Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 21.1910

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ÜBER METALLFÄRBUNG. II

und hoffnungslos. Es gibt nur ganz wenige Oasen; dazu
gehören in erster Linie die Schulen für Frauen, soweit sie
sich mit dem Modischen, mit der Toilette, dem Kleid, der
Wäsche und den Spitzen befassen. Dazu gehören etwa
bei den Pariser Schulen die reinen Zeichenklassen. Im
übrigen aber: man vergleiche den Orad der weiblichen
Handarbeiten, all das Zeug, was die gebildeten Damen
fabrizieren; nichts hebt sich über die Marke »Bienenkorb«.
Man beschaue die Stillebenmalerei: Homer mit Vase, Leier
und Palme; das dürfte genügen. n

d Nun wollen wir gewiß nicht bestreiten, daß auch bei
uns noch mancherlei im Argen liegt; noch manches Alte,
Schwache, Zwecklose und Überflüssige zu finden ist. In-
dessen, dem Prinzip nach haben wohl alle unsere Schulen
begriffen, daß ihre Existenzberechtigung davon abhängt,
die Entwicklung der Kunst und der Industrie zu begleiten.
Dogmatisch angesehen ist das freilich kein besonderes Ver-
dienst der Schulen. Deutschland erlebt eben das Aufblühen
neuer, stilschaffender Kräfte, erlebt Künstler und Industrielle
von produktiver Genialität; die Lehranstalten würden zu-
grunde gehen und überrannt werden, wollten sie dem
neuen Geiste nicht gehorchen. Schulen müssen, wenn sie
Einfluß haben wollen, nach dem Niveau der geistigen
Elite gravitieren. Andererseits läßt sich kein Mehr von
ihnen verlangen; Schulen können nicht Schrittmacher sein.
(Ausgenommen einige wenige Spezialschulen.) Weder
die allgemeine Schule, noch die Universität kann dem
Prinzip nach fundamentale Fortschritte inaugurieren; auch
die Kunstschule kann das nicht. Schulen sollen eben nichts
Neues schaffen, sondern sollen den Nachwuchs anregen,
sollen ihn mit der Apparatur der Disziplin vertraut machen,
sollen ihm das Lebendige zeigen. Damit die so an der
Aktivität erzogene Jugend sich gedrängt fühlt, den erwor-
benen Apparat nunmehr auf eigene und neue Ziele zu
richten. Die Kunstgewerbeschulen haben keineswegs die
Aufgaben, bei der Entwicklung des neuen Stiles Führer-
rollen zu spielen; aber das sollen sie allerdings: scharf
und hingebend auf die Stimmen der Zeit achten und un-
bekümmert um alle stagnierenden Elemente den Pionieren
der Praxis folgen. Freilich, die Schulen werden dieser
ihrer Aufgabe nur gerecht werden können, wenn ihre
Leiter und Lehrer mitten in dem lebendigen Entwick-
lungsprozeß als ausschlaggebende Faktoren wirken. Diese
Forderungen an die Kunstgewerbeschule haben dem Pro-
gramm, nach dem das Preußische Handelsministerium die
Neuorganisation der ihm unterstellten Anstalten durch-
geführt hat, stets zugrunde gelegen. So können wir in
den gelegentlich der Dresdner Ausstellung 1006 heraus-
gegebenen »Nachrichten« lesen (pg. 46): »Man kann von
den kunstgewerblichen Schulen nicht erwarten, daß sie als

