Deutscher Wille: des Kunstwarts — 30,4.1917

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Dreißig Jahre Kunstwart

it dem nächsten Heft tritt der Kunstwart in seinen einunddreißig«
sten Iahrgang, beginnt er sein „zweites Menschenalter". Von
meinen Mitarbeitern am ersten Heft lebt kein einziger mehr.
Was lebt denn noch vom Zeitgeiste von damals? Das auch von uns
mit in saurer Arbeit Lrkämpfte ist den Iungen von heut ein selbstver-
ständliches Erbe. Wenn unser. Wort den Werdenden mehr sein wollte
als klingende Schelle, wenn es Ruf zum Leben und Wirker am Leben
bleiben sollte, Stärker und Erweiterer, so mußte der „Kunstwart" schon des-
halb nach und nach aus der „Rundschau über alle Gebiete des Schönen"
über den „Kulturwart" zum „Deutschen Willen" sich entwickeln.

Wie geht er weiter? Die alte Erde kreißt in der Schwerstgeburt einer
neuen Ieit. Ich weiß nur, daß der Kunstwart nach aber dreißig Iahren
dem heutigen noch viel unähnlicher sehen wird, als der heutige dem von
§887 — falls der von dann seiner Aufgabe genügt. Ich weiß, daß wir
überflüssig wären, wenn nicht jeder Muskel in uns sich jetzt neuen Arbeiten
anpaßte, hier um zu erringen, dort um zu erhalten. Noch können wir ja
nicht einmal von allem öffentlich reden, was unsre Stellung auf der Wacht
uns zeigt. Anser Kunstwart und der ganze aus ihm gewachsene publizisti«
sche Organismus der „Rnternehmungen" und des „Dürerbundes" wird desto
besser sein, je weniger wir die Umgrenzungen aus irgendwelchen bisheri«
gen „Gebieten", Aufgaben, Programmen, Schematen, Vorzeichnungen her«
übernehmen und je mehr wir auch die Formen unsrer Arbeit aus der
deutschen Kultursache heraus immer neu sich selber gestalten lassen. Möge
auch der „Deutsche Wille" immer sein, was der „Kunstwart" war: das
Organ derjenigen Minderheiten, welche die Zukunft tragen! Viel«
leicht, daß er dann im besondern Sinne ein „Morgen-Blatt" der Deut-
schen werden, daß er das zeigen kann, was am deutschen Himmel aufgeht.

Welche Arbeiten uns als die dringendsten erscheinen, davon in den
weiteren Heften. A

2. Septemberkeft 491? (XXX, 2^)
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