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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt (61) — 1919 (September bis Dezember)

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https://doi.org/10.11588/diglit.3728#0004
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Delgien. (ErzLerger
Jult 1919).

in Weimar am LS. Boweis: Der amtl.Text dcrSrote: Es besteht keine
, Wcchrscheinlichkeit, dem Frieden näher zu kommen,
^ ^ . so lange sich nicht dle Zentralmächte und ihre

Verbündeten in offizieller Form über ihre Kriegs-
ziele und darüber geäuhert haben, zu welchen
Wiederherstellungen und Entschädigungen sie be-
reit smd und durch welche Mittel l)>och nur Ab-
rüstung) in Zukunst die Welt vor der Wiede<r-
holung der Greuel, unter denen sie jetzt leidet,
bewahrt werden könnte."

Beweis: Erklärung des englischen Staatssekre-
tärs Harmsworth im englischen Unterhaus: ,^>ie
britische Regierung h'.elt es für unzweckmähig, fick>
in-fragmentarische Diskussionen dieser Frage (der
belgischen Frage) hineinzcehen zu lassen. Der eng-
lische Vertreter (beim Vatikan) erhielt jnfolge-
dessen Jnstruktionen, in welchen er aufgefordert
wurde, in ketner Weise in dio Verhandlungen
des Vatikans und Deutschlands einzugreifen und
sich, wenn man von neuem um dieDekanntgabe
der englischen Ansichten fragen würde, zu weigern,
sio bekannt zu g-^sben."

Die neue Weltlage

Von unserem Verliner Vertreter wirH
uns g^chrieben:

Zn Lestätlgung meiner kürzlich gebrachten Jn-
fornration über die Absicht des amerikanischen Se-
nats, durch die Ablehnung des Versailler Frie-
d ens eine neue Weltlage zu schaffen, erfahre ich
heute welter. dasi der amerikanische Senat weiter-
hin sein Ziel verfolgt, den Beschlutz über den
Fricden so schnell zu fassen, daß dte Ablehnung der
Ratifizierung schon in nächster Zeit bekannt wird.
Die Meinungen, datz die Beratungen LLer ?)en
Dersailler Frieden verzögert seien, b«.stätigen sich
nicht. Auch die Melduttg franzosischer Vlätter, dah
sich im Senat ein Z wetdr i t te lmehrheit
für die Ratifizierung des Friedens finden werde,
trtsft nicht zu. Im Gegenteil ist eine grosie
Mchrheit gegen den Fr'.eden und die Behandlung
)>er Shantung-Frage, die sich auch Lereits geg>.n
Wilson richtete, bewies. datz die Wilsongegner rm
Senat sich durchaus nicht beeittflussen lasic-n und
von ihrer Haltung abgehen rvollen. Jn England
und Frankreich versolgl man die Beratungen in
Washington mit groher Desorgnis und versucht
durch Stimmungsmache die ganz neue Situation,
die eine Ablchnung der Ratifizierung durch Ame-
r.ka ergeben würde, zu verheimlichen.

Wie ich weiter von eiuer, über d eVorgänge in
England und Frankreich gut ünterrichteten Per-
fonlichkcit erfahre, ist das Verhältnis zwffchen
Frankre-ch und England jetzt derart g e-
spannt, dah mit einem Konflikt zu rechnen
ist. Bekanntlich haben es die Amerikaner und Eng-
länder durchgesetzt, dah die von Frankreich auf
alle Falle verlangte Bestimmung im Friedensver
trag mit Oest.rre ch. dieses dürfe fich nicht an
Deutschland anschltehen, gestrichen wurde.
HauptsLchlich England hat hler die Hand im
Cpiel. So wie es verhütet hat, daß der von
Frankreich eingesetzte Erzherzog Joses wckiter Ver-
weser Ungarns Llieb und dam.t Ungarn Frank-
reich ausgeliefert wurde, fürchtete es, daß Frank-
reich aus der Bestimmung, Oesterreichs Anschluß
an Deutschland zu verhindern, sich eine besondere
Stellung in Oesterre ch schaffen wolle und deshalb
kam auch diese franzosische Fordcrung zu Fall. Die
Rival.ät zwischen England und Frankreich zeigt
fich am deutlichsten aber wohl darin. daß Frank-
reich in Rußland eine felbständige Aktion durch
Gencral Koltschak vorbereit hatte. Koltschak
war völlig von Frankreich abhängig und seine
Unternehmungen wurden von französischenr Eeldc
bezahlt. England fürchtete mit Recht, daß, falls
diese Aktion gelingen follte. Frankreich sich die
Vorhand in Rußland sichern könnte. Deshalb ver-
stand es seinen Willen durchzudrücken, daß die von
Frankreich eingeleiiete Aktion durch Koltfchak
ausgcgeben wurde.

