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Österreichisches Archäologisches Institut [Hrsg.]
Jahreshefte des Österreichischen Archäologischen Institutes in Wien — 1.1898

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Bieńkowski, Piotr: Tarentiner Relieffragmente
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Hula, Eduard: Metagraphe attischer Kaiserinschriften
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https://doi.org/10.11588/diglit.19227#0039

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27

Tarent wäre es seiner kunstreichen Vergangenheit schuldig, die Grabung wieder
aufzunehmen und auch die in der Erde zurückgelassenen unbedeutenderen Frag-
mente in Gründlichkeit zu heben.

Die im Alterthum öfter gerügte Unsitte, ältere Ehrenbildnisse durch Ver-
änderung des Kopfes oder auch durch bloßes Umschreiben ihrer Dedications-
schrift neu zu verwerten,1) griff in der nachchristlichen Zeit immer weiter um sich
und verschonte selbst die Statuen der Kaiser nicht. Was dem Granius Marcellus
als Majestätsverbrechen angerechnet wurde, einem Standbilde des Augustus einen
Kopf des Tiberius aufgesetzt zu haben,2) scheint nur hinsichtlich der Kürze des Inter-
valls ein vereinzelter Fall gewesen zu sein und wurde jedesfalls mit der Zeit immer
häufiger. Manchmal wurde sogar die alte Inschrift nicht getilgt, sondern ihr nur
die neue angereiht, oder, was noch schlimmer war, die alte wurde zu einer neuen
ergänzt, wodurch unregelmäßige Titulaturen entstanden. Beispiele hiefür bieten
die folgenden attischen Steine, welche ich vor fünf Jahren mit Lollings Erlaubnis
im Hofe des Nationalmuseums zu Athen aufnahm und nach guten Abdrücken
achtfach verkleinert veröffentliche. Den Abdruck von n. 4 danke ich der Güte
Herrn Dr. A. Wilhelms.

1. Platte aus weißem Marmor, unten und oben Randleiste, rechts unten ge-
brochen; 0-57111 hoch, 0-49'" breit, 0-07111 dick, Buchstabenhöhe Z. 1 — 3 o-028m,
Z. 4 0-025 m.

Krakau.

PETER von BIENKOWSKI.

Metagraphe attischer Kaiserinschriften.

') Vgl. E. Curtius d. Stadtgesch. v. Athen
S. 260 Anm., Curt Wachsmuth d. Stadt Athen im
Alt. I S. 664 Anm. 3, 668, 67g.

2) Tacitus ann. I 74 addidit Hispo . . . alia
in statua ampulato capite Augusti effigiem Tiberii
inditam.
 
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