Österreichisches Archäologisches Institut [Editor]
Jahreshefte des Österreichischen Archäologischen Institutes in Wien — 1.1898

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Pygmäen seitlich abstehende Helmbüsche befestigt, die entweder Federn oder
Hahnenkämme darstellen sollten. Diese hat Goethe nicht mehr gekannt, so wenig
wie einige andere ähnliche Darstellungen. Wenn sich also zum Vasenbild bei
Tischbein noch eine zweite bildliche Darstellung hinzugesellte, der die Stelle
über den Kopfschmuck der Pygmäen verdankt wird, so möchte ich kein Be-
denken tragen, den Stoschischen Stein dafür in Anspruch zu nehmen.

Wien. EMIL SZANTO.

Der zeitliche Wandel in Goethes Verhältnis zur Antike

dargelegt am Faust.

i.

In den einleitenden Capiteln der vorangehenden Untersuchung hat Emil
Szanto mit feinem Sinne dargelegt, wie Goethe durch seine Art zu denken und
zu empfinden nothwendig immer wieder zur Betrachtung der antiken Kunst
zurückgelenkt wurde. An sechzig Jahre hat er am Faust gearbeitet. Was er als
Jüngling begonnen, hat er als Mann fortgesetzt, als Greis vollendet. Während
dieser langen Zeit war er bei der Erfindung und Ausgestaltung immer wieder
auf die Antike gewiesen, schon deshalb, weil eine der Hauptpersonen der Tragödie
Helena ist, die in dieses Zauberspiel aus den Tiefen der griechischen Vorzeit
auftaucht. Ein Mann, der durch lange Perioden seines Lebens im Zweifel ist,
ob er sich nicht der bildenden Kunst berufsmäßig widmen soll, der die Begründung
der Geschichte der Kunst, zunächst der antiken Kunst in seiner Jugend enthusi-
astisch theilnehmend miterlebt, der ihre Entwicklung unablässig verfolgt und
selbst eingreifend fördert, um endlich mit einer weitüberschauenden Duldsamkeit
am Schlüsse seines Lebens alle Epochen der Kunstentwicklung eindringend zu er-
fassen, musste in seinem Verhältnisse zur Antike mannigfache Wandlungen
durchmachen. In einem Gedichte, wo immer von ihr die Rede ist, dessen
Ausführung sein ganzes Leben umfasst, müsste, sollte man meinen, sich die
Entwicklung seiner Kunstanschauung, gleichsam schichtenweise abgelagert, nach-
weisen lassen. Ja, man könnte versucht sein, Goethes Verhältnis zur bildenden
Kunst, wie es sich in einzelnen Partien des Faust kundthut, als Leitmuschel zu
benützen, mit der man in einzelnen Fällen die betreffenden Abschnitte der Zeit
ihrer Entstehung nach bestimmen könnte.

Jahreshefte des österr. arch'aol. Institutes Bd. I. 14-
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