Deutscher Wille: des Kunstwarts — 30,4.1917

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jede Geldreform einen Machtausgleich herbeizuführen, so wäre damit be-
wiesen, daß das neue Geld nur das Lndergebnis einer ohne Staatshilfe
sich vollziehenden Entwicklung sein kann und daß dann dieses Geld nicht
mehr mit besonderen automatischen Polizeibefugnissen ausgestattet zu wer-
den brauchte, um einen Mißbrauch des Geldes zu verhüten. Die An»
nahme Gesells, daß die Eigenschaften des Goldes dessen Besitzer Macht
über die Besiher von Waren verliehen, ist Fetischismus. Hat denn der
Lisenwarenhändler irgend etwas vor dem Porzellanhändler voraus, weil
Eisenwaren dauerhafter sind als Porzellanwaren? Man gebe einem Hun«
gernden Geld: hat dann das Geld als Ware noch irgend etwas vor an«
dern Waren voraus? Wird der Inhaber nicht darauf brennen, es gegen
Nahrungsmittel einzutauschen, obgleich die ihm nur kurzen Genuß be--
reiten, während er sich des Geldes sein Leben lang erfreuen könnte,
wenn er es behielte?

Franz Oppenheimer hat in seinen Schriften gezeigt, daß man den sozialen
Organismus nur durch Belebung seiner natürlichen Kräfte gesund zu
machen brauche, damit anormale Erscheinungen wie die Monopolrente
des Grundeigentums von selbst verschwinden. Lbenso ließe sich beweisen,
daß nur das soziale Leben selbst das leisten kann, was Gesell einer Mrt
Kursregulierungsautomaten übertragen wissen möchte. Eine solche, den
sozialen Selbstheilungskräften angemessene, Geldreformtheorie soll in einem
folgenden Aufsatze kurz skizziert werden. Otto Eorbach

Vom Harmonium. 1

^^in ausdrucksfähiges Harmonium, von sachkundiger tzand gespielt, er«
§ innert an die blühenden Farben des Richard Wagnerschen Orchesters.
^-^Nach seiner ganzen technischen Einrichtung und kulturellen Bestim«
mung hat das tzarmonium mit der Orgel Hingegen wenig oder überhaupt
gar nichts zu tun. Allerdings muß das tzarmonium da, wo wegen Raum«
oder Geldmangel, zum Beispiel in kleineren Kirchen, Kapellen, Bet- und
Versammlungshäusern, Schulen, keine Orgel aufgestellt werden kann, deren
Stelle vertreten. Sehr häufig wird auch eine Literatur auf dem tzarmo«
nium dargeboten, die ursprünglich für die Orgel bestimmt ist: die land«
läufigen Choräle, Vor« und Nachspiele bekannter Orgelkomponisten. Nicht
viel besser sieht es um die häusliche Behandlung unsres Instrumentes aus.
Wer des Klavierspiels mächtig ist, glaubt des tzarmoniumunterrichts ent«
raten zu können. Schlecht und recht werden Choräle, geistliche Lieder,
Abertragungen aus der Vokal« und Instrumentalmusik laienhaft auf dem
tzarmonium gespielt. Doppelt schlimm ist es, wenn, wie es häufig vor«
kommt, minderwertige Instrumente stümperhaft gebraucht werden. Nn«
kenntnis der Spieltechnik und der eigentlichen Fachliteratur trägt die
Schuld an der Geringschätzung und der Aschenbrödelstellung des tzarmo«
niums im heutigen Musikleben, daheim und in der Offentlichkeit. Dem
Ansehen des tzarmoniums hat ferner auch der bis heute noch nicht ge-
schlichtete Streit über das Saugluft« und Druckluftsystem geschadet. Das
Saugluft-tzarmonium — amerikanisches System — tritt sich sehr leicht, hat
einen weichen Ton und durch die Knieschweller eine große Ausdrucks«
fähigkeit. Außerlich fällt dem Publikum das Saugluft-tzarmonium durch
hausgreuelhafte Geschmacklosigkeiten auf. Seine an den Orgelprospekt,
das Orgelgehäuse erinnernden Aufsätze, bestehend aus 5 bis 25 vernickelten
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