Österreichisches Archäologisches Institut [Editor]
Jahreshefte des Österreichischen Archäologischen Institutes in Wien — 1.1898

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aber schon der unebenen Rückseite wegen — die nur an einem circa 0-3'"
breiten „Saumschlage" um den Rand her geglättet, sonst rauh gelassen ist —
wahrscheinlich, dass die fertige Platte nicht frei aufgestellt, sondern entweder in
einen Holzrahmen oder direct in die Wand eingesetzt wurde.

Athen. WOLFGANG REICHEL.

Tarentiner Relieffragmente.

Tafel II.

Im Museo civico zu Tarent finden sich eine Anzahl Relieffrägmente von
anscheinend pentelischem Marmor, welche im October 1879 auf dem Kreuzungs-
punkte der Via di Mezzo mit dem Vico della Pace daselbst ausgegraben worden
sind und offenbar zu einem und demselben Monumente gehörten. Sie gelten
allgemein für Theile eines hellenistischen Tempelfrieses, welcher Kämpfe taren-
tinischer Griechen mit Japygen und Messapiern darstelle. Mit ihnen glaubte man
von dem Tempel auch den Torso einer gelagerten Giebelfigur und die Karyatide
eines Cellapilasters zu besitzen. In diesem Sinne wurden sie veröffentlicht von
L. Viola, Notizie degli scavi tav. VIII p. 383 ff. und Fr. Lenormant, Gazette
archeologique 1881 pl. 30. 31 p. 154. Auch W. Heibig, bull. d. inst. 1881 p. 195
sprach sich in einem kurzen Berichte über den Fund auf gleiche Weise aus.

Seither sind drei neue Bruchstücke hinzugekommen, die ich mit Einwilligung
des Herrn Director Giulio de Petra unter Assistenz des Soprastante Herrn Caruso
in Tarent photographieren konnte und hier mit einem Ausdruck des Dankes für
die Förderungen, welche die k. Akademie der Wissenschaften zu Krakau meinen
Studien gewährte, zum erstenmale vorlege.

Als ich im Apparate des Wiener Institutes kürzlich Zeichnungen von zwei
Relieffragmenten gleicher Art zu Aquileja, die hier als Sarkophagreste erkannt
waren, kennen lernte, konnte ich mich der Anerkenntnis nicht entziehen, dass
auch die Tarentiner Stücke von keinem Friese stammen können. Nähere Ver-
gleiche ergaben dann, dass sie von einem besonders schönen griechischen
Sarkophage römischer Zeit herrühren, der, als Kline gedacht, an den vier Ecken
der Langseiten mit Karyatiden und ringsum mit mythologischen Schlachtscenen
geschmückt war, während auf seinem Deckel ein oder zwei Rundfiguren ruhten.
Das Hauptstück seiner Vorderseite, die Darstellung eines Schiffskampfes, wieder-

Jahreshcfte des üsterr. arcliliol. Institutes Bd. I. 3
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