Münchener Punsch: humoristisches Originalblatt — 4.1851

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Münchener

Tin satyrischeS Originalblatt van M. E» Srhleicd.

GanzjLhrig r fl., halbj. 1 fl., viertelj. 3g kr-, einzelne Nummern z kr.

Vierter Band.

Sonntag. W»'«- 1Ä. 16. März 1851.

Um allen irrigen Gerüchten vorzubeugen, wird hiemit erklärt,
daß dieses Biatt ohne Zuschuß aus dem Reichsrcservefonb

erscheint.

Wohlthätiger Hluasch.

Aller Blicke wenden sich nach Berlin, dem Schauplatz eines furcht -
baren Unglücks. Nachdem daselbst 1848 die Revolntwn entbrannt, ein
Prinz nach England durchgebrannt, hierauf die Nationalversammlung
auSgebrannt — 1849 die Constitution zugebrannt — 1850 Manteuffel
abgebrannt — ist nun 1851 die erste Kammer weggcbrannt. — Tas
Gebäude der ersten Kammer liegt in Asche! Das Leb en sämmtli-
cher Mitglieder derselben ist zu beklagen!

Auf der linken Seite pstegtcn die politischen Aschenmänner ihre n
Vorrath auszukramen; möglicher Weise, daß sich darunter noch ein Funke
befand. Das viele Papier, das leere Stroh, die hölzernen Redncr, die
dürren Worte der Minister — dieß alles gab den Flammen ergiebige
Nahrung. Zum Glück war kein Spiritus im Vorrath, sonst wäre das
Ünglück noch viel größer geworden.

Das Protokoll über die Schleswig-Holstein'sche Deb atte ist verbrannt;
die von etlich 60 ritterlichen Mitgliedern gegen das n eue Gemcindcgesetz
gerichtete Eingabe ist erstickt; das Preßgesetz ist zum Fenster hinausge-
sprungen und hat sich Arm und Fuß gebrochen! — Der k gl. preußi-
sche ConstitutionalismuS wurde leblos und schrecklich
verstümmelt auS den Trümmern hervorgezogen! — Und
dazu bedenke man, daß der kgl. preußische Constitutionalismus nicht im
geringsten versi ch er t ist !
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