D'e große konzentrische Hauptaktion gegen die
rusiische Sowjetregierung findet die Mißbilli-
gungAmerikas. Jn amerikanischen Krei-
scn weist man darauf hin, daß das gewalität'ge
Vorgehen gegen das bolschewistische Ungarn
schwere Mißstimmung bci den Sozialisten erregt
habe, die durch die Aktionen gegen Sowjetruß-
land noch erhöht werden müsie. Es bestehe große.
Gefahr, daß die all'.ierten Truppen von Meute-

)ie Lostazuela-Schriftstücke darstellte, wvr gegehen.
>atte sie es gewast, ihn M betrügen? Hatte sie
.'sM ZeugniZ gsgeben, oder war Edvard Hesiel-
ncm das, dessen sis ihn ibe^chluldigte — ein Bruder-
Nörder?

Mühsam prüfte er ihre Geschichte zum hundert-
Aen ALal Stück für Stück, Wort für Wort nach.
Niroends eine Lücke, nirgends ein AÄidersPvuch!

..Edvard Hesielman ist es sews'en, der seinen
Bruder erschoß!"

Uird dcrnn wisder die Worte des Pfarrers:

„Sie waren Zwillingsbrüder und hatten sich
schr liob."

Aber wie war das Be-nehmsn des BediLnten zu
erklären? Wuroe John Akldersson den Brudcr
leines Herrn auch dann beschützt haben, wenu er
die ganze dunkle Eeschichte gehinnt hätte? Was
war gcssck)vhen. als der Bcdiente Edvard Hesielman
allein nsben der Leiche seines Bruders vorfand?"

Mit zusammengebissenen Zähnen und gegen die
Schläfen gspreßten FäUsten suchte Wallion nach dem
fchwachon Punkt in Frau Nobeiras Dariegnng,
nach dem fchlenden Eckstein, der das san,ze Lüven-
gebäudo zu Fall bringen kcmnte.

Aber nichts — gar nichts.

Es k.opfte an die Tür.

„Hereinl" knurrte Wallion heifer.

Gallenbsrg und Beyler erlchieneir Mit Hangen
Easlchtern.

„Wir hachcu alle Schären durchsucht", begann
der Dedektiv. „Wir hcüben Lie eingehendsten Nach-
forschungen angestellt."

„Und was >ac>lunden?'

„Nichts."

„Wie weit feid Fhr gokommen?"

„Vcmr KaMolmsffard bis nach Möfa."

„Und habt kein« Spur entdeckt?"

„Nicht die ger'inaste."

Mcvurice A-allion erhob sich.

«Fch werde die Nachforschungen seM leiten",
kavte er. „Die Verschwundenen inüsisn aufgefun-
oen werden."

Zu Veyler gewandt setzte er hinzu:

„Komm mit mir rmch Lrdingö. hinaus. Jch
habe Dir und Deiner Kusine eine wichtiM Mittei-
Ulachen."

