Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 6.1895

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Bücherschau.

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Arbeit des Künstlers lässt denselben als eine eigen-
artige Erscheinung in der Gruppe der Meister er-
kennen, die den Übergang der Naturanschauung
Elsheimer's zu dem reicheren Phantasieleben Rem-
brandt's vermitteln. Charaktervolle Hässlichkeit und
kühle Farbe.

Die dem Andries Both zugeschriebenen Bilder
mahnen zur Vorsicht. Auch der falsch signirte
Jan Both (M. Colnaghi, London, No. 25), ein „Drank-
verkooper* mit dem Colosseum im Hintergrunde,
überzeugt mich nicht. Dagegen ist das holländische
Bauerngehöft aus der Sammlung Dahl, welches
schon in Düsseldorf ausgestellt war, eine ganz ori-
ginelle Probe von der Kunst des Meisters, während
die „Zegentrekkers" (Netzezieher) aus der Sammlung
Six (No. 27) ihn klassisch repräsentiren.

Ganz besonderes Interesse erwecken zwei Bilder
mit kleinen Figuren von Jan van Bylert. Das Kon-
zert (G. de Clercq, Amsterdam, No. 39) soll die Be-
zeichnung J. van Bijl .... aufweisen. Ich konnte
sie nicht finden. Ist das Bild wirklich eine Arbeit
Bylert's, so steht sie in ihrer meisterhaften Vollen-
dung und ganz eigenartigen Anmut so hoch über den
langweiligen lebensgroßen Konversationsstücken ä
la Caravaggio, dass das Urteil über diesen Künstler
wesentlich niodifizirt werden muss. Der ihm gleich-
falls zugeschriebene verlorene Sohn aus der Samm-
lung Thieme in Leipzig (No. 38) ist vollendeter
und interessanter als gleichartige Arbeiten des
A. Palamedesz, an J. A. Duck streifend. Aber jeden-
falls wird es mir schwer, in diesem vortrefflichen
Bilde den Meister von No. 39 zu erkennen.

Der seltene Wouter Crabeth — gut, dass er
selten ist -— ist durch ein Bild (Falschspieler) aus
der Sammlung von Max Pflaum, Fahnenburg bei
Düsseldorf, (No. 44) vertreten. Merkwürdigerweise
gab es vor kurzem noch zwei derartige Bilder mit
voller Namensbezeichnung in Düsseldorf, die aus
dem Besitze des gescheiterten Fabrikanten Hemmer-
ling in den seines Freundes Feldmann übergegangen
waren und vor kurzem hier zum Verkauf gekommen
sind. Auch kenne ich ein großes Altarstück in dem
Besitze eines Kunsthändlers (oder Sammlers?) in
Crefeld.

Willem van Drillenburg, dem man bei Liechten-
stein Bilder von Pieter van Asch trotz des unver-
kennbaren Monogramms zuschreibt, erscheint hier
mit einem deutlich bezeichneten Bilde (No. 48,
Baron von Hardenbroeck, Haag) und drei anderen,
welche ihm zugeschrieben werden. Von diesen
letzteren wollen wir das Verzeichnis seiner Werke

vorläufig frei halten. Ganz richtig weist der Kata-
log darauf hin, dass in der gleichen Darstellung der
„oude Wittevrouwenpoort" zu Utrecht in dem Museum
Konstliefde die Hand Drillenburg's zu erkennen ist.
Kein uninteressanter Künstler, dem eine gewisse
Größe der Auffassung auch in der Wiedergabe ver-
hältnismäßig unbedeutender Vorwürfe eigen ist.
Sein Werk, sicher von klingenderen Namen absor-
birt, bleibt zu rekonstruiren.

Jacob A. Duck ist durch die 1886 schon in
Düsseldorf ausgestellten Trictracspieler aus der
Sammlung Dahl (No. 58) und durch ein gutes echtes
Bild, ein Offizier beim Wucherer (J. L. Muyser,
Haag) hinlänglich vertreten. Leider hat man das
letztere der genaueren Betrachtung entzogen. Die
dem Duck auch vom Kataloge zugeschriebenen Karten-
spieler (H. Pfungst, London, No. 61) tragen die
wenig Vertrauen erweckende Signatur Le Duck.
Das Bild zeichnet sich durch schönen Ton aus und
steht dem Codde näher als dem Duck; die vom
Katalog nicht erwähnte Jahreszahl lese ich 1621.
(Fortsetzung folgt.)

BÜCHERSCHAU.
Der Dom zu Speier und verwandte Bauten (die
Dome zu Mainz und Worms, die Abteikirchen zu
Limburg a. d. Haardt, Hersfeld und Kauffungen etc.).
Aufgenommen und dargestellt von Wilhelm Meyer-
Schwartau, Stadtbaurat. Mit Unterstützung des
Ministeriums der geistlichen, Unterrichts- und
Medizinalangelegenheiten. Mit 32 Tafeln und zahl-
reichen in den Text gedruckten Abbildungen.
Berlin, Verlag von Julius Springer, 1893. Folio
VIII und 170 Seiten.

Sehr zu bedauern ist, dass es dem 1864 in
Mainz verstorbenen Baurat Dr. Franz Xaver Geier
und seinem Schwager Oberbaurat R. Görz in Wies-
baden nicht möglich war, die in ihrem verdienst-
vollen Werke: „Denkmale romanischer Baukunst am
Rhein" 1846 begonnene Herausgabe der Aufnahmen
des Speierer Domes zu vollenden, und dass wir über
dieses hochwichtige Baudenkmal nur wenige Tafeln
von der Hand dieser beiden Architekten besitzen.
Bei der in den vierziger Jahren hergestellten Aus-
malung des ganzen Domes war es leicht möglich,
über Baumaterial und Konstruktion genauen Auf-
schluss zu erhalten, weil damals der gesamte Mauer-
verputz des Innern heruntergeschlagen und erneuert
wurde.

Ferdinand von Quast hat in seiner 1853 heraus-
gegebenen Monographie: „Die romanischen Dome des
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