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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt (61) — 1919 (September bis Dezember)

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https://doi.org/10.11588/diglit.3728#0642
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Die Präsidentenwahl inFrankreich

Eeidf, 28. Des. 3öach den Desvrächen. Lie geslern
in Äcn Wairdelaänsen dor K«Lmm.er acführt wur-
L»en, scheint dis Mchl Clemenceaus sum Prä-
-sidcnten der NepEik zivmlich sicher su stehen. Tlo
menceM» sebdst soll noch etwas davegchr scm, mi-rd
aLcr von somcn Freunden dazu acvrangt und
Lürfte sich deshalb bestimmen lassen, dio Mlchl an-
^-iiclmoni. Mr das F i nan sm i n i st e ri uin
dcs ncp ru bildeniden Kabinetts Lemirbt sich der von
P-rairdoiltltlM rimücktreteiüie Po i ncar e, der
sogar die ernstc ALsicht haben M. sväter stch rum
Ministervräsidenten vorschlagen -u> lassen.
Die Tatsachc, ^>aß Poincare jedonfalls mit soinean
Ausstheiden aus >dom politischen Lelben nicht rsch-
nct, scheint sichar su stchcn.

Ein neuer Gewaltsireich Fochs

Militarisierung dee Saar-Eisenbahncn

Nach dcmi FricL>cn5Dortrag bleiLt dio VÄZioast
tung das Saargeb ietes in deutscher Hantd.
bis ein Resvorungsausschuh LLr den Saarstcmt Lurch
d<n Wlkerbunid gobrld-t wird. Entgegen d-ioscc
Lesttmmrmg besaHl Marschall Mch. dak bis zum t.
Iaiuurr die LiscnLabndiroklion in Saan-
Lrücken crus do,n Eebiet dcs künstigen Aamstaates
entfernt und oino nouo Direktion sür idessen Gisen-
Labnen unter Leituns oines französi.schon?Of-
siziers gebildet wird. Das deut.che Poisonal
soll grmäb den Bedrnsungcin des Waffonstillstcrnides
arich werterbin unter militärischsm DcfcHl bleilbon.
Begroifllcherweist ^nächtigte sich des gesanrten
EisenL'-ahnvrrsonals im Bezirle Saknlbrlickon und
dcr Pfcrls emo tiefgobendo Uunube. Dto Arbeiter
und Be«mten stnL» entschlosien, sich diesem. Rechts-
Lruch nicht ru fügen nnd zu verbangen. dcch dic>
bisberige Verwaltung ausrecht erbalten bleibt. Sie
orotestieren insbesondero gcgen die Absicht,
die Militari-sterlmg dev EUenbaHnor LeizuLübalten.

Die Reichsregicdun« bat gegeu Lisses den Be-
stlimnungen des Friedensvertrages wi-dwsvrechende
Dorgehen in Paris Protest e!.büben.

Ehrentafel der „grohen Nation'

Am 1. Weihnachtsfeiertag abands 6.30 llbr wurLo
bei der Casteller Namve Ler Miainzer Nhein-
brucko ein Mädchen von einem schwarzon
Fransosen überfallen. Nach ei-nein oer-
citclten kSittluhkeitsMrgri-ff entritz L-Ir Franzose
dem MäLchen das Geldtäschchcm mit 28 M. Znhalt
Uvd ging slüchtig.

A,n heilrgM Mbend gegen 7.80 llHr trafen 5 an-
scheincknd betrunckene Franzc<cn in dcm unL<fehten
Städtchen Cronbevg ei-n., Sir lehrten in die
Wirtifchaft .FleuLau" ein, belästigten den Wirt und
Lie GLst^ triebon diese schlvctzlich aus donr Lokal
und machten mit Llanken Waffen Zasd
auf fie L-urch idie Äratzen der Stadt. Zur Wirtschaft
zurücksekebrt, stmdcn die Franzoscn diese oer-
-schlossen. Sfe süegcn über otnen jÄaketenzaun. cr-
Lrachmr eino Hintertür und drangan durch diese -gc-
walt-fann ein. Der Wirt rief jä mm o r lich um
Hrlf ^ aibor die Polisej, die stchsmal serufen
worden war, traute sich nicht berbei. Als
die> Hilferu-fo imaner flebender rüu-vden. gnriet die
angchammrcfta Volksmeirgs in Emvorung. Eine
Anzcchl boherzter Atänner brachten die sich wie wild
sebärdenden Franzosen auf die Ctrabe büraus,
worauf fie aLzogen. Wm 1. Feiertage erschien dar-
ausWl eine Kvmmisiion fransösischer Os-fisiere und
Ueh 8 angchchene Cronberger Bürger festnebmen
und wie Cchweroevbrechcr gcfesielt nach Königstein
absülbren. (!) Meitere Cronbergar Dürgcki; eirtgin-
gen, t« chro Namen durch Lwe i d eutsche De-

