Schludi, Ulrich
Die Entstehung des Kardinalkollegiums: Funktion, Selbstverständnis, Entwicklungsstufen — Mittelalter-Forschungen, Band 45: Ostfildern, 2014

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2. Vom Senat des Papstes zum Rat der Kardinale

Amtszeit Innocenz' II. doch viel dafür, dass am Ende seines Pontifikats aus
dem höheren römischen Kardinalklerus das Kardinalkollegium und aus des-
sen Mitgliedern die Kardinale geworden waren. Das selbstbewusste Auftreten
der Kardinale in den 1140er Jahren bestätigt diese These/'""

2.4. Exkurs: Unterwegs im päpstlichen Auftrag -
die Mitglieder des höheren römischen
Kardinalklerus als Legaten
An dieser Stelle lohnt ein vergleichender Blick auf die Hinzuziehung der drei
Ordines der Kardinalbischöfe, Kardinalpriester und Kardinaldiakone in das
päpstliche Legatenwesen. In ihrem Beitrag zum Handbuch »Geschichte des
Kardinalats« vertritt Claudia Zey die Ansicht, dass sich die Angleichung der
Ordines der Kardinalpriester und Kardinaldiakone an die Kardinalbischöfe
erst im 12. Jahrhundert über mehrere Jahrzehnte bis zum Pontifikat Inno-
cenz' II. vollzogen habe; diese Entwicklung lasse sich gut am Legationswesen
ablesen A" So spiegele die unterschiedlich starke Heranziehung von Mitglie-
dern der drei Ordines unter Paschalis II. die unterschiedliche Wertigkeit der
Ordines zu dieser Zeit: Paschalis II. habe die Kardinalbischöfe überproportio-
nal oft und zudem mit den wichtigsten Legationen beauftragt, gefolgt von den
Kardinalpriestern. Im Vergleich zu ihrer idealiter zweitgrößten Gruppe hätten
die Kardinaldiakone die wenigsten Legaten gestellt.^" Aber selbst noch über
den Beginn der Amtszeit Innocenz' II. hinaus hätten die Päpste die großen und
wichtigen Legationen vor allem an die Kardinalbischöfe vergeben. ''"
Auch in zwei anderen Studien zur päpstlichen Legatenpolitik im 12. Jahr-
hundert aus den letzten Jahren beschreibt Claudia Zey an verschiedenen Stel-
len en passant, wie sich die Berücksichtigung der drei Ordines des höheren
römischen Kardinalklerus im päpstlichen Legationswesen über die Pontifikate
hinweg verändert habe. Zum einen stellt sie fest, dass die Kardinallegaten aus
den Ordines der Kardinalpriester und Kardinaldiakone ab dem Pontifikat Ho-
norius' II. zahlenmäßig klar überwogen hätten. '"' Zum anderen merkt sie an.

309 Erinnert sie hier beispielsweise an das erfolgreiche Einschreiten der Kardinale 1148 in Reims,
als vor Eugen III. die Anklage gegen Gilbert Porreta wegen dessen Lehren verhandelte wurde
und die Kardinale mit Nachdruck darauf verwiesen, dass die Entscheidung in dieser Sache
nicht an ihnen vorbei gefällt werden dürfe (vgl. MALECZEK, Papst und Kardinalskolleg, S. 225-
227), oder das Scheitern eines Friedensschlusses mit Roger II. von Sizilien unter Lucius II.
nach Romuald von Salerno, Chronik, ed. GARUFi, S. 228, Z. 5, am Widerstand der Kardinale.
310 ZEY, Entstehung, S. 75.
311 Ebd., S. 69; vgl. KLEwiTz, Entstehung, S. 107, Paschalis II. habe vornehmlich Kardinalbischöfe
und Kardinalpriester als Legaten entsandt.
312 ZEY, Entstehung, S. 75.
313 DiES., Augen, S. 94, Anm. 59; vgl. ebd., zugleich könne man zwischen Kardinalpriestern und
Kardinalbischöfen dann auch kaum noch signifikante Unterschiede hinsichtlich Bedeutung
und Umfang der Legationen erkennen - anders ZEY, Entstehung, S. 75, wie im Folgenden
beschrieben.
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