Deutscher Wille: des Kunstwarts — 30,4.1917

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Deutsche Gemeinwirtschaft

^^inem deutschen Ingenieur, Wichard von Möllendorff, ist es vergönnt
U^*gewefen, bei der „wirtschaftlichen Mobilinachung" des preußischen
^^Kriegsministeriums mitzuwirken, über die wir bis jetzt nicht viele
Einzelheiten wissen, die aber ganz gewiß für die drangvolle Gegen-
wart und weit in die Zukunft hinein eine große geschichtliche Tat gewesen
ist. Aus Schaffen und Erleben heraus sind dabei dem vorurteilsfreien
Geiste Möllendorffs die Grundlinien einer kommenden deutschen Gemein-
wirtschaft aufgestiegen, einer wirklichen „Volkswirtschaft", in der Ordnung
an die Stelle der Anarchie getreten, Gemeinwohl statt Prositinteresse des
Einzelnen maßgebende Triebkraft geworden ist. Rnd mit aller Schärfe
des Kontrastes haben sich ihm gleichzeitig die Züge unsres bisherigen
Wirtschaftsystems enthüllt, in das die hinter uns liegenden Iahre Bresche
gerissen Haben.

Die kleine Schrift (Deutsche Gemeinwirtschaft, Verlag von Karl Siegis-
mund, Berlin (9(6), in der Möllendorff seine Gedanken niederlegt, wird
auf manchen wie eine Offenbarung wirken.

Selbst wem die Wege Möllendorsfs fremd oder gefährlich scheinen
mögen, den wird die Krast seiner Sprache nicht unerschüttert lassen.

Man kann ein solches Buch nicht „besprechen". Man kann es lesen, sich
von ihm hinreißen lassen, es wieder lesen; — oder darüber lächeln und
die Achseln zucken. ELwas dazu schreiben, Linzelheiten herausheben, hier
loben, dort bemängeln — das geht nicht. Zwar könnte man über diese
oder jene Stelle als Leitwort ganze Aufsätze, ganze Bücher schreiben; aber
auch das hieße nur: Erklärungen geben, Anmerkungen machen — hieße
diese Bergpredigt der Wirtschaftsgesinnung und -tat schulmeisterlich ver-
wässern.

Der Abdruck einiger Abschnitte und entscheidenden Sätze möge einen
tzauch des Geistes vermitteln, der Wichard von Möllendorf die Feder ge-
führt hat. ErichSchairer

Der Deutsche auf Geschäftsreisen

gk^er Deutsche eroberte seine wirtschaftliche Stellung nicht immer und
^überall mit schönen oder auch uur zweckmäßigen Mitteln. Wer so
viele, so gute und so billige Arbeit leistete, brauchte nicht gar so viel
zu zappeln und zu schreien. Manche für den nichtdeutschen Wettbewerber
schmerzhafte Tatsache wurde unnötig fett gedruckt und unterstrichen, statt
sie für sich selbst reden zu lassen; ja selbst für künftige Erfolge verlieh
man sich Lorbeeren auf Vorschuß. Einfache Geschäfte, die sich still und
schlicht abwickeln ließen, verwandelten sich manchmal vor lauter tzast und
Eifer in grundlos auffällige Scheinriesen. Waren von leidlicher Mittel»
mäßigkeit, billig, ordentlich, aber eben mittelmäßig wie tzausmannskost,
stellten sich auf eine falsche Wertstufe und priesen sich als Leckereien an,

(Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart (9(6) S. geh. 50 Pf. Renner, Oster-
reichs Erneuerung, 3. Band (Ign. Brand, Wien W6) ((9 S. kart. 2,50 M.
Rothert, Karten und Skizzen (Bagel, Düsseldorf) Bände VII u. VIII (Welt-
krieg) je geb. 5,50 M.; Bände III Vn u. IV Vd (Allg. Gesch. d. neueren
u. neuest. Zeit) 6,75 u. 7,75 M. (diese Karten auch auf die Bände III, IV, V
verteilt — je 5,50 M.). Sphyris, Griechenland und Italien („Globus",
Dresden (9(6) (02 S. geh. (,50 M.

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