Münchener Punsch: humoristisches Originalblatt — 4.1851

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Münchener

Äin satvrisches Hriqinaibiatt vi?n M. (§-.

Ganzjähria 2 fl.,halbi. 1 N.. viertelj. 30 kr.. einzelne Nummern 3 kr.

Vierter Band.

Sonntag. . Mi'«- TEk. 11. Mai 1851.

Coulissen-Gcl'präch

zwischen

mir, Masamello und der Stummen von Portiei.

Gelegentlich ihrer letzten Auffnhrung.

I ch. Guten Abend, Fenella; wie geht es Jhnen?

Die Stumme (Zieht die Achseln hinauf, den Hals hernnter und
ftufzt).

Jch. Ja leider, bei Jhnen in Neapel sieht es traurig auS. Wenn
die Regierung t aub, die Neaktion blind und die Finanzen lahm iind,
so ift es für jemand aus dem Volke wirklich am bcften, ft u m m zu sein.

Die St. (seufzt ärr eapo und <irrl seno).

I ch. Aprovos, waren Sie in Portici, als der Pabft aus seiner
letzten Flucht dahin kam? Er hoffte wohl auf einen jubelnden Emvfang,

fand aber in der Bevölkernng lauter Stumme von Portici!

D. St. (nickt beifällkg).

J ch. Es ist der zweite Akt vorbei, ich glaube, im 3. wird die Re-
volution loSgehen. Soeben wurden mehrere Gewehre auf die Bühne ge-
tragen, doch muß ich Lord Palmerfton entschuldigen, denn diesen Ge-
wehren fieht man es an, daß sie nicht englischeS Fabrikat sind.

D. St. (lacht durch Zeichen).

Jch. Ah, da kemmt der Theaterschimmel! Dieses wackere Thier
leistet zwar im Fach ver komischen Alten noch immer GuteS, dürfte aber
doch envlich pensionirt werden. Seine 2 Bündel Heu Spielhenorar könnte
er sich ja vadurch verdienen, daß er einigen Fiakerpferden Unterricht in
der Mimik gäbe.
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