Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 21.1910

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WÜRTTEMBERGER KUNSTGEWERBEVERtlN







SCHWATZHAFTES
KUNSTHANDWERK

Von Gustav E. Pazaurek

SCHILLER sagt: »Wenn gute Reden sie begleiten,
dann fließt die Arbeit munter fort.« - - Glauben
Sie daran? — Offen gesagt: Ich nicht. — Zu
jeder Arbeit ist Sammlung erwünscht; auch die besten
Reden bedeuten dagegen eine Zerstreuung, schaffen
oder unterstützen somit einen Zustand, der auf die
Arbeitsquantität, noch mehr aber auf die Arbeits-
qualität von keinem guten Einfluß sein kann. — Aber
vor hundert Jahren, in der guten alten Zeit«, war
die ungemütliche Hast des Grundsatzes »Time is
money« praktisch noch ohne Bedeutung; recht aus-
giebige Redseligkeit, ja selbst ein Übermaß von
Schwatzhafligkeit galt weniger als ein Fehler, denn
als ein Vorzug; »munter« sollte die Stimmung bleiben,
das war die Hauptsache. D

a So finden wir denn auch in der Kunst früherer
Zeiten eine viel größere Neigung zu breitspuriger

Daniel Stocken, Stuttgart, Porträtbüste

neten von Martin Elsässer erbauten Faclisclinlgebäude hohe
Leistungen aufwiesen. Die ersten Namen in Gmünd sind
Ehrhardt & Sühne, Wilhelm Binder, Deyle, Kühn, Forster
& Graf, Hermann Bauer u. a. Weltbekannt sind die Lei-
stungen der württembergischen Metallwarenfabrik in Geis-
lingen. In Bronzearbeilen ragen besonders Paul Stotz und
Otto Schlee in Stuttgart hervor. Erwähnt seien auch die
sehr erfolgreichen und vorbildlichen Bestrebungen der Ver-
lagsbuchhandhmg Julius Hoffmann in Stuttgart auf dein
Gebiete der künstlerischen Buchausstattung. n

a Nach dem bisherigen könnte es scheinen, als ob zu-
meist in Stuttgart das kunstgewerbliche Leben neue Triebe
angesetzt hätte. Das ist in keiner Weise der Fall. Auch
in anderen Städten und Landesgegenden regt sich da und
dort erfreuliches Leben und feines Verständnis. Nament-
lich geschieht dies in den früheren Reichsstädten, die in
Kunstpflege und selbständigem Vorgehen auf edlen Tra-
ditionen fußen und darin verhältnismäßig oft mehr leisten,
als Stuttgart. Besonders Heilbronn ist hier hervorzuheben,
das durch Th. Fischer sich eine feine architektonische
Schöpfung, ein Stadttheater erbauen lassen wird. Infolge
seiner günstigen Lage an der Peripherie des Landes, wo
schwäbisches und fränkisches Wesen glücklich sich aus-
gleichen, stellt diese Stadt Schwabens das Bindeglied mit
dem intellektuellen Norden dar. Und sie bildet der ver-
hältnismäßigen Abgeschlossenheit des Landes ein wohl-
tätiges Gegengewicht. Nicht ganz zufällig in diesem Sinne
ist der Vorsitzende des deutschen Werkbundes ein Heil-
bronner, Hofrat Peter Bruckmann. Er verfügt über die
für diesen wichtigen Posten nötige Anregungsfähigkeit und
über einen ungewöhnlichen Weitblick. n

□ Mit allen diesen Lebensäußerungen und kunstgewerb-
lichen Betätigungen kann sich das enge Württemberg keck-
lich einem größeren Kreise zeigen. Es wird wohl auch
fernerhin sein eigenes, schwäbisches Tempo beibehalten;
aber nicht von den Umständen geschoben, sondern mit
Lust und Liebe in zeitgemäße Aufgaben vertieft.

FRIEDRICH FELOERStuHgart.

Ehrenpreis für Luftsport, in
in Heilbronn, entworfen von

Silber ausg
Carl Stock

efiilirt von P.
in l'nmkhirt

Bruckmai
a. M. und

n et Sohne
I leilbromi
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