nunsianten -verraten wordou waren, der Ver-
baftung nur dajdiurch, datz sie slüchteten.

Mas tut d«ru die Regievung? Nichts,
wio mrmer: sie bat Wichtigeres zu tun, s. B. Cchul-
bücherorlasiü u. anderes! u ... . >

Die Freigabe des deutschen
Mobiliars in Elsatz-Lothringen

Zu dckm am 1. Nooombcr d. Z. swsicheil- derdeut-
scheu und sran-ösischen Nogtevung abgcfchlossenemi
Abkommen über die Rückgabe dps deutschen Mobi-
liars in ElsLb-Lotbrinigen ist eine Vevordnung
des Generalkommiffars in> Strabbur.g
erlasien wovden, in der es beitzt:

Von dem Tageder vorliegenden Vororduung ab
wor,den aüf Antrag deü Berechtigten oder ichrer ao-
böüig bealcrllbigtan Vevollmächtigten oiuf Bewet-
ben der Stcvaksanroa-ltschaft die Sequostor aufgoho-
ben, die seit dchn Waffenstillstcrnd iöber in Msäst-
Lothvingen befindliches noch nicht licplidiiertcs Mjo-
biliar von folchen Leutjchen Pridatversonen, verr-
büngt »raren, die am 11. Novümber 1918 auf «Hab-
lothringiischom Eeb-iete wohnhaft wcrven odov stch
dort aufhielten, oder die es vorher verirasseni battchi.

Ausgenommen von dieser Bestimmung wird
das sveziell z-um Eeibrauche von kaufmäninschcn, tn-
dustriellon oder landwiirtschaftlichen UnterilehnnuM
gen bestiimnte Mobi-Liar. Düü -SequostevoesrWcrlter
hat die ÄHbrechnung dem Dorsihenden des BezirkÄ-
gerichts vorzuksgetz. Dicsor foll die Wufhctbumg des
.Sequesters von oorherioer Bezahl-ung der Sequestar,
unkosten unsd anderer vrwilogisrtsr Schuldfordo-
ruugen voi« Seiien des Bürcchtigten aühänsig
machen könneir.

Zusab dos WTB.: Jnteresiänten roollen fich Lis
auf wvitereB cvir kUas Reichsininftierbum Les Jnnern-,
Mteilung für Elstvsi-Lotbriugen, wenden.

Die Ausweisungen aus Elsatz-Lothringen

Die Zabl Ler vom 1. bis 15. Dchember aus EL-
faß-Lothring^n Vertriebenon betvägt 990 (270
Männer, 343 Frauen und 377 Knnder.) Da-von stnd
310 <l.usgewiefen, 670 freiwillig ausgercsH. Ueher
SaaÄörücken haben 321 Vüsenbahneir (88 Mannev,
233 Fraucn und Kinlder) das Lmrd verlassen. —
Bis Ende Noocmbör balbemi 95 000 Personcn Elsatz-
Lothringen verLlsien, darunter stnd etwa 21000
P<1lfonon ausMwiesen, während vie übrigen frch-
willig aiusrejste-n.