(Lortsetzung folgt).

reien zcrsetzt würden. Zumindest sei es notwen-
Mg, sich vorher zu vergewisiern, daß die einsetzen-
den Reaktionsbestrebungen zaristischer rusii-
scher Polit.ker nicht von den Alliierten unter-
stützt würdcn. Eine Niederkämpfung des rusiischen
Volschewismus müßte das Ziel haben, daß ebenso
wre in Ungarn die Entscheidung über die neue
Staatsform in die Hände des rusi.schen Volkes
und eincr neu einzuberufenden rusiischen Natio-
nalversammlung gelegt werden müsie.

Teils amtlich, terls „unabhängig*«

Die deutsche Waffenstillstandskom-
misfion hat kürzlich eine Denkschrift
herausgegeben, die stch darüber ausspricht, wie
sich das Werk des Wiederaufbaues Nordfrank-
reichs sozialpolitisch ungefähr organifieren
lasse, ohne daß berechtigte Arbeiterinteresien
zu kurz kommen. Die „Soziale Praxis" rvarnr
aber davor, das dort Dargelegte bereits als
den endgültigen Standpunkt der Reichsregie-
ruirg anzusehen, da es sich osfensichtlich um
eine halbe Privatarbeit handele. Ueber diese
Arbeit macht die „Soziale Praxis" noch fol-
gende Mitteilungen:

,L>aibei bevührt es oigenartig. daß idie Denk-
schrift stellenwci,e in den Ton unabhängig-
sozialdemokratischer Agitation ver-
fällt, während sie in anderen Pcrrteien ausLe-
zeichnetc praktische Eedanken in gut durchdachter'
Fovm davbictet. Die>r rn> crmtlichen Publikat'o-
ne,' immerhin -ungewöhnliche Einfchlag bevrht
daraus, d-atz die Berfasier es sich habon crngLlegen
sein lcrsft-n, dauernd in Fühluns .Mit Len
Erotz-Berlinev Eerverkscha-ftsführern der Unad-
hängigen Sozialdemokratifchrn Partei fowie mit
dem Sekrctär der U. S. P.-Wablvereine Erotz-
Verlin" zu avbeiten. Da es sich bei dom Wied"r-
alvfbalvwerk Mi-etzlich N'cht uur eine Eroh-Bevli-
ner Angelegcmhcit haudelt — oin Jrrtum, dsr a: ch
dein Verliner Mrbeitslosen.'at unid dem Unav-
hängigen Vollzugsrcrt begognet fft —, foüdern um
eine Sacho, die gccnz Deutschla.nd angeht, so ware
es vielleicht nicht ganz unangsmesien gowesen, auch
die Eeneralkommisiion der Eelrerkschcoften und all-
dcre grotze Arb^ tnehmerzentralen, und rnv-r
ohne Unterschied der Partei. um ihren
Rat zu frcrgcn. Wbcr die Eint'ilung dar> DenL-
schrift scrgt in diefer Hinsicht treuhersig. die llnaib-
hängfge Sogralidomokratie gewinne von Tag ?
Tag mehr Mitglicider — und Las hat offenbar se-
nüet, um in der Denk chrift den Ton übert:>iclb'iler
Rückfichtnahme auf eine einzelne Partei und Lvl
ihrer Älbfasiung deren alleinfge Dofrasunig M ver-
anlasien."

Diese Angaben werden nicht verfehlen, Auf-
sehen zu erregen. Die Leitung der Wafskn-
stillstandskommisiion wird sich wohl darüb-r
außern müsien, ob sie von dieser „Politik"
ihrer MitarLeiter Kenntnis gehabt oder sie
gar gebilligt hat.

Ueber die Zukunft der Offiziere

schreibt die Korrospondenz Piper: 3-ie durch die
Friodensbcdin'gungen natrvendig wordende bedeu-
tende Verringerung der Armee hat in die Kreise
der aktiven Osfiziere eine grotze BeunruihiMng
ülber ihre Zukunft hineingetrasen. Diese Beforsnis
ift begreiftich. da am 1- Augiust 1919. trotr der he-
reits erfolsten zahlreichen Vevcrb chiedungon, noch
rund 20 000 preutzische und württembergiichs aktive
Offiziere vovhanden rvareil, die zMlächst, und Mvar

einsüi>ließlich aller Bundesftaaten. cmf die noch zu-
lWge Zcchl von 8000 zurückgvfüchrt werden müsien.

