Deutscher Wille: des Kunstwarts — 30,4.1917

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etwas Rechtes herauskäme. Wre denn auch aus ihren Versuchen, in
der Baukunst neuzeitig zu werden, auch nicht annähernd so viel heraus
kam, wie aus den deutschen.

Grautoff fügte den Ausführungen Mäles Entgegnungen deutscher Ge«
lehrter hinzu. Am treffendsten scheinen mir die zu sein, die sich anf
Males Enthüllungen deutscher Täuschungsversuche beziehen. Sie weisen
in langen Reihen von Zitaten nach, daß deutsche Fachleute schon längst
vor Mäle die von diesem „entdeckten^ Ansichten aussprachen. Sie küm«
merte dabei nicht, ob sie günstig oder ungünstig für die nationale Eitelkeit
ausfielen. Denn deutsche Art ist, die Wahrheit zu suchen und das Ge--
fundene rücksichtslos auszusprechen. Auch ich habe mich an den Entgeg-
nungen beteiligt. Aber nur in dem Sinne, daß ich es für vergebliche
Mühe erklärte, mit einem Franzosen über solche Dinge zu streiten. Er
will eben für sein Volk Vorteile herausschlagen und er will die Deut»
schen Herabsetzen. Das scheint ihm die Forderung des Tages, der
Vaterlandsliebe zu sein. Rnd da sucht er in der Geschichte der Iahr«
hunderte herum, was für sie spricht, berauscht sich an der Möglichkeit,
durch Zusammenstellen von Notizen Wahrheit zu schaffen, und glaubt
Großes an sich selbst zu leisten, wenn er seinen Funden glaubt — glaubt
als Gläubiger, aus grundloser Aberzeugung der Wahrheit des sich ihm
Offenbarenden.

Niemand hat diese Art gewisser Propheten neuer Wahrheiten besser
erkannt als Rolland: „Da gab es Rationalisten/ sagt er, „die alle andern
Nationen hassen, und auch in ihre,r eigenen Nation alle, die nicht
ebenso dachten wie sie... Ls gab Leute des Westens, die östlich vom
Rhein nichts gelten lassen, Leute des Nordens, die von allen südlich der
Loire nichts wissen wollten; Leute des Südens, die alle nördlich der Loire
Barbaren nannten. Da gab es welche, die sich ihrer germanischen Ab«
stammung berühmten, und solche, die sich de,r gallischen Abstammung be--
rühmten, und die allerverrücktesten von allen, die »Römer«, die auf die
Niederlage ihrer Väter stolz waren. . . . Gegen diese Art Menschen ist
nichts auszurichten; sie Hören auf keinerlei Vernunftgründe als auf die
ihren; und sie sind dazu geschaffen, die übrige Welt zu verbrennen oder
selbst verbrannt zu werden."

Wir Deutsche wollen Mäle keinen Scheiterhaufen anzünden: wir wollen
in ihm nur einen jener Leute erblicken, denen auch nach ihres Lands--
manns Ansicht nicht zu helfen ist. Cornelius Gurlitt

Weltpolitisches

Bücher der Zeit 11

Als Kartenwerk möchte ich Ed. Rotherts „Karten und Skizzen"
empfehlen; die Bände dieser Sammlung bestehen aus farbigen Land--
karten, neben denen sich geschichtliche Erläuterungen befinden. Die Karten
sind gegenüber den üblichen sehr vereinfacht — im Physikalischen manch--
mal etwas zu sehr, aber das ist jedenfalls von Vorteil, daß sie nicht
mit Namen und Grenzen, Flüssen und Bergen übersät sind, sondern die
Lage der Hauptgegenden und -punkte rasch und leicht erkennen lassen.
Auf ihnen sichtbar ist entweder das Wachstum oder die Abnahme der
Staaten, kurz die Gebietsveränderung, vielfach auch einiges „Ethno--
Politische" und weiterhin die strategische Lntwicklung der wichtigeren

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