Wie SoLdaten für Polen
„geworben^ wcrden

Hinsichtlich der Werbung für die Armce Hallcr
ist die schwLizeriscl-e Geiandtisck-Lft in Berlin gebe-
ten worden. ucuerlich bei der -britischen, franzöfi-
schen und polnifihen Regiorung VorsteIIung-en
zu erheben. Es wird dabei u. a. mitacteill, tvsi
denjenieen, dis in den Wstimmulngsgebietcn be-
heimatct find. eine schnclle Heiiinbeförderung in
Ansficht gestellt w-srde, falls fie sür Polen stimmen.
Als Lies nicht den geVÜnsckstm Erfolg zcitiate',
goben polnische O-ffiziere sowie eine Zioilperson
in den Lagsrn brkannt. die Deutsckim mützten noch
25 Jahre als Kriessgefangene in Frankrcich blei-
ben. Äusiertkm erklärten di-c^e Personc-n. dah
OLerWesien von den. Drutfchsn rolltsmmen ver-
nichtlt worden sei. Die Häu?ir seion zerstört und
vcrbrannt. Die Frauen und Kindcr seien ermor-
det wordon. Diejenigen Grfansenen. d!e sich da-
raufhin bereit ercklärterr, für Polen zu stimnlon,
mußten eine entsMchrnde Erklärung unter-
schreiben Däbei wurde aber. obne datz ste es
merkk-'n. d>ile Ulitvr dem Schreiben geleiftete Unter-
schrift durch ein dcWzntsrsolegtes Pausblatt
auf einen weitoren Schein übertrasen,
worin sie fich Mm Eintritt in die polnische Armee
vcrpflichteir.

Ein Abkommen mit Polen

Mit dcr polntschen Regierung rst Än Beamten-
provisoriunr abgefchlosien ^woiLen. das dem

beutkchen Deamjen in den abgutvcitenden Gsbi^terr
fre l«n A-bzug. sowie Befrerung von LLr Liqui-
oatwn Hres Vevmögens, also Schutz von Per-
son und Halbe für nch und thre Famllie und
Haushatt zusichert und das autzerdem für die zwei
Monat. stiner Gültigkelt die GehältsbezüLe der
Wiomrten vogslt. Die Polen erklärten fich nünmehr
oas Mbkommen zu raitifizieren, und zwar
wtrddto Ratifizierung noch vor Neufahr erfoigen.

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v e ^ .4. .

Deutsches Reich

Borläufig keine 6 Stundenschicht

Bochum, 28. Dsz. Jn oiner Konferchrz. die der
Dorstand dtzs alton BergarbeiterverLan-
des mit den ZechenbetrieLsrätün des
RuhrLezjrks in der Fragoder Sech s-Stunden-
schicht abhiolt, wurde zmcrr allgomein deireu bal-
idige LmMrmrg gowüu,cht, aLer Letont, der
jehige Zeitvu,n>kt söi wegon der un-gctheuren
Kohlennot und der dadurch vevllvsachiten großeil Bo-
triebseinistellungon für dfe SchichtvevWrzuns aotzer--
ordentlich ungeeignet. Mt 69 gcgou 10 Sttm-
nren wurde eine Entschkietzung angonomimerr, nach
der gefovdert wird, daß die Ve-rringerlMg der Un-
tertagsschicht im Vervbau auf 6 Stunden durch i n-
tern-ationalo D'ereÄnbarung Levbeige-
führt werden mutz. Es wird ferger gesovdeet, dah
dio Dartreter der ausländifchen Vergleute fo schnrell
wie lnöglich mit den bvltlfchen Deglauten -ulam-
menkonrmen. um über die 6 Stundenschicht Veschluß
zu fasien. Bei den beoorstehenden Tarifoerhandlun-
geu Üst mit Rücksicht auf die ständige Berteuerung
Ver Lcchensmittel eine wesentlicho Vevbesse-
r-u n g des Terg-cnrbeiter-Einkommens m fordern'.

* Mehr nicht? - Aus Frankfurt ä. M. wrrd mit-
Leteilt, datz i-n einer Verfaimmluna kommlmistischer
EisenLahuarLeiter von einoni Roferontep bsi drr
Erövtevung der LohnsrggL ein Tagelohn von 66
Maivr als Eristenzminimum Lei glerchzei-
tigor Herabsotzung der Arbeitszeit gcfor-
dert wurde.

