Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 21.1910

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KUNSTGEWERBLICHE RUNDSCHAU



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haben etwas zugenommen, so daß das Geschäftsjahr 1909
bis 1910 ohne Defizit abschließen konnte. Die wesentlichen
Vermehrungen der Sammlungen um 1200 Stücke, darunter
recht wertvolle Gegenstände, verbunden mit 15 anregenden
Sonderausstellungen auf den verschiedensten Gebieten von
Kunst und Gewerbe; haben einen Jahresbesuch von mehr
als 50000 Personen gebracht. Auch von auswärts war die
Inanspruchnahme der Sammlungen eine wesentlich größere
als in den Vorjahren. Die Ausstellung von Schülerarbeiten
der Handwerker- und Kunstgewerbeschulen in den Pro-
vinzen Rheinland, Westfalen und Hessen-Nassau, die durch
den Minister für Handel und Gewerbe eröffnet wurde, fand
großes Interesse. Aus dem vom Direktor Frauberger er-
stalteten Jahresbericht ist zu entnehmen, daß dem Fonds
zum Ankauf von Gegenständen wieder erfreuliche Zuwen-
dungen zugeflossen und ebenso wertvolle Geschenke an
Sammlungsgegenständen gemacht worden sind. In den
drei Provinzen entfalten gegenwärtig 61 gewerbliche Zweig-
vereine des Zentralvereins eine rege Tätigkeit. Der Ab-
schluß der Jahresrechnung für das Jahr 1909—10 gleicht
sich in Einnahme und Ausgabe mit 63224 Mark, die Ver-
mögensrechnung mit 1396752 Mark und der Voranschlag
für das Verwaltungsjahr 1911 —12 mit 63000 Mark aus. In
den Verwaltungsrat wurden neu gewählt Regierungspräsi-
dent Dr. Kruse, Kommerzienrat Busch-Hochneukirch, Bot-
schafter z. D. Freiherr v. Stumm, Dr. Krupp von Bohlen
und Halbach und Fürst zu Wied. n

□ Frankfurt a. M. Der »Schnörkel*, Verein jetziger und
ehemaliger Studierenden an der Kunstgewerbeschule zu
Frankfurt, hielt im Juli seine Jahres-Hauptversammlung ab.
Der Vorsitzende Th. Walter erstattete den Jahresbericht,
dem zu entnehmen ist, daß eine intensive Tätigkeit auf
allen Gebieten der Vereinsbestrebungen zu verzeichnen
war. Im Anschluß daran, übergab Walter den Mitgliedern
den bereits im Druck fertiggestellten umfangreichen Bericht,
dem dieses Jahr ein Fachaufsatz: »Kunstgewerbemuseen
und Vorbildlichkeit« aus der Feder des Mitgliedes Museums-
direktor Dr. v. Trenkwald vorausgeht. Die Mitgliederliste
zeigt einen Bestand von 334 Mitgliedern. Die Kassenver-
hältnisse können als gut bezeichnet werden. Der Arbeits-
plan für 1910/11 sieht Vorträge, Diskussionsabende, Ex-
kursionen, Wettbewerbe und Skizzenkurse vor. □
o Frankfurt a. M. Verband deutscher Architekten- und
Ingenieur-Vereine. Im Herbst dieses Jahres findet, wie schon
kurz berichtet wurde, in Frankfurt die Wanderversammlung
des Verbands deutscher Architekten- und Ingenieur-Vereine
statt, dem etwa 10000 Mitglieder angehören. Bei dieser
Gelegenheit wird der Frankfurter Verein eine größere Fest-
schrift herausgeben, die einen Überblick über die in den
letzten 25 Jahren in Frankfurt entstandenen Bauten und
Denkmäler, Originalarbeiten über Geologie, Statistik, Handel
und Verkehr, Kunstgewerbe usw. und Planbeilagen bringen
wird. Zur Herausgabe des reich illustrierten Werkes, an
dem etwa 40 Mitarbeiter beteiligt sind, hat der Verein
einen Redaktionsausschuß ernannt, der aus den Herren
Ingenieur Askenasy, Stadtrat Franze, Professor Luthmer,
Wasserwerksinspektor Sattler und Stadtrat Schaumann
besteht. □
n Gotha. Hier wird in den Tagen vom 2. bis 4. Oktober
die 20. Hauptversammlung des Bundes Deutscher Boden-
reformer stattfinden. Den Hauptgegenstand der Verhand-
lungen bildet die Reichszuwachssteuer. Über die Stellung
des gewerblichen Mittelstandes referiert Carl Marfels, Vor-
sitzender des Deutschen Uhrmacherbundes. °
d Hannover. Der Kunstgewerbeverein zu Hannover hat
wesentliche Veränderungen im Bestände seiner Mitglieder
im Jahre 1909/10 nicht aufzuweisen. Jetzt zählt der Verein

