Schludi, Ulrich
Die Entstehung des Kardinalkollegiums: Funktion, Selbstverständnis, Entwicklungsstufen — Mittelalter-Forschungen, Band 45: Ostfildern, 2014

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3.5. Die Wahl Gelasius' II. (24. Januar 1118)

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Papstwah) Bestimmungen des Rundschreibens Vigilantia universalis und des
sogenannten Simonieverbots Nikolaus' II., ja wie sonst nur bei Deusdedit auch
die Papstwahlordnung von 769. Gregor hat mit der Arbeit an seiner Kanones-
sammlung noch in seiner Zeit als Archidiakon in Lucca (noch 1109) begonnen
und sie vor seinem Tod im Jahre 1113, höchstwahrscheinlich erst nach 1111,
fertiggestellt. Sein Zeugnis fällt also in die Zeit Paschalis' und zeigt, so wie
vermutlich auch die Gesten dieses Papstes, dass im römischen Klerus und Adel
auch in diesem Pontifikat der Anspruch der Kardinalpriester weiter lebendig
war, dass ihnen bzw. ihnen und den Kardinaldiakonen, nicht aber den Bischö-
fen der entscheidende Einfluss bei der Wahl des Papstes zukäme.

3.5. Die Wahl Gelasius' II. (24. Januar 1118)
Schon drei Tage nach dem Tod Paschalis' II. am 21. Januar 1118 wurde der
päpstliche Kanzler Johannes von Gaeta, Kardinaldiakon von S. Maria in Cos-
medin und Archidiakon, als Gelasius II. zum neuen Papst gewählt.*^ Johan-
nes von Gaeta hatte sich zuvor nicht mehr an der Kurie aufgehalten, sondern
sich in das Kloster Montecassino zurückgezogen, dessen Gemeinschaft er seit
seiner Jugend angehörte.^ Beim Tode Paschalis' war er bereits ein kranker
Mann - und wurde deshalb möglicherweise bewusst als Ubergangskandidat
gewählt.^
Zum Ablauf der Wahl hat sich auch im Falle Gelasius' II. nur die Darstellung
in den Gesten des Papstes im Liber Pontificalis erhalten.*^ Der Autor dieser
Gesten ist der bereits erwähnte Pandulf, der später von Anaklet II. zum Kardi-

Synode Papst Symmachus' I., in denen den Priestern, Diakonen und anderen Klerikern zu
Lebzeiten des Papstes Absprachen über die Wahl eines Nachfolgers untersagt (ebd., c. 1) und
im Fall der Überführung der Verlust des Priesteramtes angedroht wird (ebd., c. 2). Zur Da-
tierung des Polycarpus FUHRMANN, Papstbriefe, S. 131f. mit Anm. 4, HoRST, S. 3-6, FowLER-
MAGERL, Clavis Canonum, S. 229. - Zu Gregor von S. Grisogono HoRST, S. 1-6, und HÜLS,
Kardinale, S. 175, n. 7.
606 Zu Gelasius II. u. a. KROHN, Kanzler, FEDELE, Famiglie, S. 434-440, MEYER voN KNONAu, Jahr-
bücher VII, S. 56-76, 92-96, 105-107, HÜLS, Kardinale, S. 231f., n. 1, zuletzt FREUND, Art. Ge-
lasio II, und DERS., Nomen; zur Wahl Gelasius' vgl. ZoEPFFEL, Papstwahlen, S. 112f., ScHEF-
FER-BoiCHORST, Neuordnung, S. 130, MEYER voN KNONAu, S. 56-58, KurrER, Papstwahlrecht,
S. 161-164, FÜRST, Wähler, mit der älteren Literatur, HÜLS, S. 63f., n. 130, RoBiNSON, Papacy,
S. 63; zur Stellung Johannes' als pn'iWMS dMCOMOFMiw: Annales Romani, S. 346, Z. 21, und HÜLS,
S. 41, mit Verweis auf die Grabinschrift desselben.
607 DERS., S. 232, n. 1; zu Gelasius' Eintritt in Montecassino unter Abt Desiderius (1058-1087)
FEDELE, Famiglie, S. 438 mit Anm. 5.
608 So vermuten MALECZEK, Papst und Kardinalskolleg, S. 217, SCHILLING, Calixt II., S. 563, unter
Verweis auf Pandulf, Gesta papae Gelasii, c. 11, S. 731, Z. 130-134, c. 17, S. 735, Z. 244; vgl.
STROLL, Calixtus II (1119-1124), S. 51.
609 Gesta papae Gelasii, c. 8-12, S. 730-732, Z. 86-143. Weitere Quellen, die aber meist nur wenig
mehr als seine Wahl festhalten, finden sich bei MEYER voN KNONAu, Jahrbücher VII, S. 58,
Anm. 8, aufgelistet. Nachzutragen ist ein Brief Kardinalbischof Petrus' von Porto an Kardinal-
bischof Cono von Preneste, ed. BRACKMANN, Schreiben, S. 628f.
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