Das Kriegsininisterium sibt in einem Erlallc
uunmehr die Matznahmen bekanut. die für die
Stellenbefetzung der Neichswehr in
der zunächst festgesetzten Stärks von 200 000 Mann
und der Abwicklungsqtellen getrofsen word:n sind.
An den von den EcnevüllommLnoos eingsford-erlen
Baur.teiliungen üder alle aktivem Ofsiziere
wird boonders Wert gelegt auf Lie Vewäh.'ung
des Offiziers vor allem während des Krieges in
der Front und auf die Dienstbetätigung in der
Zelt nach dom Waffenstillstand. da".ebcn sollen die
persönlichen und wlrtsckra.ft.ichen Verhältnisie be-
rücksichtigt werden. Die Tätigkeit der Offiziere,
die im Erenzschutz oder boi Freiwilllgenvevbänden
an Kampfhandlungeu in der Heimat teilgenommen
haben, sowie der in Kommandoftellen der Heimat
visher unabkönnillichen Offlziere rst in den Nach-
weiiungen über dle vorhan'oenen aktiven und der
kriegssescmgenen Offiziere bcsonders zu erläutern.
Während ülber die Verücksichtigung der kriegsgefan-
genen so>wie der-aus dem Unteroffizierstande her-
vorgegansenen Offiziere noch nähere Bestim-
miung erfoilsen wird, soll das Pepsoiralaimt bal-
digst eine Grundlaae fur die notwendig werden-
den zwangsweisen Verabfchiedungen
durch Dorlegunv von Listen derjenigen Offiziere
erhaltcn, dcrcn Verabschiedung bereits beantragt,
aber ncch nichr erledigt ist, weiter über solchs Offi-
zieve, die sich längere Zeit ohne triftige dienstliche
oder gesundhcitliche Nücksichten von der Truppe
ferngebalten haden. Vei der Beurkeilung und Aus-
wahl oer Ossiziere sollen in weitgchendem 3Naße

Offtziere äus der Front zur Mitarbeit herange-
zagen werden, und zwar werden dazu <ms dem Ve-
reich ftdes Friedens-Eenevcvlkommand'os zwei Ver-
trauensoffiziere, nnd aus jedem beim
Grengschutz Ost befindliche-n seMändiaen Vevband
vin Vertrauensmann von den Offizieren gvwählt.

Schlietzlich wird benrertt, datz die vielfach ver-
breitete Äuffasiung. datz bis zum 1. Oktoiber 1919
die Veralbschiedung aller nicht in der Neichswehr
unterMbrinaenden Offiziere erfolgen musie, nicht
zutrffft. Jedenfalls mutz die genüaende
Zeit für die gebotene einiu»andfteie Beurteilung
und Auslcise fichergestellt sein.

Am Srdantage

Ein halbes Zahrhundert wird verflosien
sein, wenn sich der stolze Erinnerungstag rwn
Sedair abermals jährt. Noch leben viele
Zeugen aus jener Zeit, die Bismarck. dcn Kö-
nig von Preußen u. Napoleon k ll. in Donchery
sahen, und Millionen von Volksgenossen ste-
hen aus ihrer Zugendzeit her noch heute un-
ter der Vegeisterung, die Deurschland durcy-
zuckte, als unsere tapferen Heere die deutschen
Fahnen auf der eroberten Stadt des einstigen
Marschalls Turenne gehißt hatt.m. Der na-
tionale Eedenktag wurbe fortan ein Fesi
freudiger Erinnerung, weil Deutschlands
Einheit undEröße von ihm hergeleitet wu--
den. Der Tag von Sedan brachte dem dcutschin
Volke den Anfang der Ersüllung seiner Hoff-
nungen, er schuf e?N gewaltrges Vertrauerr auf
die Zukunft. Wenn wir auf den matcriellen
Aufschwung des Deutschen Reiches, auf die
Ausdehnung seiner Znteresien, seiner Ee-
schäfte, auf die ungeheurcn Siege deutschen
Eeistes und deutscher Arbeit zurückblicken, und
wie alles sich seit dem 2. September 1870 ent-
faltete, so kö'nnen wir die Männer nicht ge-
nug rühmen, die Deutschland hoch zu Ehren
brachten.

