Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 6.1895

Page: 65
DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kunstchronik1895/0039
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
KUNSTCHRONIK

WOCHENSCHRIFT FÜR KUNST UND KUNSTGEWERBE.
Ankündigungsblatt des Verbandes der deutschen Kunstgewerbevereine,

HERAUSGEBER:

CARL von LÜTZOW und Dr. a. ROSENBERG

WIEN
Heugasse 58.

BERLIN SW.
Teltowerstrasse 17.

Verlag von E. A. SEEMANN in LEIPZIG, Gartenstr. 15. Berlin: W. H. KÜHL, Jagerstr. 73.

Neue Folge. VI. Jahrgang.

1894/95.

Nr. 5. 15. November.

Die Kunstchronik erscheint als Beihlatt zur „Zeitschrift für bildende Kunst" und zum „Kunstgewerbeblatt" monatlich dreimal, m den
Sommermonaten Juli bis September monatlich einmal. Der Jahrgang kostet 8 Mark und umfasst 33 Nummern. Die Abonnenten üer „z,eit-
fur bildende Kunst" erhalten die Kunstchronik gratis. — Für Zeichnungen, Manuskripte etc., die unverlangt eingesandt werden,
'eisten Redaktion und Verlagshandlung keine Gewähr. Inserate, ä 30 Pf. für die dreispaltige Petitzeile, nehmen außer der Verlagshanillung
uie Annoncenexpeditionen von Haasenstein & Vogler, Rud. Mosse u. s.w. an.__

DIE

MITTELALTERLICHEN WANDGEMÄLDE
IM GROSSHERZOGTUM BADEN. 0
Vor Jahr und Tag haben wir den Lesern be-
reits auf grund des damals erschienenen Prospektes
von dem hochverdienstlichen Unternehmen Kunde
gegeben, in dem uns der überraschend reiche Denk-
malerschatz mittelalterlicher Wandmalerei des Groß-
herzogtums Baden in Bild und Wort vorgeführt
werden soll rjas Werk hat zwar vor seinem Er-
scheinen den Verleger gewechselt und in der Her-
stellungsart seiner Tafeln eine Modifikation erfahren,
aber der umfassende Plan ist über diesen Wandel
hinaus gerettet worden, und von der bewährten Ener-
gie der beiden Herausgeber dürfen wir die Erwar

als die Hälfte davon ist erst im letzten Jahrzehnt
entdeckt worden. An ebenso vielen anderen Orten
lässt sich ihre Existenz mit Leichtigkeit nachweisen
oder mit Wahrscheinlichkeit vermuten." Im badi-
schen Lande steht es ebenso. Mit der Aufdeckung
«ler Reichenauer Bilder ist dort nur der glückliche
Anfang gemacht worden; vieles ist noch unter dem
Kalküberzug versteckt. Von den Orten, wo sich äl-
tere Wandgemälde dort noch vorfinden, seien hier
nur Konstanz, Kloster Salem, Badenweiler, Freiburg,
Kenzingen, Ladenburg, Eggenstein, Obergrombach,
Grüningen, Altbreisach und Eppingen kurz genannt.

Dazu kommt die Burgkapelle zu Zwingenberg
am Neckar, mit welcher die Herausgeber ihre Pu-
blikation beginnen. Es ist ein merkwürdiges Bei-
spiel wohlerhaltener mittelalterlicher Wandmalerei,

. " ojuci wuiueiiiaiuenci uii^iui^^"^ ■-------

g Hegen, dass er auch in seinem vollen Umfange das nicht etwa _ wie s0 haufig _ wegen der zeit-

lurchgeführt werden wird.

Kann sich die mittelalterliche Wandmalerei in
Deutschland auch nicht jenes höchsten künstlerischen
' ilanzes rühmen, den nur eine Reihe mächtiger Per-
sönlichkeiten verleihen kann, wie Italien sie in sei-
nen Oimabue und Giotto, seinen Orcagna und Fie-
sole besitzt, so war ihr Betrieb doch an Zahl und
Ausdehnung der Werke weit bedeutsamer, als man
es noch vor kurzer Zeit annehmen wollte. „Allein
im kleinen Württemberg" — sagt L. Leuiz in dem
vorliegenden Werke — ,zählt man jetzt schon über
sechzig umfangreiche Wandbilder. Nicht weniger

1) Herausgegeben von F. X. Kraus und Ad. v. Oechel-
liuuser. Band I: Die Wandgemälde in der Burgkapell
Avingenbeig a. N., beschrieben von L. Lcutx
• Berg8träßpr. 1893. Fol.

e zu
Darmstadt,

weiligen Übertünchung, sondern ausschließlich we-
gen seiner Abgeschiedenheit von den modernen Ver-
kehrswegen sich lange den Blicken der Forschenden
entzogen hatte.

Die Veste Zwingenberg, jetzt Eigentum des Groß-
herzogs von Baden, liegt „am rechten Ufer des
Neckars, etwa sieben bis acht Stunden von Heidel-
berg, auf einem steilen Sandsteinfels im Kreis be-
waldeter Höhen." Für den Kenner der deutschen
Reichs- und Rechtsgeschichte steht die Burg, über
deren Lehnsfolge sich ein hundertjähriger Streit
entspann, als ein trauriges Denkmal unserer ehe-
maligen nationalen Verkommenheit da. Der Kunst-
historiker hat seine Freude an den gewaltigen Mauern
und Rundtürmen, an dem mächtigen Bergfried, der
stolz auf Dorf, Thal und Fluss herabblickt, und ist
loading ...