Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 21.1910

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RAUMKUNSTAUSSTELLUNG DES KUNSTGEWERBEVEREINS ZU HAMBURG

□ Wer aber jetzt alles dies gerecht erwägt, der muß
mit besonderer Genugtuung bezeugen, daß in Hamburg
eine so große Zahl williger und befähigter kunst-
gewerblicher Kräfte vorhanden ist, daß Hamburg in
dieser Hinsicht nicht hinter den anderen Kunststädten
zurückzustehen braucht und sich getrost an große
und moderne Aufgaben jeder Art herantrauen dürfte.
Der Appetit kommt beim Essen und die schöpferischen
Ideen beim Ausführen bestimmter und dankbarer
Aufträge. Darauf kommt es an, und es ist zu hoffen,
daß diejenigen, die es angeht, verstehen werden, was
diese Veranstaltung zu ihnen spricht: »Wenn Sie
wollen, so werden wir auch hier in Hamburg eine
blühende Pflegestätte besten deutschen Kunstgewerbes
haben.« Die Hamburger Architekten sind, wie es
wenigstens den Fremden erscheint, schon besserem
Verständnis begegnet. Man sieht in den Straßen um
die Alster herum zuweilen Fassaden, die in ihrer
Monumentalität und strengen, erfrischenden Gliederung
für bald, d. h. wenn's den bösen Nachbarn nicht miß-
fällt, ein prächtiges und ganz neuartiges Straßenbild
erhoffen lassen, um das Hamburg von vielen Städten,
auch von Berlin, beneidet werden könnte. Da also
die Architekten die öffentliche Aufmerksamkeit in so
günstiger Weise auf sich zu lenken verstehen, so
werden auch sie gewiß bald in der Lage sein, dem
Kunstgewerbe neues Leben, mit anderen Worten:
Aufträge zuzuführen.

d Die Leitung der Ausstellung »Raumkunst im neu-
zeitlichen Landhause« gibt in besonderen Veranstal-
tungen wichtige Ergänzungen des eigentlichen raum-
künstlerischen Gedankens. So findet im Januar eine
Ausstellung von Entwürfen zu Landhäusern, zu Gar-
tenarchitekturen, Gartenanlagen und Innenräumen, im
Februar eine Ausstellung von gewebten Stoffen, Sticke-
reien und Wandbekleidungen statt. Ende Januar soll
auch eine Übersicht über die einschlägige Literatur,
über ländliche Gesellschaftsspiele, Gartenmöbel, Neu-
heiten in Blumen und Pflanzen veranstaltet werden.

Im Gesamtgebiet der Ausstellung, insbesondere in den
geschlossenen Räumen, werden Gelegenheiten ge-
schaffen, festlichen Schmuck der Wohnzimmer, des
gedeckten Tisches und der Beleuchtung zu zeigen.
Recht lehrreich kann für Aussteller und Besucher der
Wechsel in den Beleuchtungsarten, elektrisches und
Gaslicht, Kerzenlicht und Petroleum werden. Man
wird vielleicht wichtige Anregungen für die farbige
Wirkung und Behandlung der Innenräume erhalten,
o Nehmen auch die Innenräume, von denen wir noch
den von H. Heller im Verbände mit der Vereinigten
Tischlerinnung ausgestellten Empfangssalon und das
von Friedrich Adler mit Erwin Magnus gebotene
Damenzimmer erwähnen wollen, in der Ausstellung
den breitesten Platz ein, so sind doch auch alle an-
deren kunstgewerblichen Zweige nicht minder gut ver-
treten. Wir sehen Beleuchtungskörper von F. Timcke,
Schultz & Cracauer, Mendelson Nachf. und Fähndrich,
Wandbekleidungen von Villeroy & Boch, Iven & Sohn
und Hülse & Brose, Anker-Linoleumbelag von Grabau,
schöne Stickereien der Damen Eichwede, Fehring,
Meyer, Michahelles, Müller, Schaaf, Niemer-Drolshagen,
Viol, Porthun, Hopfgarten, von W. Schreiber und
Toska Curth, prächtige Bucheinbände von Weiße und
Behrens, vollendete Edelschmiedearbeiten von Schönauer,
Adler und Kahlbrandt, Keramik von Wessely und Mutz,
Deckenmalerei von Doren und anderen, Glasmalereien,
Holzschnitzereien, Bilder, Plaketten, Gläser, Brunnen,
Öfen, Flügel und Pianos — kurz, auf allen nur er-
denklichen Gebieten wird in Hamburg Gutes, zum
Teil sogar Hervorragendes geleistet. □

a Wenn man die jetzige Ausstellung mit dem un-
klaren Zustand, der vor ungefähr fünf Jahren in
Hamburg noch bestanden hat, vergleicht, so darf man
mit großer Genugtuung eine bedeutende und ener-
gische Aufwärtsbewegung konstatieren, die ganz ge-
wiß noch so viel Schwungkraft in sich hat, Hamburg-
in absehbarer Zeit mit in die erste Reihe der deut-
schen Kunststädte zu erheben. FRITZ HELLWAQ.

ÜBER METALLFÄRBUNG

Von H. Krause, Iserlohn

MAN darf wohl annehmen, daß die Metallfärbung
ebenso alt ist, wie die Metallverarbeitung über-
haupt. Man fand, daß die Metalle im Feuer und
beim Liegen an der Luft ihre Oberfläche ver-
änderten und daß diese veränderte Oberfläche häufig viel
schöner wirkt, als die blanke Metallfläche. So lag es auf
der Hand, daß man bestrebt war, die Veränderungen, die
sich ohne unser Zutun im Laufe der Zeit einstellen, von
Anfang an absichtlich herbeizuführen, einmal zum Zwecke
der Verschönerung der Oberfläche, das andere Mal um
späterer Veränderung der Oberfläche vorzubeugen, also die
Haltbarkeit zu erhöhen. o

o Trotzdem sind nur sehr wenige Nachrichten aus ver-
gangenen Zeiten über dieses Gebiet uns erhalten. Scheiden
wir besondere Arten der Metallverzierung, die nicht als
eigentliche Metallfärbung zu betrachten sind, wie das Ver-

golden, Emaillieren, Tausclheren, Nieliieren aus, so sind es
in der Hauptsache die durch Erhitzen sich bildenden Anlauf-
farben, das Abreiben mit Rötel, mit Lösungen von Grün-
span, das Abbrennen mit Öl, Ochsengalle, Chlorantimon und
die Erzeugung verschiedener Schwefelverbindungen, durch
die im Altertum und Mittelalter die Metalle gefärbt wurden.
Da die Auswahl reiner Chemikalien früher sehr gering war,
so findet man in Vorschriften, die aus dem Mittelalter stam-
men, Mittel der sonderbarsten Art angegeben, wie Ohren-
schmalz, Harn von kleinen Kindern und dergleichen mehr,
o Der Geschichte der Metallfärbung nachzugehen, würde
eine sehr interessante Aufgabe sein, aber auch eine sehr
mühsame, denn das Material ist weit verstreut. In dem
Werke Buchners über die Metallfärbung findet sich auch
ein Abschnitt über die Geschichte der Metallfärbung, doch
schließt dieser Nachrichten über Verfahren ein, die nicht
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