, aufgestellt; nach der Verbau-
ung der Brandstatt kam die anmutige Figur auf den Platz
vor der Mariahilfer Kirche, den sie aber bald dem Haydn-
Denkmal einräumen musste, worauf sie eine geeignete und
hoffentlich bleibende Stelle auf der Terrasse oberhalb der
Rahlstiege fand. Auch eines der letzten Werke Wagner's
war ein Brunnen, — der sogenannte Engelbrunnen auf der
Wiedener Hauptstraße, dessen Gruppe die Sage von der
Teufelsmühle am Wienerberg darstellt. An der plastischen
Ausschmückung der großen Wiener Monumentalbauten war
Anton Wagner in hervorragender Weise beteiligt, und Ar-
beiten von seiner Hand befinden sich im Akademischen Gym-
nasium, in der Feldherrenhalle des Arsenals, im Festsaale
und an der Fassade des Wiener Rathauses, am Wiener
Künstlerhause, an den Hofmuseen, am Parlament, an der
Universität und am Burgtheater. Als Czeche wurde er auch
zur Mitwirkung bei der Ausschmückung des czechischen
Nationaltheaters und des neuen Landesmuseums in Prag be-
rufen und lieferte für beide Bauten zahlreiche statuarische
Werke und Reliefs. Bei jener Konkurrenz für das Mozart-
Denkmal, als die Aufstellung desselben vor der Loggia der
Hofoper beabsichtigt war, gewann Anton Wagner mit seinem
Entwürfe den ersten Preis, doch wurde bekanntlich dieses
Projekt fallen gelassen und der Albrechtsplatz zur Auf-
stellung des Denkmals nach dem Entwürfe Tilgner's gewählt.

Der französische Kunstsehriftstellcr Paul Mantz ist
am 30. Januar in Paris im 74. Lebensjahre gestorben.

PERSONALNACHRICHTEN.

%* Bruno Bucher ist unter Verleihung des Titels eines
Hofrats an Stelle des in den Ruhestand getretenen J. von
Falke zum Direktor des österreichischen Museums für Kunst
und Industrie in Wien ernannt worden.

* * * Der Bildhauer Reinhold Felderhoff in Berlin, der
für" die Ergänzung des pergamenischen Frauenkopfes den
Kaiserpreis erhalten hat, stammt, wie die „Post" mitteilt,

aus Elbing, wo er 1865 geboren wurde. Er ist ein Schüler
des Professors Reinhold Begas und erhielt als Schüler der
Berliner Akademie im Jahre 1885 den Staatspreis, bestehend
in einem Stipendium zu einem einjährigen Aufenthalt in
Italien. Der Künstler hat sich besonders im Porträtfach
hervorgethan; er arbeitet zur Zeit an einer Statue der
„Eitelkeit", die für die Garderobe des Reichstagsgebäudes
bestimmt ist, und an einer Figur des Apostels Markus für
die Kaiser Wilhelm-Gedächtniskirche.

WETTBE WERBUNGEN.

— In einem Wettbewerb um ein Plakat für die große
Berliner Kunstausstellung, zu dem die Ausstellungskommission
vierzehn Künstler eingeladen hatte, hat der Maler Karl
Röchling den ersten Preis, der mit der Ausführung 1000 M.
beträgt, erhalten. Der zweite Preis (200 M.) wurde dem
Maler Rudi Rother zuerkannt.

* * * 7mr Erforschung der gotischen Baudenkmäler
auf Cypern. Der Rektor der königl. technischen Hochschule
in Berlin hat im „Reichsanzeiger" folgende Bekanntmachung
erlassen: Nach dem Statut der Louis Boissonnet-Stiftung für
Architekten und Bauingenieure ist für das Jahr 1895 ein
Stipendium von 3000 Mark zum Zweck einer größeren
Studienreise an einen Architekten zu vergeben. Als fach-
wissenschaftliche Aufgabe ist die nachstehende genehmigt
worden: „Die bisher wenig bekannte gotische Baukunst auf
der Insel Cypern soll in ihren Hauptwerken besucht und geprüft
und an einem ihrer hervorragendsten Denkmäler durch Heraus-
gabe einer baugeschichtlichen Monographie näher veran-
schaulicht werden. Dazu ist das zwischen der Hauptstadt
Nicosia und Kerynia gelegene Kloster Delapais, welches
Hugo III. von Lusignan erbaut hat, bestimmt. Die Auf-
nahme muss sowohl von der Kirche, als auch von dem Kreuz-
gange und den Klosterräumen die kunsthistorischen und
konstruktiv technischen Gesichtspunkte sowie die wichtigsten
Detailformen zur Darstellung bringen. Der Text soll neben
der Beschreibung aller Bauteile eine auf den besten histo-
rischen Materialien beruhende baugeschichtliche Charakte-
ristik des Denkmals liefern. Zu diesem Zwecke ist es
wünschenswert, dass die in den benachbarten Städten Nicosia
und Famagusta noch erhaltenen gotischen Kirchen bezw.
Moscheen, nämlich in der ersteren: S. Domenico, S. Sophia,
S. Nicolas, S. Katherina und die armenische Kirche, in der
letzteren: S. Nicolas, S. Croce und S. Peter und Paul näher
untersucht werden und das gewonnene Material in einem
gedrängten Text nebst illustrirenden Skizzen zur Darstellung
gelangen. An Zeichnungen werden verlangt: 1) ein Lageplan
des Klosters im Maßstabe von 1:500, 2) die erforderlichen
Grundrisse im Maßstabe von 1:200, 3) die erforderlichen
Ansichten und Durchschnitte im Maßstabe von 1:100, 4) die
wichtigten Details in passenden, vom Verfasser zu wählenden
Maßstäben." Die Bewerber um dieses Stipendium haben an
den Rektor Slaby (Adresse: Technische Hochschule Char-
lottenburg) eine Beschreibung ihres Lebenslaufs und die über
ihren Studiengang und über ihre praktische Beschäftigung
sprechenden Zeugnisse bis spätestens zum 25. Februar 1895
einzureichen. Außerdem haben die Bewerber durch Bei-
bringung von schriftlichen Arbeiten, architektonischen Ent-
würfen, Zeichnungen nachzuweisen, dass sie die zur Auf-
nahme monumentaler Bauwerke erforderliche Vorübung be-
sitzen. Die Bewerber müssen einen wesentlichen Teil ihrer
Ausbildung auf der früheren Bau-Akademie oder auf der
Technischen Hochschule in Berlin (Abteilung für Architektur)
erlangt haben. Sie haben sich zu verpflichten, die Arbeit
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