Aus Baüen

* G-org Eaa zum Eedächtnis. Zn Mannheim
ist. wic gemeldet, der Nettor Georg Gaa. einem
Lchlagwnfall '.ulogen. n-achdrm er kurz Mvor in
einer der Knabenhortfeiern die Wekhmachtsrinspra-
che gehalten hatte. Der Verstorbene kam im Za-Hre
1893 an den damals uoch ^rHLltnisanätzig rleinen
Lchrkörpcr der Mannhei-mjrr Dolksfchiule. wurde
später mit dem Sckkretärpoften im Dolksschulrektor-
rat betraut und erhielt im Zahre 1912 die wohl-
verdiente Ernennung zum Nektor M'.d Meitcn Be-
amten des V-slrsfchulreLtorats. Sein ungemein
großes OrLauchrtionstakent schuf das heutige groß-
städtisch-e'Dolksschulwessn der Stadt Mamr-
heini; tvs oanze VLrwaltunvssebiot des Schulwe-
sens strg in feiner Hand. <und die vielen Einrichtun-
gen rur Hebrurg und Förderung der Eiäsunldheit der
Schiukind.'r (Knabsn- und Mädchenhorte. Ferien-
kolonien. K^nr-erspeifung u. a. hatten an iHm
ein'cm ve.rfLändnisvolien Bevat-rr lund Fürsprrcher.

Wiesloch, 28. Dez. Hauptlehrer Tobias
Herbel wurde zum ReZtor dsr Volksschnle er-
na-nnt.

Das Hochwasser

^ ^ bereits ersolgtcn

gen rcher das Hochwasior liivgen noch einiaeND

Schrvariwald

gemeldet. daß dort nahezu sämtlicke ^ ^

Ort^ ohn^ olektrisches Üickst und Krast waren^ü
Lias Kraftwerk Laufenburg durch La»
wasser aeMuugen war. dc.n Bcktrioh der^iZA
e'UMsiell^; auch verschiedene vlemere
fernde Werke waven durch das Hochwafi^^,^
oclegt. Viclfach murde der Bahnverllebr ol*
bemmt. so auf der Mrrrgtal- und aus de,
talbcchn. Dort war er sogar ganz unterbrochen L

Dcrs Hock>wasier war über das
Murgtal

mit cnner Schuelliigkeit tzrreiugebrochen. wi«»

Mch nie erlebt worden ist. Jn wenigen SlliL
i^r dr-e Hauptstraße von Gaggenau völlig über-
^hwemmt. der Flutz überflutete die Dämme L,d
Wasier letzte auch die Benzwerke ieilwNle un-
und richtete vor allem »m Direktions'
oebaul-e großcm Schaüen crn. Aehnllch
ncen wurden auch die Bergmaunsroerke.

Das Murgwerk

dein fiarksten Hortzwasier. das vs stit deincm
Befteyen aniszuhalten hatte. in allen seinen Tei-
len widerstanden. Rur oanz vorüber-
gehend wurde die Stromerzeuguug durch dis
cmgcschwemmten HalMiasien. Baum.zu».üge uso
van denen die Rechen erst wieder oereinist wer-'
den mugten. et.was verrina>ert. An fich -st
aber die Stromliefevung fgr die angeschloisenri,
Dezirke m Mittel- unld Unterbaiden in keiner
Weise beeinträchtiat ^und es liegt keiner-
lei Grund zur Veunruhigung der licht- und kroft-
benötigenden BevAkcrung oor

Der Rhein

Kölu, 28. Dez. Der Pcgelstand des Rhe'ms L?->
trug um 4 Uhr uachmittags 8,7 Akötcr. Das Ufer-
geländs iist bis in die niedrig gelesc-ncn SLratzea
üborflutet. Zn Kshl fiel dcr Rheiu um 1Z5 Mher,
in Marau um 1^1 uud in KoLlenz rnn OHO
Mctciv. Die Mosel ficl bei Tricr um 1,33. Bci
Ak-anuhcäm stcigt der Rhein noch.

Kehl, 29. Dez. (Eigcncr Drahtbericht.) Das
Hochwasser bcdroht die Stadt ernstlich. Die Not-
brücke bci Kehl Mirdc von donl Flutckn wegge-
rissen. Am Rhein gelegeue Tsile von KcU uich
Siraßburg stehcn Kvlome'ter weit meterticf im
Wasser. Zm bud.schen Hainau-e-lan-d find viele
Ortschaften von Ler Hcchflut betrcrsfen. Dcx
Eisenbahnverkehr i>m Kehlckc Bcückeukopf
mußte eingestellt wrrdcn.

