Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 17.1899

Page: 13
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vortreffliche» Moreau! I» der Thut hol
er sich ouch gegen uns so betrogen, daß
wir ihm nicht genug danken können. Noch
hat weder er, noch ein anderer General
oder Kommissär einen Kreuzer Geld von
uns gefordert. Diese Requisition an Natu-
ralien war teils nicht beträchtlich, teils
haben wir Mittel und Wege gefunden,
um die Lieferung derselben sehr leicht zu
machen. So glücklich ist es noch keinem
Kloster oder Ort gegangen, wo die franzö-
sische Armee hinkam. Die Vorsehung sei
dafür gepriesen. Moreans Betragen gegen
mich insbesondere war ausgezeichnet gut
und liebreick. Ich mußte immer bei der
Tafel an seiner Seite sitzen, er gab mir
immer von seinem eigenen Wein zu trinken,
sprach viel mit mir, empfing mich immer,
so oft ich ihm einen Vortrag zu machen
hatte, mit Liebe und Bereitwilligkeit, und
entschied entweder sogleich selbst, oder ver-
wies mich an denjenigen, an den ich mich
zu wenden hätte. Dieses Betragen des
Obergenerals gegen mich hatte natürlicher-
weise auch Einstuß auf das Betragen an-
derer Generäle und Offiziere. Alle be-
handelten mich mit Achtung, und es war
mir leicht, überall, wo ich sein konnte, Ruhe
und Ordnung zu erhalten, oder den Un-
ordnungen sogleich ein Ende zu machen.
— Den 26. Juni: Heute erwarteten wir
den Generalstab, allein er kam nicht. Auf
den Abend bekam die Grenadier-Compagnie,
die gleichsam als Garnison mit ihrem
Hauptmann noch hier war, Befehl, nach
Donanwörth aufzubrechen, wodurch das
Kloster von Soldaten fast gänzlich be-
freit wurde. Mit den Kommissären sind
wir auch wegen der Naturalienlieferung
auf eine gute Art, soviel cs möglich war,
in Ordnung gekommen. Sonst ist nichts
von Bedeutung vorgefallen. — Den
27. Juni: Auch heute kam der General-
stab nicht hierher und nun hoffen wir, von
ihm und einer großen Last, die uns durch
ihn wäre aufgelegt worden, befreit zu
bleiben. Zu Mittag speisten wir wieder
alle im Konvent, indem kein Offizier von
Rang mehr hier war. Auch haben wir
wieder angefangen, die Glocken zu läuten
und den Gottesdienst und die übrige Tages-
ordnung wie vorher zu halten. — Den
28. Juni: Da ich dem Kommissär orclon-
nnteur Noncry eine Requisition, die nicht in

Form war, znrückschickle, so schickte er heute die
nämliche Requisition vom General Desolles
und dem orctonnnteur General Mathieu
Faviers unterzeichnet, folglich in optima
lorma wieder. Wären wir doch von
diesem Plaggeiste befreit. — Den 29. Juni:
Heute war Predigt, ei» feierliches Hochamt
und Vesper. Mit großer Schwierigkeit
fanden wir uns mit einem Kommissär
wegen der letzteren Natnralienlieferung ab.
Verflossene Nacht sah man in Auernheim,
Ebnat rc. mehrere kaiserliche Kavalleristen.
Vormittags ging die Bäckerei fort. Im
Konvent wurde mein Namenstag gefeiert.
— Den 30. Juni: Es sind noch vier
französische Husaren mit ihren blessierten
Pferden hier, sie boten sich selbst an, hier
zu bleiben und Dienste zu machen und
haben es auch wirklich schon mit gutem
Erfolg gethan. Nur wünschen sie des-
wegen eine Ordre von ihrem Gl. eir allst
zu haben, um auf jeden Fall gesichert zu
sein. Ich schrieb deswegen heute an ihn
folgenden Brief: Mein lieber General!
Es sind hier vier Husaren vom 6. Regi-
ment, deren Pferde blessiert sind, sie wollen
in der Abtei bleiben. Ich bitte um eine
Ordre, die sie hier beläßt rc., folgt dann
noch ein Kompliment. — De» 1. Juli:
Seit zwei Tagen fühlte ich die Folgen der
Anstrengung und des Wachens in meinem
Körper; ich war gezwungen, heute Medizin
znm Brechen einzunehmen. — Den 2. Juli:
Heute um 4 Uhr morgens reiste ich mit
einem französischen Husaren nach Dinkels-
bühl ab, um den gnädigen Herrn zu be-
suchen und ihm mündlich Nachricht zu
geben, was sich hier alles zugetragen hat.
Auf dem Wege verbreitete ick mit meinem
Husaren überall Furcht und Sckrecken, be-
sonders in Flochberg und Bopfingen. In
Schneidheim schickte ich ihn wieder zurück,
indem ich Bedenken trug, ihn bis Dinkels-
bühl mitzunehmen. Unser guter gnädiger
Herr weinte vor Freuden, da er mich sah,
und alles drang sich zu mir, um mich mit
Lobsprüchen, Glückwünschen und Schmeiche-
leien zu überhäufen. In Dinkelsbühl
konnte man mir nicht genug erzählen
von dem Schrecken, in welchen die ganze
Stadt, und vorzüglich die dahin geflüchte-
ten Fremden versetzt wurden, da am 23. Juni
die Kaiserlichen durch dieselbe retirierten,
und aussagten, daß die Franzosen sogleich
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