Deutscher Wille: des Kunstwarts — 30,4.1917

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wird in dieser Abhandlung viel von letzterem wahrnehmen, soviel, daß
Renners Werk als einer der anregendsten Beiträge zur derzeitigen Welt«
politik gelten darf.

Das gilt nun nicht minder von Prof. Dr. K. D. Sphyris' politisch«
geographischen Betrachtungen: „Griechenland und Italien", die eine viel
zu wenig beachtete weltpolitische Frage in hellstes Licht stellen. Keiner
der hier angeführten Verfasser gründet seine politischen Meinungen so
fest und zielbewußt auf die unabänderlichen Grundtatsachen wie dieser
Athenische Schüler Ratzels. Seine Darstellung der geographischen Lage
Griechenlands und Italiens und ihrer zwangläufigen Folgen ist meister«
lich) seine Schilderung der Soziologie griechischer und italienischer Politik,
wie sie — im Gegensatz zum Erforderlichen — wirklich sind, ebenso klar
und wirklichkeitstreu wie betrübend und erschreckend. Von der Darstellung
der Lage der LLnder und der menschlichen Art der Völker geht Sphyris
über zur Aufstellung politischer Leitgedanken für die Mittelmeer-Vormächte.
Italien weist er grundsätzlich seine Stellung neben den alten Dreibund«
Freunden an, worauf sowohl die Notwendigkeit der Bewegungsfreiheit im
Mittelländischen Meere wie die wirtschaftlichen Lebensbedingungen des
Königreichs und endlich die aus der Volkslage folgenden Gebote der Ko-
lonialpolitik hinweisen; dem entsprechend kritisiert er ungemein scharf, aber
zugleich äußerst lehrreich, die ganz abwegige italienische Politik von heute.
Für sein Vaterland hat Sphyris zunächst viele innerpolitische Wünsche
(Entwicklung des Bildungswesens) der Volkswirtschaft, Verzicht auf grotz«
griechische Illusionen usw.); indem er sie vorführt, kennzeichnet er zugleich
die bestehenden Verhältnisse so, daß wir daraus die bedeutsame jüngste
Vergangenheit und die furchtbare Gegenwart Griechenlands tiefer als je
begreifen. Weiter erörtert er außenpolitische Möglichkeiten. Gegen Italien
gilt es nun für Griechenland auf der Wacht zu sein. Dem heutigen Vier-
bund aber empfiehlt er Griechenland sich rückhaltlos anzuschließen. Seine
verkehrspolitischeN) wirtschaftswissenschaftlichen und kultursoziologischen Be-
gründungen dieses Plans, der gewiß nicht außerhalb möglicher Entwick-
lungen liegt) sind knapp, aber wiederum von einem erstaunlich tiefen politi-
schen Denken und ebenso sicherer Beobachtung der ausschlaggebenden Mo-
mente getragen. So bietet die Schrift weit mehr, als der Titel vermuten
läßt: eine mittelmeerische politische Geographie von ausgezeichneter Me-
thode und Durchführung.* Ernst tzartwig

* Es sei erlaubt, dem tzerrn Verfasser nahezulegen, daß er künftige Arbeiten
von einem Deutschen sprachlich durcharbeiten lasse. Er schreibt für einen Aus-
länder gewiß erstaunlich gut Deutsch. Aber vieles bleibt Lesern, die nicht Zeit
haben, bei den vielen kleinen, sehr begreiflichen Fehlern und Mängeln, die
trotzdem sich einschlichen, schwer verständlich. Doppelt schade bei so wertvollen
Büchern!

Deutschland und der Weltkrieg, 2. erw. Auflage (Teubner, Leip-
zig l9l6) 2 Bde 83l S. geb. M. Hashagen, Umrisse der Weltpolitik

l8?l-lM (Leubner W6) 2 Bde l^0 u. l38 S. je M. Herre, Welt-
Politik und Weltkatastrophe L890 bis l9^5 (Allstein, Berlin IM) 2?l S. kart.
l M. Kjellen, Die politischen Problsme des Weltkriegs (Teubner W6)
S. geb. 3,^0 M. Kranold, Studien über Krieg und Wirtschaft (Augs-
burger Druckerei und Verlagsanstalt l9l6) 2 Hefte l06 u. 8l S. je l M.
v. Mackah, Der Vierbund und das neue europäisch-orientalische Weltbild
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