FreiSrrrg i. Dr., 28. Dez. Lrireul!ch>-'rweise sivd
Münschen drm Waffcrc nicht zrrn Ovstr so-
fallen. Auch der-V iehschade n icheirit uner-
heLlich M snn. Dagegen ist der SHaden an
Fcldcrn und Wichen. an wegaeschwcmmten Häu-
scru, an> de'n Straßen u.id übriscn Vc-ikehrswege.i
außerordeutilch givß. Diescr wird uoch vckvmehrk
durch neuerlich ei ng^tret en e Hoch-
wasser. Wm, zweiten Mc.iHnacht sse'uhrtag war
crutzcror-dentlich starker Schnee gefallen, der auf dlir
Schwarzwaldhöhen, 1 bis 1,50 Mekir lag. Heftigcr
Nogen, verbund-cn mit starkem HöhcnsLurin, hat
di<e Schneemasicn zmn Schmekzen gcbracht Lnld cknt
weiteres starikes sSteig<n der Wasier-
stvatzckn veruvfacht. Wenn' der Reaeu nicht fosort
nachläßt, so dürste die Eefahr oincr Ka> lastrophö
größaq als in den WrihnachtLlfeiertason sein, da
Id-ie DLmme bei dc^ «fien Flut wsscntlich gelit-
ten haiben und nicht miedcr ausgoöesicrt wc>rdeni
'kcnnten.

Dcr Main

Frankiurt a. M., 28. Dcz. Der Main führt iu-
iollge der starken Nicderschläge ftcLkes Hochwasirr.



M Der M^nsch muß ber dem Glaubeu beharren,

A daß das Unbegreifliche begrelflich sei, er würde A

sonst nicht forschen.

! oe 1 he

o »»»SK^SSSSSSS»'

kfeinrich Zerfferts Ende

Ein psychologischeS Märchen von hente
Von I. v. Biilow

(8. Fortsehung.)

Heinrich -lacht'e: ..Das weiß ich imd d'arum habe
ich mich auch nicht gezeigt, aber datz ich fosar Zhrcn
Eeschmack beleidige. das nimmt mir den Mut.
Zhuen kann es doch schließkich einer lci sein, ob rch
schön oder hätzlich bin. wemr Sie' soust nur von
meincm guten Znn-ern überMgt sind."

..Dos kann ich nichi voll unterfchroiben. Seif-
sert sagt-e nrir schon Lußerlich zu. als wir uns ren-
nen lernten. und daraus entwickelte fich dann unse-
re Freund(chaft. Sie find mir zum mindesten
Lleichgültig, und deshalb wird <m met^e Freund-
ichaist eine befonder« AriforLieruns. gcftellt. fvll sie
Zhren.neuen Levb Umfchließen."

..Das letztere haben Sie besonders sctzön gesast!
Aber — da wir geMde einnia.l oei diesom Leilbe
anüekommen sind, so tun Sie inir d,en Gcfallen.
unL) u-nterfuchrn Sie mich oon Kopf b-is zu Fuß rccht
einsrlMid. ich möchte gern >seuau wisi-en. woran ich
mit dem jeßvgen Korpus bin. u-nd o-b ich ia wirk-
lich einen L/utcn Darsich gDinacht habe. wie ich mir
eiubilde."

Heinrick rechncte damit. datz er den Arzt vor
allenr an ocm Medizinischen des Falles interesiie-
ren müsfle. ,md darum brachte cr ihu auf drefe
Untersuchung.

Beveitwillig ging Schuler davauf cin und prüste
ihn imit aller wisienschafllichen Metlwde. d-e ihm
zu Eeb-oie stand. Dann sagte cr'. ..Ste haben aller-
dinLs einen Prachtrörper. rind nach allem. nnrs Sie
mir urzählen. haüe ich auch keinon Zweifel inebr.
baß in Ztzrem Leibe tatfächlich dte Seele Heinrich
Seifferts steckt. aber wir werd-en über das Wunder
dieses WuÄausches nie hinwegkommen. Es ist eine
wissenfchaftliche Anmöglichkeit. und desbalb knrrs

sie nicht bekannt werden. Wir habcn keinen Fall
-an die Srite zu stellen. und nur durch die fürchter-
lichen seelifchen Erschüttevungen dicses Krieges ist
dic Sache überhaupt -erklärlich Wir wollen darü-
ber schweigen. es würde uns lediglich allen einen
AufentlM-lt !m Zrrenhcvuse eintrag-en. Nicht ein-
mcrl Zhre Kinder dürfen L-aioou erfahren. solange
S'.e.lciben. Zch weiß nicht, ob 'ch Fhuen danken
soll, daß Sie anrch in MiLwisieniZchast zotun» oder ob
Cie mir nickft oie Rutze meines Lebens damil
rcnrbten. Der Eedanke. daß uuch ich cinmaf wan-
dern könnte. ist unerträ-glich. Um das durchlstzal-
ten. dazu kedarf es einer Le!bensfr:udigt.':t wie
der Zlfteu."

