Münchener Punsch: humoristisches Originalblatt — 4.1851

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Münchener

Tin latvrischeS Oriqinaiblatt von M. E. Iehleirt,.
BanzjLhrii, r fl., halbj. 1 sl., viertelj. Zv kr., einzelne Nummern S kr.

Vierter Band.

Sonntag.' S tz. g. März 1851.

Der 6 März

wurde »om Vcrein für Freiheit unb Gesetzmäßigkeit mit Recht zu emcm
Festcsien benützt; es war ein politisches „Choleradiner". Als die epide-
mikratische Revolutiou aus München verschwunden und noch alle Gemüther
von Angst beklommen waren, da wagte sich zuerst die Zunft der „Consti-
tutioncllcn" hervor, und fing an, mit dcn llltramontanen zu tanzen und
der Frchsinn kehrle wieder. Die eigentliche Pestilenz war gewichen und
die noch vorkommenden Fällc gehorten in daS Bcreich der Sprcch-Ruhr.

Bei eincr politischen'l'lrbls-ä'Iiül«- ist cS lmmer eine schwierige Sache;
man bekommt von den vcrheißenen Gcsetz-Borlagen meistens sehr wenig
und das nur mit langen Zwischenpauscn; bafür ist aber auch obiger
Verein ein Vcrein sür Gesetz-M äß igkeit.

Dic Mitglieder haben die ganze Märzproklamation durchgegeffcn. —
Auf diescm SpciSzcttel steht oben an als erstcS Gericht: Die Minister-
verantwortlichkeit. Das ist dic Snppe, die Grundlage, die allcn übrigen
Speisen vorangehcn muß. Sie ist der aus dcm Fleisch des Constitutiona-
lismuS herausgesottene Saft, der den Staatsmagen einrichtct und sähig
macht, ein starkes Hausmannsbudget, wie man es namentlich in Bayern
zubereitet, zu verdauen. — Es gibt aber auch leere Suppen und leerc
Ministervcrantwortlichkeitcn. Bei uns hat daS rechte Centrum das „Gesetz
über Anklage dcr Minister" eingcbrockt.
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