einen Ehrenpräsidenten, drei Ehrenmitglieder, 6 Förderer
und 234 ordentliche Mitglieder. Zu Studienzwecken wurden
von 35 Mitgliedern 118 Sammlungsgegenstände entliehen.
Von der Direktion der städt. Handwerker- und Kunstge-
werbeschule wurden zwei Schnitzereien (Konsolen), ein
Modellschiff und ein Gipsabguß aus der Gildekammer des
Bremer Rathauses, von Dr. Abbrand-Linden ein Ofen mit
blauer Malerei aus dem 18. Jahrhundert gestiftet. Käuflich
erworben wurde eine reichgeschnitzte Kanzel aus Lübeck
aus dem 16. Jahrhundert. Die Sammlungen des Kunst-
gewerbevereins wurden im vorigen Jahre von 2900 Per-
sonen besucht (2100 im Vorjahre), seit Eröffnung im Leib-
nizhause im ganzen von 54000 zahlenden Personen. Die
Vereinsmitglieder, sowie die Mitglieder des Gewerbevereins,
die Schüler der Kunstgewerbeschule usw. haben freien
Zutritt. Betreffend die neue Organisation des Vereins wies
Baurat Prof. Dr. Haupt auf das zwischen dem Verein und
der Stadt bestehende Vertragsverhältnis hin, das für die
Stadt keinen Vorteil biete, weil sie danach nicht über die
Sammlungen im Leibnizhause verfügen und diese mitanderen
Sammlungen vereinigen könne, sondern im Leibnizhause be-
lassen müsse; anderseits habe auch der Kunstgewerbeverein
keinen Vorteil von dem Vertragsverhältnis, weil er die ihm
zur Verfügung stehenden Mittel zur vertragsmäßig über-
nommenen Verpflichtung der Vermehrung der Sammlungen
verwenden müsse, und dadurch verhindert sei, Mittel für
die ihm bestimmungsgemäß als Kunstgewerbeverein ob-
liegende Anregung und Förderung des Kunstgewerbes zu
verwenden. Damit die Stadt die Sammlungen vollständig
übernehmen und der Verein sich mehr den neuen Auf-
gaben der Zeit widmen könne, erscheine es notwendig, das
Vertragsverhältnis zu lösen. Der Verein könne sich dann
entweder selbständig der Aufgabe der Förderung des Kunst-
handwerks widmen oder mit dem Gewerbeverein für Han-
nover sich verschmelzen und als besondere Abteilung des-
selben diese Aufgabe erfüllen, was in erster Linie zu emp-
fehlen sei, namentlich weil der Gewerbeverein demnächst
hier eine Gewerbeförderungsstelle errichten werde. In der
Besprechung der Angelegenheit bemerkte der Vorsitzende,
daß der Vorschlag der Verschmelzung mit dem Gewerbe-
verein der annehmbarste sei; auch anderen Rednern war
der Vorschlag sympathisch, es fehlte aber auch nicht an

Liistrierte Fließe mit Inschrift. Persien, 14. Jahrh.
Aus dem Metropolitan-Museum, New York
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