..Zch danke Zhuen für Ztzr gutes Zutrauen-
Dock) jetzt kommt die Zukunft. Zch kann doch nicht
imnier a-ls namenloser Zrrer tzieru auf der Station
-sitzen. Erstens ist es zwecklos. und zweitens halte
ich «s hier aiuf die Dauer nicht ams. Dis jeßt habe
ich mich mit der Uebung meiner alten Fäbigleiten
auf doni neucu Znstru-ment ausvsicheud b-eschästigt.
aber jeht will ich bald wied'er anfangen zu schaf-
f>en. Also helfen Sie mir hern-us aais dieser Lnse
und suchen Sie mit mir meinen Namen. .

SchUler v/rrsyrach alles ErLi.'ukliche zu tun. uno
die beiden ajlten neuen Freunde schieden mit tzerz-
lichem Händedruck.

Don iebt an konnte Hsinrich durch die Vevinitt-
lung SchuLers an Age fchreiben. Scit er in deni
Heinlatlazarett war, hatte er auck nicht »nit ihr
telcphonieren könneu. w^il er ja aluch nicht aus-
gehen durfte. Die Erlaubnis hierzu vcrschasste
ihm Schuler uud amßerdem erreichte er. datz das
Dienstentlnssungsvorfahren segen Gn einLeleitet
wurde.

So war Heinrichs Leben äutzerlich erträglicher,
und da ihm die nötigen Mitte-l zur Berfüiglung
stniideii, konnte er fich der Anpasiung seines Kör-
pl-'rs jeßt mit allem Eifer hingcben.

Frazi. Ages erster Brief -an itzren Mann nach
desien Wandlung lautete: »Wenn ich mir davon
auch keine Vorstellung machen kann, datz du ietzt
«iue andere Göstalt anuahmst. so glarulbe ich doch
nickst. datz ftir mein Eeftih-l dir aegenüber Varauo
Untevschiede erwachsen. Zbr Männer betont zwar
inimer gern, datz wir Frauen oiel imchr Welbchen
als Ciristeswesein seien, aber ick glmdbe. das M
»uir eine Art der Vertoidigun« durch dt-n Hi«L,

denn botm Mann ützsrwiegt das Drutal-Sinnliche

doch sücrrk. Zch denks aar ntcht an das Eeschlecht-
liche, wo Dn mir unbcdinst rcckt acben wirst. Zch
erinnere Dich nur an die Fähigkeit oer imrisLen
Männer, mehr zu trinksn. als itzr Durst verkangt,
die Rauflust gewijser Kvasien. die Cchwäche dem
eignen Körper gsL^nübLr. fo wie «r krank ist »rnd
Cchmerzen einpfindet. Frcmen tziugogen. die lie-
bon. können sick über attes tziuM.'igIsetzen. Wäre-n
sonst viell-eicht die Ehen zwitzkion zarten. kleinen
Personen und gewalttätiven Säufern möÄich?

Elaubst Du, datz ich Dich weniger geliobt hätte.
wenn Du mir vurstümiuelt aus deim Felde zuvück-
gekommen warst? Nur eins tzätte meine Liebe zu
Dir töten köunen. wäre Dein -Verstand dabei zu
Schaden gekommen, deun diann HÜrt der Mensch
eben auif. Menjsch zu yein. Aber da Tiu dock) Deine
ganzen Geistcskräfte besißst umd noch obeudvein ge-
sünder und kräftiser gewordon bilst, fo setze ich nichtt
ein, warum ich dich nicht trok veränderter Eestalt
wi» bishec lisben soll. wobei ich eineS^iiüerungs-
möalichksit diessr Liebe ebenfo wie eineWaudelbar-
keit als undenckbar bezieichnen mutz! Latz >mis baLd
zulsam-uvenseinl Dic Ktnder brauchen auch des Da-
ters Hcmd. Deine Uge."

