Schludi, Ulrich
Die Entstehung des Kardinalkollegiums: Funktion, Selbstverständnis, Entwicklungsstufen — Mittelalter-Forschungen, Band 45: Ostfildern, 2014

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3.9. Die Wahl Coelestins II. (26. September 1143)

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durch die neue und gemeinsame Rolle dieser drei Ordines im kurialen Alltag
ist es doch erklärbar, dass die Trias aus Kardinalbischöfen, Kardinalpriestern
und Kardinaldiakonen sich immer mehr von den übrigen Wähler gruppen lös-
te. Nur so erklärt es sich, dass die Subdiakone ebenso zurücktraten wie der
Adel seinen Einfluss auf die Papstwahl verlor, und nur so ist die in die Zukunft
weisende Argumentation Innocenz' II. allein mit der Wahl durch die episcopz cf
cü/ioüd canünales denkbar.

3.9. Die Wahl Coelestins II. (26. September 1143)
Der Tod Innocenz' II. am 24. September 1143 fiel in eine schwierige Zeit für die
päpstliche Kurie. Im letzten Pontifikatsjahr Innocenz' war es mit den Römern
über die Behandlung des gemeinsam eroberten Tivoli zum Streit gekommen,
der sich vor dem Hintergrund bereits bestehender Spannungen zu einer Er-
hebung der Römer gegen die päpstliche Stadtherrschaft ausweitete.^ Ange-
sichts dieser Aufstandsbewegung handelte man an der Kurie nach dem Tod
Innocenz' II. schnell und wählte zum kanonisch frühest zulässigen Datum,
zwei Tage danach,^' den Kardinalpriester von S. Marco, Guido di Castello, als
Coelestin II. zum neuen Bischof von Rom.^ Erhalten hat sich zu seiner Wahl
neben einer großen Zahl von Berichten, die lediglich die Tatsache der Erhe-
bung anzeigen, eine Wahlanzeige des neuen Papstes an Petrus Venerabilis, den
Abt von Cluny, vom 6. November 1143.^ So ist es möglich, der Frage nach-
zugehen, wie sich die Vorstellung von einer rechtmäßigen Papstwahl an der
Kurie bis 1143 entwickelt hatte.
Coelestin II. führt in diesem Schreiben aus, dass ihn die Kardinatpriester
und -diakone zusammen mit seinen Brüdern, den Bischöfen und Subdiakonen,
am dritten Tag nach dem Tod Innocenz' II. und dessen Beerdigung im Late-
ran einträchtig zum römischen Bischof gewählt, während Klerus und Volk von
Rom dieser Wahl akklamiert und sie erbeten hätten A*" Was an dieser, ansonsten
in den üblichen Formulierungen gehaltenen Aussage auffällt, ist die Reihen-
folge, in der die einzelnen Wählergruppen aufgeführt werden. Anders als in

882 Zur Errichtung der römischen Kommune bzw. des Senats FEDELE, Era del senato, FRUGONi, Re-
novatio Senatus, ARNALDi, Rinascita, MoscATi, Comune Romano, ScHMiTz-EssER, Erneuerung;
einen kurzen Überblick bieten OrLL, Stadt und Reich, S. 418f., HoRN, Eugen III., S. 175f.
883 Vgl. Anm. 712.
884 Zur Erhebung Coelestins II. BERNHARDi, Konrad III., S. 353, RoBiNSON, Papacy, S. 78; zu Person
und Pontifikat Coelestins HÜLS, Kardinale, S. 239, n. 7, ZENKER, Kardinalkollegium, S. 83f.,
zuletzt GiRGENSOHN, Art. Celestino II.
885 Vgl. EGGER, Wahldekrete, S. 106; zu den übrigen Quellen vgl. BERNHARDi, Konrad III., S. 353,
Anm. 16.
886 [...] Innocenh'o WIE /ad. odoEds de/nndo cf ;'n Eaferanens; ecdesia cnm maxima der; d popni; Roman;
/mynenha iMmniafo, eardinaies presh/fer; d diacon; nna cnm /hddEns nosfds ep;'scop;'s d snEdiaco-
n;'Ens, dero ac popnio Romano aedamanfe padim d expdenfe, fed;a die ;'n ;'psa eedesia nnanim; uofo
d par; eonsensn me indignnm d prorsns tanh opden imparem, nescio ^no De; indicio, ;'n Romannm
ponfipeem concordder degernnE (JL 8435, ed. PL 179, n. 2, Sp. 766). Das Adjektiv eardinaies ist auf
Kardinalpriester wie Kardinaldiakone zu beziehen.
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