Aber es walteten leider avch finstere Mächte
im deutfchen Volke, denen die nationale Enr-
wicklung nicht gefiel. Es wurdcn Lehren
her Znternationalitat gepredigt,
durch die der vaterländische Sinn untergraben
wurde. Bismarck wußte die gcfährlich:n
Elemente in Schach zn halten, doch nach sci-
nem Rücktritt von den Regierungsgeschäften
gedieh das Wucherkraut des Sozialismus in
unheimlicher Weiss. Als die auf den deul-
schen Aufschwung neidischen Nachbarnationen
Deutschland in einen Krieg verwickeltcn,
rechneten sie von vorn herein mit dcn
Eegnerrr derMonarchie, und nur
durch die allmähliche Erweckung der dcutschen
Nevolution mit reichlichen Mittcln gelang es
den Briten und ihren Vundesgenossen, das
von ihnen so lange gefürchtete Dcutsche Ne^ch
zu veruneinigen und zu vernichten. Die Pär-
teien, die fich stets als Eegner der Bismarck-
schen Ctaatskunst erwiesen, sind ans Ziel ae-
langt. Die Totengräber des Neiches haben
sich aber auch ihr eigenes Erab gegraben. und
in verzweifelter Angst ringen sie mit der
Hölle, die sie dem deutschen Volke geschaffen
haben.

Um die mahnenden Eeister des Sedantages
zu scheuchen> hat im Einverständnis mit der
Nerchsleitung der preußische Minister'-des Zn-
nern verboten, daß am Eedächtnistage der
Schlacht von Sedan durch Aufziehen von Flaa-
gen auf öffentlichen Eebäuden an das gri-ße
Ereignis erinnert werde. Die Furien peii-
schen eben das Eewissen der republikanischen
Machthaber, die Deutschland von Sedan
nach Versailles zurückgeführtha-
b en. Der Eedenktag von Scdan wurde seit
Zahrzehnten von der internationalen Eesell-
schaft beschmutzt und begeifert. Trotz Ler au^-
einandergehenden Weltanschauungen sind sich
die Mehrheitspolitiker doch im Haß gegen
das Kaisertum cinig geworden. Nationale
Hö'hepunkte darf es Leileibe nicht in Deutsch-
land geben, denn der vaterländische Eedanke
könnte wieder zum Erwachen kommen. Aber
der Eeist läßt sich nicht in Fcsseln schlagen.
Das Volk hat in 9 Monaten gründlich erfah-
ren, daß nur die Revolution uns ins Verder-
ben gestürzt hat. Der nahende Fricd''nswin-
ter wird schlimmer als einer der verfloffenen
Kriegswinter. Nnscre früher so fleißigen Ar-
beiter sind durch falsche Lehren und Vorspie-
gelungen zum Nichtstun verführt, und '
Verständigcn und Arbeitswilligen word n
durch die Schreckensherrschaft von der Wcrr-
tätigkeit abgehalten. Zn allen Familien, die
unter der zunehmendcn Not lciden müsicn,
wird die Revolutionverflucht, und
die Scharen, die früher zur Mißstimmung
verführt waren, sehnen den Tag herbei, an
dem sie ihrem wiedergewonnenen Naiional-
gefühl an den Wahlnrncn Ausdruck gcben
können. Die heutigen Eewalthaber und ihre
Organe erkennen die Tatsachen cknd das her-
ausziehende Volksgericht. Sie schreien über
die sogenannte Neaktion, aber man lacht über
das albcrne Wort, denn in Wirklichkeit ba
delt es sich um Vefreiung von einem uner-
träglichen Zoch. Deutschland darf
nicht in Ungerechtigkeit und Ver-
brechertum untergehen!