»Licbste Zlge! Nock) mußt Du roarten. Zch muk
erst Klarheit hab-en. ich bln doch verinuüich mtt
einer andern Fraiu verheiratet. Cie tuiud ihre Kin-
der hab<m vorläuf'g das grötzeve R-"cht auf diesen
Körper. Wie willst Du Dich zu diesom übevhaupt
stellon? Zch würve eifersüchtig auf ihn werden.
wäre Dir, wenigstens ietzt schon. auck »tur die Mög-
lichkeit e»nes Kusies dentbar. siobst Du mich «in-
mal in meinom neuen Kleide. Erst wenn -alles
ofst'n oor mrr liiegt. u-crdcn wir «uns tvofsen. Es
fcheint dir nur unnatürlich. o>eil Du mich noch ni-cht
gcfetzen. Zlber nock, »st Dir die Umwandluna nicht
zur SolbstoerstänldlichkeU geworden. und darum
wiirdcst Du doch evschrecken. sätzest Du «nrich. Wuck)
ich schne mich herzlich nach Dir und den Kindern.
aver »ch will stark bleiben, so wie Du es <vuch blcii-
ben mußt!"

Jnzwischen wartete Seilffert auf das Lrgebnis
seiiM Rachforschung. Der Arzt vcrsprach ihm Hei-
lung ober Besierung, sobald er nmr seinen Namen
tzörte. aber das tzalf ihm nichts. es mutzte auch
die^ Gewitzheit hinzutreten.

er fich bssonders dem Hochban. leftete mit
die Dokorationen einer Reitze von Knmst-
Weltalusstellungen. erstellte mMere Schlofidr "
oine stattllche Anzatz! Villen- nnd '

wotzei er nsben der sachlrch prakttschcn Seite b--
ders das malerische und Dekorative bctonie. "
war es, der als erster die großlinige eiM^
Davock-Architektur wieder einftitzrte. Don
V-li-ntkn Nnc; ATilleimi und der


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Schuler teiltc ihm nach olnigrr Zeit mit, d.iß

diefer Willi Schmidj leider lckbe und vergnügt sei.

Sonst hörte er nichts: die Fatznd-una blieb. wie
erwartet. evgebnislos. Darum verfuchte er es mii
der Ooffentilichbnt. Sein Bild sing durch die illu-
strierten Blätter. und nun kamen wirklich eine
Meneis von MitteikuiVN. Schuler hatte dte Zu-
schriften an fich richten lassen und schickte fie Hein-
rich zur DurcWcht. Der erbat von denen. die ernsö .
tzast tn Let-racht kanien. nätzere Angaben. bessndere ^
Personalbofchveibuns und Bild.-'r der Fraü und der 7'
Kinder. rr-eil er hoffte. mit d«m oft im Traum
Geschouten chn'e Usbcrernstiiirmung zu sinden.

A'ls cr endlich d'urch eine ciugcsaMe Photo-
graptzie glaubte, auf dem rcchten Weg> W selitz .
jchickte das Lazarett itzn mit eiuem Begleikr naa)
oem betreffeuden Dorfe.

Es lag im Säcksiischen. unweit Merssbms, eine - r
Siunde von dcr Bahn. Die -beittm Aiänni.'v wan-
derten durch die a-bgcernteten F-elder. der Hastr
allein war noch draußsn, dk'e Augustfonne brannte 1
heiß. Ein Wtrtshaus stand am Mege. dort fthrteii ,
fie ein. Der Wirt fatz tzinter dom Schantbrett,
aber acks dte Sotdaten Platz genmnmen. trat er zu .
ihnen. bracht,' das <vwünschte Viier m»d fitzte fily
selW mit einen'. Schoppen dazu.

lFortsetzung folap___ i>

Kunst und Wifienschaft

* Prof. Emauuel von Seidl. f. Proft.voN
Seidl ist. wie gemcldet. am Frcitag »n MunA"
gestorben. Er wurde ain 22. Aug. 1856 a-ls ^
vines DckL-rm-oisters gebovcin. Nach Be.uck ^
NcalMmnasmms und dor techn. ZochsckWlo
er beÜEderc: leftiete Mlt Lcnvov) ,

Dautcn feren llas deutschr Museum und der
Schackgalerie ^-rwäynt. Zahlreiche

der

liehene Ord-en legrn Zeugnis ab von tzen
sten Prof. von Seidls.
 
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