Deutscher Wille: des Kunstwarts — 30,4.1917

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trotz rnangelhafter Verkehrsrnrttel. Es kommt vor, daß ganze Ortschaften
verlegt werden, weil die Bewohner sich darüber verstandigt haben, daß
sie sich anderwärts unter günstigeren Verhältnissen niederlassen können.
Die Chinesen stecken zwar noch tief in der Despotie starrer Geschlechtsver»
bände, aber den grundherrschaftlichen Feudalismus haben sie seit mehr
als tausend Iahren überwunden. Darum haben sie es in der Freizügigkeit
sehr weit gebracht, viel weiter als die Europäer mit ihren Eisenbahnen,
weil zu viel wirtschaftspolitische Fesseln sie an die alten Mederlassungs-
orte fesseln.

Wieviel Kräfte wurden in Deutschland verschwendet, um das unaufhalt-
same Vordringen der Polen in den Ostmarken zu hemmen! An eine gründ«
liche Reform der Bodenbesitzverhältnisse, die doch hauptsächlich die Land-
flucht der ostelbischen deutschen Bevölkerung verschuldet, wollte man gleich«
wohl nicht heran. Unsre Machthaber fürchteten eben die Polen weniger
als Verdränger des Deutschtums, denn als Unterwühler ihrer Souveränität
über die östlichen Provinzen des Reiches. Am die Bestrebungen der
Besten unter ^5 Millionen Deutschen in den Vereinigten Staaten, der
amerikanischen Kultur einen möglichst starken deutschen Einschlag zu geben,
kümmerte man sich wenig. Man konnte sich eben einen deutschen Nationa-
lismus außerhalb des „deutschen Bodens", das heißt außerhalb des Macht-
bereiches deutscher Bodenbesitzer und Begierungen, nicht vorstellen. Als
ob es nicht möglich wäre, daß Deutsche in verschiedenen Ländern, unter
verschiedenen Regierungen und Rechtsverhältnissen, sogar unter dem
Zwange, die Muttersprache zugunsten eines fremden Idioms aufzugeben,
genau so gut teils bewußt, teils unbewußt gemeinsam darauf hinwirken
könnten, daß sich im Wettstreit der Völker die Aussichten auf Siege für
Wesen ihrer Art verbesserte, wie dies die Iuden in der ganzen Welt mit
so viel Glück für die nach ihrer Weise auf das Aberleben im Kampfe ums
Dasein eingestellten Menschen tun? Nichts fehlt alten, bodenständigen Völ--
kern zu einem vernünftigen Ausgleich mit den bei ihnen wohnenden Iuden,
als eine Aberwindung ihres überlebten feudalen Nationalismus, der
wahrhaftig nicht völkisches Bewußtsein als solches ist. Erst dadurch würden
wir gleiche Beweglichkeit und damit das rechte Vermögen erlangen, die
Vorteile des Verkehrslebens wahrzunehmen. Wir brauchen freizü-
gigen Nationalismus. Das Leben strebt nach immer größerer Freiheit
von der Scholle. Der Menschheit höchste Aufgabe besteht darin, die Erde
zu einem sreien Tummelplatz für jeden einzelnen Menschen zu machen.
In der modernen Wissenschaft der Soziologie ist sie sich über dieses
Ziel schon völlig klar geworden, denn deren Vertreter streiten kaum noch
darüber, daß die Menschheit in absehbaren Zeiten nicht so anwachsen kann,
daß die Erde nicht Raum und Lebemöglichkeit für jeden Menschen böte.
Die Lrreichbarkeit des Zieles ist keine wissenschaftliche Frage mehr, sondern
nur noch eine Willensfrage. 9t

Hlockenabschieü

von Ferö. Avenarius

V eer öie Straßen. Die Fenfter weit <rnf,

^Mff'^tehn öie HLuser unö lauschen hinauf.

Linnral noch: vonr Pfarrturm öort
<yuoll es hinaus, nun ftrömt es fort
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