Die Weltanschauung der Pflichttreue und
der opferwilligen Vaterlandsliebe hat vor
fünfzig Zahrcn zu Sedan geführt, und die
Weltanschauung dcr Vö'lkervcrbrüderung und
der sozialistischen Nepublik hat in jeder Vc-
ziehung nur Zuchtlosigkeit gebracht. Angst-

rufe der Mehrheitssozialisten ertönen gegen
die Unabhänssigen und Kommunisten, denn
die blutige Fratze des Vürgerkrieges zeigt sich
schon wieder gespensterhaft in den großen
Städten. Das ist nun day Ende der Scheide-'
mann-Erzbergerpolitik! Die sozialistisch-ul,
tramontane Regierung kann fich nicht mehr
halten — ste pfeift auf dem letzten Loche. Die
Reichseinheit von der hlordsee bis zum Vren,
ner versprach sie uns zu bringen, aber cin
Stück des Neiches wird uns nach dem anderen
abgerisien, und an die Vereinigung von
Deutsch-Oesterreich mit Deutschland ist gar.
nicht mehr zu denken. Die Erinnerung
an den Sedantag soll dazu dienen. d n
guten Volksgeist wicder zu erwecken und die
nationale Hoffnungsfreudigkeit von neuem
zu beleben.

Deutsches Neich

Reichswahlausschuß der Deutschen Volkspartei
Der in der letzten Sitzung des Geschäftsfüh-
renden Ausschusses d.r Deutschen Volkspartei cjn-
gesetzto Reichswahlausschuß trat am Donnerstag
zu einer tonsUtuiereichen S tzung zusammen. Zum
Vorsitzenden wurde Dr. Stresemann. zum ersten
stcllvertretend.n Vorsitzendcn Eeheimrat Sachs
und zum zweiten stellvertretenden Vorsitzenden
Dr. Ros e, Wilmersdorf, gewählt. Jn einer all-
gemeinen Aussprache über die beoorsteüenden
Neichstagswahlen und die Kandidatenfrage kam
die e nmütige Entschlosienheit zum Ausdruck. der
Deutschen Volkspartei durch dic, nächsten Wahlen
einen wesentlich stärkeren politischen Ein-
fluß zu erringen.

Eheschuh?

,Me Ebe steht untor dom bvjon-deven Schutz der
VcMsillng", so heitzt es im § 119 der neuen
Relchsverfasiung. Aber leidor brroirken mauche
bcl-ördliche AisaHuabmelr geraL«zu dio Z'rstörunJ
der Das „ProtestcrnteriHlatl" wejst in seiner
Nr. 30 arff zwei bedeukliche Tatsachen bru: - „Für>
Lis neue Polizei werden durch Ausschreibllng
llntcroffi-i^LH seisücht, es wird <ri Ldvücklich Lcbens-
srollung angoboten, aber gowünischt: ..möglichst
unverheirato t". Wie vtele werden um Les»
willen die Ehöschlietzung umgehen?

Noch viel mnffasiend^r und schwerwieg-nder ist
die Sachs in dem auderen Falle:. Krieger-
witwen erbalten jetzt e'me Rente von etwa 700
Nüark jährlich — unter Unvständen noch rnehr —,
die im Ai'g-niblick Ler MnoLerpcrhelratung fa.t-
fällt; sie kömren dann nur, ohne einen Rechtsan!-
spruch darauff zu haben,. ein>e effnmalige Aibfin-
dungsffumme bis su 1000 M erhaltni. Es ist be-
gre-flich. wenn -ablre'chs KriegLriwitwen erklä.en:
„Eo dumm sind wir n:cht,^em Neich: -as Geld zu
schrr^sn, da mcvchen wir os anders." -Schan die
alte Orduum.g, nach der dcr Höchsiibetmg gleich dem
Rentenbetvag von 2^/2 Zahren war, war iiir jungr
Fra-uen von 20—30 Jahrcn völlig ungsnlls'iid^
aber s'eitdem d:e Nente durch Teuerungszusch-lä^s
von 100 auff fast 700 Mark crhölht ist. während
man die Abfrndungssunime jcheiubar vergesien
bat, ist die Versuchung zu wilder Ehe für
dre Krvegerwitwen riesengroß geworden.

