Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 6.1895

Page: 501
DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kunstchronik1895/0257
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
501

Kunstlitteratur. — Nekrologe. — Personalnachrichten. — Preisverteilungen.

502

Matheus, der sich zweifellos auch in Italien aufgehalten
hat, sich versteckt, ist leicht möglich.

Für 1895 erschien die Arbeit von Lippmann über
die sieben Planeten. In der astrologischen Hirnspinnerei \
des Mittelalters spielten die Planeten eine bedeutende
Rolle, und man gelangte, ausgehend von ihren mytho-
logischen Namen, zu einem besonderen System, nach dem
diese Himmelskörper auf die ihnen angeblich unter-
stehenden Menschen wirken sollten. Im 15. Jahrhundert
lixirte sich diese Einwirkung der Planeten auf Menschen-
art und Menschenschicksal bildlich, undLippmann sucht nun
diese Fassung in ihren verschiedenen Wandlungen dar-
zulegen. „Ein bestimmter Typus dieser Planetenbilder
taucht etwa um die Mitte des Jahrhunderts in Italien
auf. Zuerst wahrscheinlich in Florenz entstanden, macht
er eine merkwürdige Wanderung von Italien nach den
Niederlanden und nach Deutschland und erhält sich bis
ins 16. Jahrhundert". Lippmann weist diesen Dar-
stellungstypus in sieben hauptsächlichen Fassungen nach.
Interessant ist dabei besonders, dass die Möglichkeit
der annähernden Datirung der Urfolge gegeben ist. Diese,
sonst gewöhnlich dem annoch fabelhaften Baccio Baldini
zugeschrieben, ist nämlich in Italien kopirt worden
(Folge B). Nun weist Lippmann darauf hin, dass auf
dem zu diesen Kopien gehörigen Kalendarium die Oster-
tage von 1465—1517 angegeben sind, woraus man
schließen kann, dass die Kopien Ende 1464 oder anfangs
1465 entstanden sind. Selbstverständlich fallen die
Originale früher, doch vermutlich bloß unbedeutend, und
so dürfte man dieselben um 1464 am besten datiren.

W. SCHMIDT.

KUNSTLITTERATUR.

* Müller 's Allgemeines Künstler-Lexikon (Frankfurt a. M.,
Rütten & Loening) schreitet in der Bearbeitung von H. W.
Singer kräftig vorwärts und bekundet in der soeben er-
schienenen dritten Halbband-Lieferung (Gaal — Janinet)
das ersprießliche Eingreifen des Herausgebers, der sich in
alter wie in neuer Kunst gleich gut unterrichtet zeigt.
Während im Allgemeinen bei dieser Ausgabe auf Litteratur-
nachweise verzichtet ist, wird der Leser die kurze Angabe
der biographischen Hauptwerke, wie sie z. B. am Ende des
Artikels Holbein sind, nur dankbar hinnehmen. Sehr
sorgfältig zeigen sich die Verzeichnisse der Werke ge-
arbeitet. Das Buch soll im Sommer 1896 in drei Bänden
fertig vorliegen.

NEKROLOGE.

0 Der Geschichts- und Porträtmaler Robert Warthmüller,
einer der begabtesten Vertreter der neueren Berliner Schule,
der sich besonders durch seine Bilder aus der Zeit Friedrichs
des Großen und aus dem modernen Soldatenleben bekannt
gemacht hat, ist am 25. Juni in Berlin im 36. Lebensjahr
gestorben.

*#* Der Kupferstecher Theodor Langer, ein Schüler
Steinla's und Thaeters, ist am 1. Juni in Dresden im 76. Lebens-
jahr gestorben. Er hat hauptsächlich nach Schnorr, Schwind
und Rietschel gestochen und auch eine Reihe von Haupt-

werken der Dresdener Galerie in Stich und Radirung repro-
duzirt.

%* Der englische Genremalcr John Evan Hodgson, der
die Motive zu seinen Bildern besonders aus dem Volksleben
Nordafrika's schöpfte, ist am 19. Juni in London im Alter
von 64 Jahren gestorben.

Heinz Heim f. Der namentlich durch seine Zeichnun-
gen bekannte Maler Heinz Heim ist in seiner Vaterstadt
Darmstadt, erst 35 Jahre alt, gestorben. Trotzdem kann
das, was er als Zeichner geleistet, als sein abgeschlossenes
Lebenswerk betrachtet werden. Mit dem Rötel hat er etliche
geradezu klassisch zu nennende Werke geschaffen, die in
ihrer Art, in Deutschland wenigstens, nicht wieder ihres
Gleichen haben. Schlichte Gestalten aus dem Leben; Bauern,
Kinder, Backfische vom Dorf; meistens im Zustand der Ruhe,
sitzend, träumend, die Handarbeit im Schoß, spielend. Und
das alles mit einer innigen Versenkung gegeben, die manch-
mal an die Andacht streift. Seine Kunst ist ein derartiges
Aufgehen in der affektlosen Natur vor ihm, dass man dar-
über den Heim vergessen könnte, wenn seine Handschrift
weniger persönlich wäre als sie ist. Denn bei aller ihrer
Zartheit entbehrt sie doch nie eines gewissen herben Accentes,
der ihr ewige Frische verleihen wird. Auch das, was man
auf den ersten Blick für eine Art braver Korrektheit halten
könnte, erkennt man bald als die durchaus männliche Re-
servirtheit einer Persönlichkeit, die hinter ihr Werk zurück-
tritt. — Dem, was er als Maler noch hätte leisten können, hat
der Tod ein Ziel gesetzt. So gut seine Bilder auch waren,
man wird doch stets nur von dem Zeichner Heinz Heim
reden, dem. die Kunstwelt eine ehrenvolle Erinnerung be-
wahren wird. SCH.-NBG.

** Der österreichische Landschaftsmaler Theodor von
Hormann, ein Schüler von Lichtenfels und A. Feuerbach,
ist am 1. Juli in Graz im 55. Lebensjahre gestorben.

*** Der französische iMndschafts- und Oenremaler
Alfred de Gurzon, der die Motive zu seinen Bildern vor-
nehmlich aus Italien und Griechenland wählte, ist am 4. Juli
zu Paris im Alter von 75 Jahren gestorben.

*„* Der russische Senator Dmitri Rovinski, der sich
durch seine Arbeiten über Rembrandts Radirungen einen
geachteten Namen als Kunstforscher erworben hat, ist am
23. Juni in Bad Wildungen gestorben.

PERSONALNACHRICHTEN.

*** Dem ordentlichen Lehrer für Geschichtsmalerei an
der Kunstakademie zu Düsseldorf, Professor Peter Janssen,
ist die Direktion dieser Akademie übertragen und auf die
Dauer seiner Amtsthätigkeit der Titel „Direktor der Kunst-
akademie" beigelegt worden.

%* Der Genremaler Professor Glaus Meyer in Karlsruhe
ist zum ordentlichen Lehrer an der Kunstakademie zu Düssel-
dorf bestellt worden.

%* Der Berliner Maler und Lithograph Gustav Feckert
hat den Professortitel erhalten.

PREISVERTEILUNGEN.

%* Die Jury der Jahresausstellung im Münchener
Glaspalast hat folgende Auszeichnungen zuerkannt: Ehren-
medaille: Franz von Defregger für sein hervorragendes künst-
lerisches Schaffen und besonders für die von ihm im Glas-
palast ausgestellten Studien und Skizzen. Medaillen 1. Klasse:
Fritz Mackensen, Worpswede, für den „Gottesdienst", Repin, St.
Petersburg, für die „Antwort freier Kosaken auf ein Ultimatum
loading ...