Lehranstalten die Arbeit übernehmen, ein maßgebendes
deutsches Kunstgewerbe schaffen. Die Entwicklung eines
solchen wird von führenden Künstlern ausgehen, mögen
diese dem Schulbetrieb angehören oder fernstehen. Aber
die Kunstgewerbeschulen werden die Aufgabe der Ver-
breitung und Popularisierung der kunstgewerblichen Ge-
danken zu übernehmen haben. Ihnen wird es vor allen
Dingen obliegen, dafür zu sorgen, daß ein geeigneter
künstlerischer Nachwuchs erzogen und dem Gewerbe die
Arbeit der führenden Künstler verständlich und nutzbar
gemacht wird. Ihnen wird aber auch die Aufgabe obliegen,
das breitere Volk zur Erkennung der Wichtigkeit künst-
lerischer Probleme zu erziehen und dadurch zum Teil-
nehmer und Mitarbeiter am Aufbau eines nationalen Kunst-
gewerbes zu machen. Diese Mitarbeit des Volkes wird
hauptsächlich darin liegen, daß es sich geschmacklich
bildet, um dadurch seine Anforderungen an die Produktion
zu erhöhen und zwar sowohl in künstlerischer wie in
technisch-qualitativer Hinsicht. Nur dadurch kann die gute
Leistung zur Durchschnittsleistung werden, daß sie im
großen Umfange verlangt wird. In der künstlerischen und
technischen Allgemeinerziehung wird daher nicht der ge-
ringste Teil der vielfachen und wichtigen Aufgaben gesucht
werden müssen, deren Lösung der Kunstgewerbeschule
zufällt.« Der Extrakt dieser Grundsätze ist das enge Zu-
sammengehen der Schule mit der Praxis. Die Kunst-
gewerbeschule soll nicht in irgendwelchen Höhen schwe-
ben, sie soll nicht überhitzte Experimente oder irgend-
welche Bravourstücke treiben. Wenn sie mit Lehrwerk-
stätten ausgerüstet ist, so soll die Schule Verfeinerung und
Vertiefung der normalen Werkstattarbeit leisten; sie soll
aber nicht irgendwelche Spezialitäten künstlich anzüchten.
Sie soll weder schulmeistern noch phantastisch träumen.
Sie soll aber vor allem nie vergessen, daß sie der Zukunft
und nicht der Vergangenheit zu dienen hat. □

d Wer zu sehen weiß, der sieht, wie weit die in Düssel-
dorf vorgeführten Schulen diesen an sie zu stellenden For-
derungen genügen. Gewiß, bei einigen fehlt es an dem
Blick nach vorwärts, bei anderen an dem praktischen Maß
für die Grenzen bestimmter Übungen; ein dritter Vorwurf
wäre der, daß hier und da der Instinkt für den Zusammen-
hang der einzelnen Hantierungen, für die Herrschaft des
architektonischen Prinzipes sich noch nicht entwickelte.
Indessen, nirgends wird der Wohlwollende die Ansätze
einer Besserung vermissen; in vielen Fällen wird er das
gesunde Streben zum lebendigen Ziel deutlich spüren; und
wenn er die Düsseldorfer Anstalt prüft, so wird er fühlen,
an das Prototyp dessen, was unsere Kunstpädagogik er-
strebt, geraten zu sein. □

ÜBER METALLFÄRBUNG. II

Von H. Krause, Iserlohn
(Schluß aus Heft 4)

a B) Wenden wir uns zu den chemischen Metallfärbungen,
die allen anderen Verfahren gegenüber die größte Bedeu-
tung haben, soweit es sich um eigentliche Metall,färbung'
handelt. o

a Bei der chemischen Metallfärbung wird, wie schon ge-
sagt wurde, entweder die Metalloberfläche selbst chemisch
verändert oder eine farbige chemische Verbindung wird im
Momente des Entstehens aus einer Lösung auf dem Metall-
gegenstande als festhaftende Schicht niedergeschlagen. Bei

Färbungen der zweiten Art ist vorauszusetzen, daß der
Niederschlag in feste Verbindung mit der Metalloberfläche
tritt, andernfalls hätten wir keine chemische, sondern nur
eine mechanische Metallfärbung vor uns. Soll dieser Nieder-
schlag aber fest haften, so wird auch die Oberfläche selbst
von der Flüssigkeit angegriffen werden müssen und zwar
derart verändert, daß die sich durch chemische Veränderung
der Oberfläche bildende Schicht, sozusagen das Bindemittel
zwischen dem Metall und dem Niederschlag liefert. Die
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