Sozialdemokratischer Katzenjammer

Der mchrheitssozialistische 5Dberprasident van
Ostpreußen, der Abo. Wi n n ia. bat sich in einem
bemerkensaoerten Schreiben an die .^önigsbcrger
Volksgeituny" über die Stellung seffner Partei zur
Revolution geäußert:

„Ich habe", schreibt er u. „die Revolu-
ti 0 n nicht gew 0 llt rr. unsere ganze Partei !>at
sie nicht gawollt. Wir habeir im Ee-senteil 1 Iahre
gegen die Revolution in Wort und Schrifft ga-
kampft. Nicht weil wir .nit den a, ten Zuständen
zufrieden «ewesen waren ies ist unnötig. das zu
sagen), londern weil wir wußten, Laß die Nevolu-
tion unseron militärishen und politischm Zu?am-
menbruch bedcutet, und un§ dcr Rach-ucht und der
Nlcvubgier dec haßerfüllien F-ernde auslie«
fe-rn würde. Das ist die Wcchcheit und darum
lollten wir hente nichl so tun. «.!s wenn wir die
Revomtion lgowollt hätton. Dffe AbreHkvung mit
dem alten Negime wäre nach Woltfricdensschlutz
d-och gekammon. Wir hätten sie vorneh-inen kön-
nen, ohne unser Land den übermütigen Siogern
auszulieffern. Wir hätten dann nocb den Norteil
gchabt, uns auf zieibewußte und disziplinierte
DEen stützen zu können und hätten r.icht be-
sorgvn gebraucht. daß die Nevo.ution zu einer Ee-
legenhcit ffür Wahnsinnig!: und Verbrecher wurde.
Weil die Nevalution zu dicser Zeit erfoffste, 'wo
große Arassen des Volkes den morai.ischen Halt ver-
loren hatten, weil die Hilfe des Düraertums bei
dcr Deratung der sta..lHickrelr und ökonmni'chen
Ordnung unentbehrlich war. konnte die Resierung
nicht eine rein azia denokratische Politix treiben.
sondern m>ußte auf die Ansprüche der übrigen
Be v öll k e r u n>g e im^ g,ewisse. Nückisicht
nehmen. W-n ich brauche, dem dars ich nicht vor
den Kops stoßen."

Ai"o dämmert es auch schon beff dcn So.staff-
demockraten, daß die Reoolution eine unsaghare
Dummheit war.

Entschädigung der Kolonialdentschen

W.e <..0 V r am^ntar. Nachrichten"

crffcchren. beginnt am 5. Septemlber die Bespre-
ch'ii n g oes Ees etzen t w u r fes über die Ent-
schädig-ung der Kolonialdctitschen mit
den Jnteresienten. In Jnteresientenkreren beat
män die Hoffnung, daß das Eo'etz bcrechtigten An-
sprüchen in weitestem Maße entgegenkonlmen
werde.

* Schwere Anklaqen g-'gen den Ob"rsten Rcin-
hardt. Jm Vorwärts erhebt der Offizierstellver-
treter Eeorg Neucndorf im Namen des
Bundes inakt ver Unteroffiziere und Mannschaf-
Üon schwere AnklaM.n gegen den Obersten Nein-
hardt, den Führer der Reichswehrbrigade Ber-
lin. In d-m offenen Brief heißt es: „Oborst
Reinhardt trage eine zersctzende Politik
in die Truppe, denn c? bekenne sich offen zur



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